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Fotoblog Piemont - Barbaresco, Barbera, Barolo und Turin
Rekordhalter: unter Turins nicht gerade kleinen Plätzen ist die Piazza Vittorio Veneto der größte. 360 m lang und 111 m breit, auf allen Seiten von Arkadengängen umgeben, sucht solch ein Areal selbst in Europa seinesgleichen. Und egal aus welchem Blickwinkel man die majestätische Fläche betrachtet, die Aussicht ist stets wunderschön – auf die Turiner Hügel, den Fluss Po oder die Piazza Castello.
Altstadtfreuden: Turin ist zweifelsohne die italienische Hochburg des Genusses. Überall locken Restaurants und Trattorien mit Spezialitäten aus der Region – und zum Aperitif bleibt man selbstverständlich ebenfalls patriotisch, entweder mit piemontesischem Wein oder mit einem Wermut. Denn dieser aromatische Mix aus Moscato, Kräutern und Gewürzen wurde in Turin erfunden; und zwar schon 1786.
Barock trifft Neuzeit: Auch moderne Akzente verträgt die Piazza Castello in Turin; der zentrale Platz der piemontesischen Metropole, an dem heute ihre vier wichtigsten Straßen münden. Sein ältester Part stammt aus dem 16. Jahrhundert; geprägt wird er vor allem von den Palazzi der Savoyen-Herrscher.
Überraschungspaket! Hinter seiner prachtvollen Fassade verbirgt der Palazzo Madama nicht nur eine Fülle mittelalterlicher Kunstwerke sowie Kunsthandwerk aller Epochen. In seine die Mauern integriert ist auch das einstige römische Stadttor. Seinen Namen verdankt der heute als Museum dienende Savoyer-Palast übrigens der hier bevorzugt logierenden Maria Christina von Frankreich, genannt Madama Reale.
Neive? Weinkenner wissen, dass sich hinter diesem Namen eine der beiden „kleinen“ Schwestern von Barbaresco verbirg; jenem Ort, der einem der drei großen italienischen Wein-„B’s“seinen Namen lieh. Im Castello di Neive arbeitete im frühen 19. Jahrhundert der Reimser Önologe Louis Oudart an der Neuinterpretation des Barbaresco – nachdem er zuvor beim Grafen von Cavour in Sachen Barolo tätig war.
Sanfte Höhen für samtige Spitzenweine: in den Hügeln des Barbaresco erwächst aus jedem Gewand ein eigener Geschmack. Hundert Meter entscheiden schon über den Unterschied, ebenso wie Ausrichtung der Rebzeilen zur Sonne. Die liefert sich im Herbst übrigens häufig ein Duell mit dem Nebel, dessen Schleier sich meist zur Lesezeit über die Traubenstöcken legt.
Kalkmergel ist typisch für die Böden in Barbaresco. Mergel entsteht, wenn gleichzeitig Ton abgelagert und Kalk ausgefällt wird; der Anteil beider ist dabei in der Regel gleichgroß. Bei höheren Kalkgehalten spricht man von Kalkmergel, bei niedrigeren von Tonmergel.
Korken einer Barbaresco-Vertikale – denn die Faszination liegt beim Barbaresco wie auch beim Barolo in der Lagerfähigkeit. Bei einer Vertikale werden ausschließlich oder zumindest überwiegend Weine nur eines einzigen Weingutes probiert – in der Zeitachse von ganz jung bis hinab in die ältesten Jahrgänge.
Torre del Brico heißt der stattliche mittelalterliche Wehrturm, der Barbaresco – wörtlich: das Dorf der Barbaren – überragt. Und der Name des Bürgermeisters der knapp 700 Einwohner lautete lange Zeit Giovanni Gaja. Der berühmte Winzer Angelo ist sein Sohn; benannt nach jenem Ahn, der 1859 mit einem Zwei-Hektar-Gut den Grundstein heutige zum Gaja-Imperium legte.
Wein-Regal statt Altar: In San Donato werden schon seit geraumer Zeit keine heiligen Messen mehr zelebriert – die ehemalige Kirche von Barbaresco birgt inzwischen die Orts-Vinothek. Nebbiolo mit göttlichem Segen sozusagen.
Fotoblog Piemont
Kirchliche wie weltliche Macht sind in San Martino Alfieri eng verzahnt. Uralt ist das Geschlecht derer von Alfieri; schon die Vorväter von Senats-Präsident Cesare Alfieri, der sich bei der Ausarbeitung der albertinischen Verfassung von 1848 für die Liberalisierung der Monarchie einsetzte, kultivierten Reben auf dem Land um ihr Schloss. Heute betreiben drei weibliche Nachfahren die antike Kellerei.
Weinschloss: Rund um den 1721 erbauten Palazzo der Marchesi Alfieri in San Martino Alfieri liegen auch die Kellereigebäude; zudem wurden Gästezimmer – und Appartments für Weinfreunde eingerichtet. 15 der insgesamt 24 ha Rebfläche sind mit Barbera bestockt; die Trauben eines jeden Weinbergs werden händisch in kleine Kisten verlesen und separat vinifiziert.
Imposante Fifties – 1959 ließ die Cantina Sociale di Antignano e San Martino Alfieri in Antignano sich dieses auffällige Domizil erbauen; durchaus ein mutiges Unterfangen in dem kleinen Weinort. Über die Jahre wurden die Strukturen der Cantina allerdings den Produktionsanforderungen angepasst – immerhin zählt die Kellerei heute siebzig Mitglieder und produziert fast nur DOC-Weine.
Asti am Sonntag – so wenig los ist auf dem Domplatz des Spumante-Städtchens höchstens während der Messe oder der Zeit des Mittagessens. Ansonsten trifft man sich an seinem Saum zu Wein und Café – und am dritten Sonntag im September zum traditionellen Palio. Dann geht es besonders hoch her auf der Piazza des einstigen Bischofssitzes, dessen Fundamente die Römer schon 89 v. Chr. legten.
Auch beim kräftigen Barbera d’Asti macht eine Vertikale Sinn – die Jahrgangsunterschiede zeigen sich in Reife der Frucht, der Fülle des Körpers und der Ausgewogenheit der Säure.
Chamäleon: Im Juli ist die Barbera-Traube noch grün, erst später kommt mit der Reife auch die dunkelviolette Farbe in die Beerenhaut. Je nach Region entwickelt sich aus den Trauben ein eher feingliederiger (Barbera d’Alba) oder ein vollfruchtig-saftiger Wein (Barbera d’Asti)
Damen-Kränzchen – Im 21. Jahrhundert geht es selbst in kleinen piemontesischen Dörfern ganz modern zu. So hat auch der Innenhof der Enoteca Regionale in Nizza Monferrato eher Lounge-Charakter; genau das Richtige, wenn junge Frauen sich zum Plaudern zusammensetzen – ob über den Wein, das Winzertum oder was auch immer.
Lustiger Geselle: Daniele Chiappone vom Weingut Eredi di Armando Chiappone in Nizza Monferrato. Der jüngste Erbe (erede)des Guts-Gründers ist ausgebildeter Önologe und bewirtschaftet das etwa zehn Hektar umfassende Anwesen auf dem Hügel San Michele zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester Michaela. Aus den Chiappone- Rebstöcken entsteht u.a. der Barbera d’Asti Superiore Nizza „Ru“.
Zwei, die sich und den Barbera mögen: In der enoteca regionale in Nizza Monferrato empfiehlt der Sommelier zielsicher den passenden Wein zu solch deftigen Köstlichkeiten. Natürlich kommt er aus der Region, ist rot saftig, dunkelfruchtig und duftet nach Erde und Herbst. Ein kleiner König aus Asti und Umgebung.
Edler Auftritt! Schon lange ist der Barbera kein Bauernwein mehr; seine vornehm-zurückhaltende Ausstattung transportiert die zeitgenössische Wertigkeit – denn längst ist der Rote aus der Region um Asti und Alba in der Weinwelt in die Riege der internationalen Luxusgetränke aufgestiegen.
Blauer Kalkmergel ist der Boden, der dem Nebbiolo seinen einzigartigen Charakter verleiht. Häufig finden sich in dem Sediment-Gestein auch fossile Einschlüsse. Sein Hauptgebiet sind die französischen Alpen.
Francesca Vaira vom Weingut Aldo Vaira tritt in die Fußstapfen ihres Vaters. Das elterliche Anwesen in Vergne, der höchst gelegenen Gemeinde des Barolo, umfasst inzwischen 40 ha von denen ein Viertel mit Nebbiolo bestockt sind. Auch Francescas Bruder Giuseppe, ausgebildet an derselben Önologenschule wie sein Vater, unterstützt inzwischen dessen Arbeit.
Unwiderstehlich: ein piemonteser Rohmilchkäse, der sich im Nebbiolo-Trester verfeinern durfte. Nach althergebrachter Tradition wird in der Provinz Cuneo eine Fülle hocharomatischer Milchprodukte hergestellt. Allein sieben Käsesorten der Region dürfen sich mit dem DOP-Siegel schmücken; darunter Bra, Castelmagno, Murazzano und Raschera. Lokale Besonderheiten sind u.a. der Brus und der Robiola d'Alba.
Piemont-Botschafter par excellance – der kleine Hellblaue in Barolo stammt ursprünglich aus der großen Metropole der Region. Seine Wiege stand in der Fabbrica Italiana Automobili Torino, kurz FIAT. Noch heute fasziniert übrigens die 1921 fertig gestellte Teststrecke des Unternehmens auf dem Dach des ehemaligen Werksgebäudes Lingotto direkt in Turin.
Tonda Gentile delle Langhe – wer würden bei so einem Namen noch an schlichte Haselnüsse denken? So besonders wie die Weine des Piemont sind auch viele seiner anderen landwirtschaftlichen Produkte. Die feinen DOC-Nüsse geben vor allem der Gianduja ihr Aroma, der wunderbaren, kakaodunklen Turiner Nougat-Spezialität, die dort schon zu Zeiten Napoleons erfunden wurde.
Juwel zwischen Grün und Weiß: Schon im Namen des zauberhaften Städtchens Verduno steckt die Fruchtbarkeit seiner Umgebung. Das Schlossgebäude nutzte der Savoyer-König Karl nicht nur als Sommerfrische, sondern auch zur Produktion von Barolowein – mit Hilfe des berühmten Önologen Staglieno.
Weitblick: Bis zu den schneebedeckten Alpengipfeln reicht bei klarem Wetter die Sicht von den sanften Höhen der Langhe, jener piemontesischen Weinlandschaft, aus deren kleinen Dörfern große Weine stammen.
Veilchenduft: häufig lassen die Aromen eines Barolo oder Barbareso an jene dieser ebenso schönen wie bescheidenen Pflanze denken. Allerdings erst nach einer gewissen Reifezeit. Auch einen Hauch von Rose entdeckt man mitunter in den Nebbiolo-Weinen; allerdings eher einer verblühenden.
Typisch Barolo: wie Untertanen ihrem König liegen die Rebspaliere der altehrwürdigen Zeder auf dem Hügel von Cordero di Montezemolo zu Füssen. Tatsächlich herrscht nur ein Grafengeschlecht über die Ländereien, das allerdings seit dem Jahr 1340. Heute lenken die Brüder Enrico und Giovanni Cordero di Montezemolo die Geschicke des Guts; zusammen mit den Kindern des Zweitgenannten.
Malerische Panoramen: Vor der Kulisse der Alpen bezaubert die Langhe mit sanft gewelltem Hügelland und endlosen Weinbergen. Oft recken sich auf den Kuppen burgähnliche Palazzi wie das Castello di Barolo.
Ausgereift und fast olympisch: die sechs wie winzige Ringe wirkenden Luftperlen sind Zufall, die herrliche Tönung indes ist typisch für einen gereiften Barolo. Das satte Granatrot mit orangefarbenen Reflexen entspricht dem Königstitel, den dieser piemontesische Wein inzwischen unter Kennern – wieder – trägt. Im 18. Jahrhundert hatte er zu den Lieblingsgetränken des Hauses Savoyen in Turin gezählt.
Wie viele Farben hat ein Wein? Nach dieser Lagenkarte vom Barolo-Gebiet mehr als ein Dutzend. Erst anhand solch einer eindrucksvoll markierten Skizze wird die faszinierende Vielfalt der Einzellagen in dieser kleinen Weinwelt deutlich. Es gibt berühmte Lagen wie Cannubi, deren Trauben einen doppelt so hohen Preis erzielen wie jene anderer Weinberge.
Kirchturmblick: Weit, weit können die Augen bei schönem Wetter von Monforte d’Alba in die Ferne wandern. Der 2000-Seelen-Ort liegt in der typischen Hügellandschaft der Langhe, der Heimat des Barolo. Neben diesem werden in Monforte auch Reben für den Schaumwein Alta Langa angebaut.
Im Keller der Azienda Agricola Conterno Fantino kann sich der Barolo aus Monforte bestens verfeinern. Das Gut wurde erst in den 80ern gegründet; es arbeitet gänzlich unter der Beachtung des Bodens, der Traditionen und der Zeit. Denn Guido Fantino und Claudio Conterno sind der festen Überzeugung, dass diese drei Faktoren unlösbar zusammengehören, um Weine von höchster Qaulität garantieren zu können.
Älterer Herr in Barolo mit wachem Blick und klassischen Zügen der Menschen der Langhe, wie für Barolo reift man in den Hügeln langsam und lange
Farbreflexe eines Barbarescos im Glas, die Farbe spielt bei der Beurteilung des Reifezustandes eines Nebbiolo aus Barolo oder Barbaresco eine wichtige Rolle. Experten können daraus viel über die Güte und das Alter herauslesen

Barolo aus dem Piemont - Die Faszination kommt mit dem Alter

Ein traditionsreicher Rotwein zu 100 % aus der Nebbiolotraube

Das kleine Anbaugebiet südwestlich der Trüffelstadt Alba im Piemont gilt als Italiens vornehmste Herkunftsregion für Rotwein. Nebbiolo heißt die Rebsorte, der Stoff, aus dem Weinträume gemacht werden. Allerdings braucht es weit mehr als nur die richtige Traubenart, um einen wahrhaft königlichen Rotwein zu erzeugen. Sorgfalt und Können gehören dazu, eine große Portion Glück und − vor allem − die richtige Lage.

Die Kehrseite der Berühmtheit

Ein Discounter preist lärmend Barolo an, ein zweiter kontert mit einem noch günstigeren Preis, woraufhin der erste mit dem Preis noch weiter runtergeht. Am Ende ist der „König der italienischen Rotweine“, wie der Barolo gern genannt wird, für proletarische 6,49 Euro zu haben. Was ist davon zu halten? Wie kommt es zu solchen Preisen? Ist man ein schlauer Fuchs, wenn man allen Weinhändlern, die mehr als dreißig Euro für eine Flasche Barolo verlangen, eine lange Nase dreht und lieber fürs gleiche Geld gleich einen Sechser-Karton mitnimmt? 

Die Faszination liegt jenseits der Masse

Machen wir’s kurz: Bei dem Handel ist man der Dumme. Zwar kann man für sechsfünfzig durchaus Weingenuss erwerben – aber eben keinen ordentlichen Barolo. Für einen angenehm zu trinkenden Valpolicella reicht der Betrag, für einen netten Nero d’Avola oder einen freundlichen Chianti. Niemals aber für einen auch nur passablen und schon gar nicht für einen exquisiten Barolo. Die Discounter kaufen Restposten auf, die ursprünglich mehr kosten sollten, insofern seien die Weine Schnäppchen, lautet das immer wieder gehörte Argument. Mag sein. Es stimmt, dass da Weine vertickt werden, von denen zu viel Menge da ist. Aber was landet schon in so einem verzweifelten Ausverkauf? Nicht die guten Weine, sondern die Spekulationsruinen.

In zwanzig Jahren neu geboren

In den Jahren, als die Preise scheinbar unaufhaltsam stiegen, haben manche Winzer und Weinbauern in der Hoffnung auf gute Rendite in untermittelprächtigen Lagen Nebbiolo gepflanzt. Innerhalb weniger Jahre wuchs die mit Reben bestockte Fläche von weniger als 1.200 auf etwa 1.800 Hektar – ein enormer Zuwachs an Menge, ein Rückschritt in Sachen Qualität. Schließlich sind die Produzenten auf dem unterdurchschnittlichen Wein sitzen geblieben. Die Krise und der allgemeine Preisverfall haben diesen Prozess verschärft. Jetzt muss der Rachenputzer weg, egal zu welchem Preis. Da kommt nun unser Discounter ins Spiel. Der sagt sich: Hauptsache, auf dem Etikett steht „Barolo“, mit dem Inhalt kennen sich die Leute eh nicht aus. Und bis sie merken, dass ihnen der Wein nicht schmeckt, haben wir unser Geschäft im Reinen.

Weinplädoyer für den geliebten Barolo

Viele würden sich ja nicht mal trauen, laut zu sagen, dass ihnen der Wein nicht schmeckt. Barolo, das hat man vielleicht schon mal gehört, ist ein großer, aber auch ein schwieriger Wein. Leute, die ihn zum ersten Mal trinken, empfinden ihn aber oft als rau, dünn, bitter, sauer, pelzig und noch einiges mehr, das man eigentlich gar nicht in den Mund nehmen möchte. Nur, stünde man nicht womöglich als Banause da, wenn man zugäbe, dass einem der Wein nicht mundet? Das ist ein bisschen wie beim modernen Theater. Hat man keine Ahnung, klatscht man sicherheitshalber umso lauter, um nicht als unkultivierter Spießer dazustehen. Barolo, so viel ist richtig, ist ein großer und ein schwieriger Wein. Und, das kommt hinzu, es ist niemals ein billiger Wein.

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