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Fotoblog Marken - Die Welle im Glas
Welle im Glas – wer jetzt gleich an des Meer denkt, liegt goldrichtig. Denn der Verdicchio, der sich hier so kühn aufbäumt, passt bestens zu allem, was die Adria hergibt, ob Fisch in allen Varianten oder Meeresfrüchte. Das Wein-Wasserbewohner-Duo veredelt jeden heißen Tag am Strand.
Dino Porfiri dirigiert das Weinwerden, mit einem Elan, der seinesgleichen sucht. Seit Jahrzehnten arbeitet er als Önologe für Fazi Battaglia – und kennt alle Geheimnisse des Verdicchio. So wie ein guter Dirigent alle Stärken und Schwächen seiner Musiker kennt.
Blau-Weiß – ist das nicht die typische Farbkombination von Griechenland? Nun, die Gründung der markischen Küstenstadt Ancona geht tatsächlich auf hellenische Siedler zurück. Sie waren im 4. Jahrhundert vor dem Tyrannen Dionysios geflohen. So mag sich auch der Name dieser Strandbar erklären. Clandestino bedeutet nämlich heimlich, geheim – oder auch blinder Passagier.
Ob Sterneküche oder Trattoria am Meer – in den Marken jubeln stets Augen und Gaumen gemeinsam. Die Produkte sprechen in der Regel für sich, frisch und farbenfroh. Da braucht es als Zutaten nicht viel mehr als ein paar Kräuter und ein wenig Öl; vielleicht Tomaten und Pasta: fertig ist ein wunderbar mediterranes Gericht. Perfekter Wein-Begleiter dazu: ein knackiger Verdicchio.
Einfacher Genuss: Fisch kommt in den Marken in allen Varianten auf den Tisch – bei rund 150 Kilometer Küste ist das kein Wunder. Am liebsten essen ihn die marchesi ohne viel Chi-Chi. Für den brodetto, den Fischeintopf, braucht es allerdings unbedingt Tomaten. Und mehrere Sorten fangfrischen Fisch. Welche, entscheiden Koch und Köchin spontan – je nach Marktlage.
Nicht nur hügelig, auch bergig sind die Marken. Wie kleine Kronen liegen die Dörfer auf den grünen Kuppen vor den Gipfeln des Apennin; viele tragen auch die Erhebung im Namen: Montecarotto etwa oder Cupramontana. Auch hier fühlt sich die Verdicchio-Rebe wohl.
Schöne Frauen und pralle Trauben – das historische Etikett von Fazi Battaglia versprüht den Charme der Wirtschaftswunderromantik. Wer bekäme da nicht Lust, die Flasche zu entkorken und sich auf der Stelle ein Gläschen Verdicchio zu gönnen. Genuss kennt weder ein Gestern noch ein Morgen; das Jetzt ist immer der richtige Moment.
Klassiker neu gestylt: die Amphorenflasche von 1953, inzwischen zeitgeistig aufgepeppt, hat den Verdicchio weltweit in aller Munde gebracht. Bei Fazi Battaglia in Cupramontana, Weinmacher seit 1949, birgt sie heute den Titulus, einen Verdicchio dei Castelli di Jesi D.O.C. classico. Per Hand erhält jede Flasche in Papierröllchen um den Hals, das Herkunft und Rebsorte ihres Inhalts verzeichnet.
Hafenzauber: Fischhandel und Fährgeschäft prägen die Tage und Nächte im „porto“ von Ancona. Flüchtlinge aus dem antiken Syrakus gründeten die Stadt. Heute schaffen Schiffe täglich mehrmals eine Verbindung zur anderen Seite der Adria –auch bis hinab nach Griechenland. Und jeden Morgen vor der Dämmerung werden die nächtlichen Fänge in theatralischer Manier versteigert.
Meeresfrüchtewein aus den Bergen: die Verdiccho-Untergebiete Jesi und Matelica liegen im Hinterland der markischen Adria-Küste, wo auch Weizen gedeiht. Das moderat trockene Klima etwa um Castelplanio und Cupramontana bietet dem Verdicchio ideale Bedingungen; die Rebstöcke stehen hier meist in Ost-West-Tälern während die Weinberge des höher gelegegen Matelica-Gebietes nord-südlich ausgerichtet sind.
Blaue Stunde: Ein fast mystischer Zauber legt sich über Meer und Land, wenn die Sonne ihr Zepter senkt. Unter einem betörenden Himmel leuchtet dann auch die Kirche von Fiorenzuola di Focara hoch oben auf dem Küstenfelsen. Einst war sie den Seefahrern ein wichtiges Zeichen; heute lässt sie Romantiker-Herzen höher schlagen
Blond und Grün bilden in den Marken häufig ein Paar. In der Hügellandschaft zwischen Adriaküste und Appennin-Gebirge wachsen Wein und Weizen in lieblicher Gemeinschaft. Ein fast bukolischer Anblick.

Der Verdicchio in den Marken - Das Schattendasein ist passé

Castelli di Jesi und Matelica sind die coolen Weinbaugebiete

Verdicchio führte lange ein Schattendasein. Dabei ist der mediterrane Weiße aus dem schlichten Hinterland der Marken der Wein, auf den die Wassertiere der Welt gewartet haben. Kaum ein Weißwein begleitet gegrillten Fisch und Meeresfrüchte knackiger als ein Verdicchio. Das liegt unter anderem an einem hocheleganten Bitterton.

Unaufgeregtes Weingeschäft in den Marken

Stefano Antonuccis Stammplatz für betriebliche Besprechungen hat direkten Anschluss an den Strand, im Hintergrund rauscht das Meer, man hört die Kinder schreien. Stefano hat ein paar Leute aus der Firma eingeladen, ein Essen wie so viele in seinem Beruf als Winzer. Vertriebsleute aus England sind auch gekommen, ein bisschen Bericht zu erstatten von den britischen Inseln. Wenn sie vom Business erzählen, strahlt Stefano unter dem Dreitagebart, und die Gäste an den Nebentischen drehen sich um bei seinem herzhaften Lachen. Zu den ersten Platten mit Pulpo, Scampi und Sardinen gibt es seinen Verdicchio. Kühl und mineralisch muss der Wein jetzt sein. Die Meeresfrüchte umspült der Le Vaglie zudem mit einer knackig frischen Frucht und Säure. Jeder Schluck Verdicchio lässt seinen Trinker am Ende noch mit einem kleinen Bittermandelton zurück. Ganz hinten im Gaumen meldet sich der appetitlich herbe Ton und macht, dass man gleich den nächsten Schluck nehmen möchte. 

Verdicchio und Meeresfrüchte verstehen sich prächtig

Der Meeresfrüchte-Spezialist unter den italienischen Weißweinen wächst allerdings nicht an der Küste. Wie die meisten Einwohner der Marken stammt er aus dem Hinterland, wo sich die Vorberge des Apennin-Gebirges auffalten. Ein paar 100 Meter über dem Meeresspiegel fühlen sich Mensch und Pflanze wohl. Das Klima ist mild und ausgeglichen. Warme Tage, kühle, aber selten kalte  Nächte, das liegt ironischerweise am ungeliebten Meer. Kaum ein Weinstock ist weiter als 30 Kilometer von der Küste entfernt Die Seewinde sorgen bis in hohe Lagen für ausgeglichenes Klima.

Saftig, fruchtig aus Jesi, kühl und nervig aus Matelica 

Etwa in der Mitte der Region unterbrechen drei Täler, an deren Grund Flüsse von Westen in das adriatische Meer strömen, die Formation. Hier setzen sich die Meeresbrisen noch etwas deutlicher durch. Um Jesi erstreckt sich das größte und bekannteste Untergebiet. Obwohl mehr als je- der zweite Verdicchio zusätzlich den Namen des Städtchens trägt, gibt es dort kaum Weingüter. Die meisten Winzer leben in umliegenden Orten wie Montecarotto, Castelplanio, Maiolati Spontini und Cupramontana, die wie kleine Kronen auf den sanften Hügeln des Umlands liegen. Das moderat trockene Klima in der Region bietet der Rebsorte ideale Bedingungen. Lange, trockene Sommer lassen der spätreifen Traube fast immer genug Zeit, sich vollständig zu entwickeln. So entstehen Verdicchios mit viel saftiger Frucht. Weiter im Inland liegt Matelica, die zweite Unterregion. In das hoch gelegene Tal ohne Verbindung zum Meer weht schon mal ein kalter Wind vom Apennin hinunter. Am Horizont türmen sich die verschneiten Berggipfel bis zu 2.500 Meter hoch. Sogar in den Weinbergen fällt zuweilen Schnee. Die Nächte sind frisch, und die Trauben reifen langsam. Hier beginnt die Ernte fast zwei Wochen später als in Jesi. Das heißt etwas. Es dauert länger, bis die Weinstöcke genug Sonne und Hitze aufgenommen haben, dafür bilden sie in den kühlen Nächten feine Säure und Extraktstoffe. Gute Matelica-Weine sind ein bisschen dichter und merklich mineralischer als andere Verdicchios, aber selten.

Mehr lesen im ebook zu Verdicchio und den Weinen Mittelitaliens