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Summa 2018 bei Lageder - Die neuen Weingüter

Die Auswahl ist hochkarätig - Herbert Heil hat unbekanntere Weingüter aus Italien besucht.

Alle Jahre wieder lädt der Südtiroler Winzer Alois Lageder zu seiner Summa in sein Weingut nach Margreid. In diesem Jahr schon zum 21. Mal. Zur Summa fanden sich auch diesmal rund 80 internationale Winzer von Kasachstan bis Neuseeland ein. Im Renaissance-Palast Cason Hirschprunn und im historischen Tor Löwengang präsentierten sie an zwei Tagen ihre besten Weine. Man schlenderte von Tisch zu Tisch, probierte, fachsimpelte und tauschte sich aus. Daneben organisierte das Weingut Lageder dieses Jahr ein besonders abwechslungsreiches Rahmenprogramm, unter anderem mit Verkostungen zu Weinfehlern und in Vergessenheit geratenen Rebsorten. Auch Verkostungen von Fassproben und diverse Vertikalverkostungen, wie etwa die Vertikale „30 Jahre Löwengang Cabernet“, Schaumwein-Proben, Seminare und Workshops, kulinarische Highlights, sowie Führungen durch Keller und Weinberge standen auf dem Programm. An den zwei Tagen nutzten mehr als 2000 Besucher die Möglichkeiten für den persönlichen Austausch mit den Produzenten.

„Für mich bedeutet Summa in erster Linie der Austausch zwischen Winzern, Journalisten, Fachleuten und interessierten Besuchern in einer ruhigen und familiären Atmosphäre. Der direkte Dialog und die intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Winzern prägen unsere Arbeitsweise und inspirieren uns zu neuen Ideen“, sagt Alois Clemens Lageder, sechste Generation im Familienbetrieb.

Die Summa hat inzwischen unter Weinfachleuten Kultstatus erlangt und findet immer im Vorfeld der Vinitaly in Verona statt. Besonders stark war diesmal wieder die Präsenz von Winzern aus Italien. Nachstehend diejenigen, die unser besonderes Interesse auf der Summa 2018 geweckt haben. Berühmt oder noch eher unbekannt, die kleine Auswahl berücksichtigt individuell und bio-dynamisch arbeitende Betriebe, die Weine von höchster Qualität erzeugen. Handwerklich gut gemacht und mit viel Liebe zum Detail hergestellt.

Luigi Valori - Abruzzen

Wenn einer auf kompromisslose Qualität setzt, dann ist es Luigi Valori. Selten sind Wein und Winzer so eins, so direkt miteinander verbunden wie bei ihm. Seine Weine sprechen für sich, ziehen einen sofort in Bann, faszinieren vom ersten Schluck. In den 1970er Jahren spielte Luigi Valori als Profikicker für Ascoli Calcio in der Serie A, der ersten italienischen Fußballliga. Inzwischen hat er sein Leben und seine Leidenschaft dem Wein gewidmet. Luigi war viel unterwegs, lebte eine zeitlang als Botaniker in Chile und in Südafrika und lernte dort auch die besten lokalen Winzer kennen. Sein kleines Weingutes umfasst 16 Hektar und liegt in den nördlichen Abruzzen, genauer gesagt in Sant´Omero. Hauptsächlich baut er den in der Region am weitest verbreiteten Montepulciano d’Abruzzo an, aber auch etwas Merlot  und die weiße Traube Trebbiano. Die Vergärung der Weine mit Naturhefe ist für ihn ein Muss.

Der Montepulciano Vigna Sant Angelo ist sicherlich das Aushängeschild von Luigi Valori. Kraft und Opulenz pur, samtig, geschliffene Tannine, einer der besten Montepulciano-Weine der Abruzzen. Luigi verzichtet übrigens komplett auf jede Art von Marketing und ignoriert nahezu alle modernen Kommunikationsmittel, verkündet er mit schelmischer Miene. Nachdem wir seinen Inkiostro probiert haben hätten wir nie auf einen Merlot aus den Abruzzen getippt, eher auf einen von einem der Top-Weingüter aus der Maremma. Der Geschmack schmeichelt der Zunge und dem Gaumen: leichte Vanilletöne, Toast-Aromen, eine schöne präsente Frucht, gestützt von einer angenehmen Tannin-Struktur, dicht und kraftvoll und dennoch finessenreich und vielschichtig. Dabei sind Valori-Weine nicht teuer, im Gegenteil, geradezu unverschämt günstig. Valori arbeitet ganz allein, einzig zur Ernte helfen Freunde und Bekannte. 

Fattoria Serra Martino - Marken

Szenenwechsel: Im Herzen der italienischen Region Marken etwa 20 km von der Adriaküste entfernt im hügeligen Hinterland von Ancona liegt die Fattoria Serra Martino. Ausdrucksstarke, handwerklich gemachte und in geringen Mengen erzeugte Rotweine sind die Stärke des Bio- und Demeter zertifizierten Betriebes. Für die Reifung im Keller wird den Weinen viel Zeit gelassen. Besitzer sind die deutschen Quereinsteiger Thomas und Kirsten Weydemann, die vor ihrer Winzerkarriere als Architekten ihren Lebensunterhalt verdienten. Die Passion für Rotwein, alte Bauernhäuser, mediterrane Landschaft sowie die italienische Sprache hatten sie schon immer. 1997 fanden die beiden Hamburger den geeigneten Fleck, das Projekt Weingut in die Tat umzusetzen: ein 150 Jahre altes Gebäude, umgeben von rund sechs Hektar Land. Die Lage inmitten des DOC-Anbaugebiets war eine ideale Voraussetzung für die Anlage neuer Weinberge. Fachliche Unterstützung erhielten die Weydemanns dabei seit der ersten Stunde von ihrem Freund Dr. Pisani, ein Agronom und Önologe. 

Auf Serra San Martino wird vor allem die regionale autochthone Rebsorte Montepulciano angebaut. Daneben sind die Weinberge mit Merlot-, Syrah- und einer kleinen Menge Sagrantino-Reben bestockt. Es wird großen Wert darauf gelegt, naturbelassene Weine von hoher Qualität durch geringe Erträge und schonende Verarbeitung zu erzeugen. Die Bewirtschaftung erfolgt nach den Kriterien des Biologischen Weinbaus. Die Böden sind an der Oberfläche durch Ton und Kalk geprägt, in tieferen Schichten dominieren Sand und Muschelkalk. 
Der alkoholischen Gärung folgt eine Maischestandzeit von drei bis vier Wochen im Beton- oder Edelstahltank. Ein Teil der Weine lagert mehrere Monate auf den Schalen. Der biologische Säureabbau und die Reifung erfolgen je nach Jahrgang und Rebsorte über 12 bis 30 Monate in neuen und gebrauchten Barriques (225 bis 500 Liter) aus französischer Eiche auf der Feinhefe mit  Batonnage.  Nach nur äußerst geringer Zugabe von Schwefel  wird die Flaschenfüllung  in der Regel ohne Klärung und Filtration  durchgeführt. Die Vermarktung erfolgt erst nach 12 Monaten Flaschenreifung.  Zu den Premiumweinen zählen die reinsortigen IGT-Weine Lysipp (Montepulciano, 30 Monate Barrique), Lo Sconosciuto (Sagrantino, 30 Monate Barrique) und Il Paonazzo (Syrah, 22 Monate Barrique). Jährlich werden gut 15000 Flaschen erzeugt, die überwiegend nach Deutschland und Hongkong exportiert werden. 

Petra - Toskana (kein Newcomer, wiederentdeckt!)

Die Weine des Weinguts Petra im Anbaugebiet Val di Cornia südlich von Bolgheri haben enorm zugelegt. Wir machten in Südtirol die Probe aufs Exempel. Weine wie die Cuvée Petra, der Merlot Quercegobbe und der Cabernet Potenti spiegeln die Landschaft in Suvereto, der Küstenregion der Toskana wider. In der Maremma gelegen hat das Weingut Grundbesitz von reichlich 300 Hektar, bepflanzt mit einer Mischung aus Olivenhainen, Weinbergen und ausgedehnten Wäldern. Angefangen hat alles im Jahr 1977, als Vittorio Moretti sich für sein Projekt in der Toskana ein erfahrenes Team an seine Seite holte. Das Weingut ist Teil der Gruppe Terra Moretti, zu der auch Bellavista und Contadi Castaldi in der Franciacorta gehören. Lange Zeit war das Weingut mit seiner rund 100 Hektar großen Rebfläche eher für den von Mario Botta errichteten modernen Weinkeller als für die Weine berühmt. Doch inzwischen gefallen die ausgezeichneten Weine des Gutes, die Vater Vittorio und Tochter Francesca Moretti produzieren. Dank der nahe gelegenen Küste profitieren die Rebstöcke von den mediterranen Südwestwinden und verteilen den milden Salzgehalt in den Rebanlagen. Der eisenhaltige Boden in den Weingärten der Tenuta Petra oxidiert dank dieser feuchten Winde und färbt die Erde rot. Vittorio Moretti setzt so wenig wie möglich Maschinen ein und überzeugt dennoch mit einem modernen Produktionsablauf. Ein besonderes Flaggschiff ist der Mareto in Edelstahltanks und alten slawonischen Eichenholzfässern ausgebaut, genießt er eine Reifezeit von drei Monaten, weitere drei Monate reift er auf der Flasche, bis die Cuvée zum Verkauf bereit steht.

Poder Nuove a Palazzone - Toskana

Heute gehört es fast schon zum guten Ton, ein Weingut zu besitzen. Vor allem berühmte Namen, Unternehmer und Luxusgüterkonzerne schmücken sich gerne mit edlen Tropfen. Ein Beispiel von vielen ist die italienische Familie Bulgari. Der Name steht für luxuriösen Schmuck, Diamanten und Glamour. Aus dem Bulgari-Clan wollen nun die Brüder Paolo und Giovanni mit neuen Weinen Aufmerksamkeit erzielen. Das Bulgari-Weingut PoderNuove a Palazzone in der Toskana existiert seit 2007 und hat eine Rebfläche von 24 Hektar. Giovanni Bulgari glaubt fest an das Potenzial in der Maremma. Die Flaschenweinpreise sind keineswegs überteuert und liegen zwischen 12 und 20 Euro je Flasche. Anbaut werden moderne Sorten wie Cabernet Sauvignon und der einheimische Sangiovese. 

Bulgari experimentiert mit unterschiedlichen Rebsorten: „Am liebsten habe ich den Sotiro, der bei uns ausschließlich aus Sangiovese-Trauben gewonnen wird, die man ja normalerweise eher mit anderen Sorten kombiniert, deshalb stellt er unsere größte Herausforderung dar.“ Ganz ohne Expertenrat ging es auch hier nicht. Der berühmte italienische Önologe Riccardo Cotarella stand mit seinem Wissen dem Quereinsteiger zur Seite. Fast zehn Jahre lang hat Giovanni Bulgari an seinem Weinprojekt gearbeitet, bevor seine drei Rotweine des Jahrgangs 2009 auf den Markt kamen. In diesem noch relativ unerforschten südlichen Teil der Toskana - angrenzend an Umbrien und Latium - kümmert sich Giovanni Bulgari ausschließlich um Wein. Seine drei Weine, Therra, Argirio und Sotirio, sind von höchstem Niveau. Der Therra ist eine Mischung aus den heimischen Reben Sangiovese und Montepulciano und den Bordeaux-Trauben Cabernet Sauvignon und Merlot. Der Wein überzeugt mit einem feinen, fruchtigen Geschmack. Ein moderner, kräftiger Wein, der eine lange Reifezeit noch vor sich hat. Der nächste Wein heisst Argirio. Dieser Cabernet Franc steht mit seiner Finesse und Eleganz stellvertretend für das Potenzial des Terroirs Podernuovo. Sotirio, benannt nach dem Ur-Ur-Grossvater von Giovanni Bulgari, der 1884 aus Griechenland nach Rom emigrierte, ist ein reiner Sangiovese und ein vinologisches Schmuckstück. 

Die Fortsetzung folgt im Laufe des Monats - Naturnahe, junge Weingüter, die für Aufsehen sorgen.

Foto: Clemens Lageder bei einem Seminar während der Summa 2018 im Garten des Cason Hirschprunns