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Der Sommelierkurs Italienischer Wein 

Lektion 3 - Weine des Piemonts

 

3 Der Nordwesten Italiens

In den Lektionen 3 und 4 lernen Sie die wichtigsten Anbaugebiete im Nordwesten kennen, die große Bedeutung des Piemontes, die unterschiedlichen Weine in der Lombardei und der Emilia-Romagna. Sie erkennen, welche Weine Marktbedeutung besitzen, welche Winzer diese bekannt gemacht haben? Sie ordnen die Rebsorten ein und bekommen Informationen zum Geschmacksbild und Preissegment.
Das Piemont ist zweifelsfrei die wichtigste Weinregion des nordwestlichen Teils von Italien. Ans Piemont grenzen zwei landschaftlich ebenso faszinierende Weinregionen. Klein, ja winzig sind jedoch die Weinmengen im Aostatal und Ligurien, die außerhalb des Landes getrunken werden. Benachbart zum Piemont liegt im Osten die ausgedehnte Lombardei mit der Metropole Mailand, die recht unterschiedliche, weniger bekannte Weine als das Piemont hervorbringt. Zu guter Letzt behandeln wir die Emilia-Romagna an der Grenze vom Norden zu Mittelitalien indiesem Kapitel, weil der Lambrusco als wichtigster Wein in die norditalienische Poebene gehört. 

3.1 Das Piemont

Das Piemont grenzt an Frankreich und bis zur italienischen Staatsgründung im 19. Jahrhundert beeinflusste das Königshaus der Savoyer die Gegend maßgeblich, auch bei der Weinerzeugung und den Absatzmärkten war der französische Einfluss  spürbar. Das prominenteste Zeitzeugnis liefert die Historie des Rotweins Barolo. Doch die beiden Weltkriege brachten auch die piemontesische Weinwirtschaft zum Erliegen. Heute ist das Piemont wieder eine der abwechslungsreichsten Weinregionen mit klar gezeichneten Terroir-Weinen. Natürlich dreht sich vieles um die Hügellandschaft Langhe und das Städtchen Alba, wo die Trüffel und Nutella (Hauptsitz von Ferrero) zuhause sind.

3.1.1 Barolo

Etliche Bücher sind über den König der Rotweine geschrieben worden, seine Geschichte ist faszinierend. Für den Weintrinker von heute ist der Barolo erst mal ein schillernder Name der italienischen Weinszene. Jedoch ist festzuhalten, dass er Weinliebhabern mit wenig Affinität zu kräftigen Gerbstoffen meist nicht schmeckt. Ähnlich verhält es sich mit dem Champagner, den zwar viele Leute schätzen wollen, die prägnante Säure gefällt Ihnen meist nicht. Zu 100%  besteht der Barolo aus der Sorte Nebbiolo, die nicht nur viel Gerbstoff, sondern auch eine präsente Säure mitbringt. Je nachdem in welcher Gemeinde der Barolo wächst, sind seine Säure, die Gerbstoffe und die Aromen charakteristisch. Eine Barolo aus der Gemeinde La Morra schmeckt anders als ein Barolo aus Barolo oder Serralunga bzw. Castiglione Falletto oder Monforte d’Alba. Heiße, und trockene Sommer sind in den Hügeln, die als Langhe bezeichnet werden, die Regel, die Sorte Nebbiolo reift spät, meist wird im Oktober gelesen, wenn die Herbst-Nebel schon in den Weinbergen hängen, ein grandioses Bild im Herzen vieler Weinliebhaber. Die ausdrucksstarken Mergel-Böden und das Mikroklima aufgrund der unterschiedlichen Höhenlage und Ausrichtung sorgen für die Unterschiede im Geschmack. Die Aromen sind in der Regel „kühler“ als beim Brunello, er kann Unterholz, Teer, Oliven, schwarze Früchte, Veilchen, Rosen, Heu und vieles mehr zeigen. Barolo entwickelt sich mit dem Alter in der Flasche, er kann am besten reifen von allen Weinen Italiens und sehr gute Jahrgänge können 20 – 40 Jahre Freude bereiten.Die Diskussion, ob der Nebbiolo im kleinen Barriquefass ausgebaut wird oder im großen Eichenholfass besser reift, haben auch die Winzer im Piemont in den Neunzigern Jahren intensiv geführt, heute gibt es beides, in den Verkauf kommt der Barolo nach 4 Jahren, ein Jahr früher als der Brunello in der Toskana.

Übung: Notieren sie die wichtigen Vorschriften im Disziplinar des Barolo: Was ist der Hektarhöchstertrag und in welchen Gemeinden darf er angebaut werden? www.langhevini.it

Lang ist die Liste der Weingüter mit Format, es gibt viele gute, jedoch weniger bekannte Winzer, berühmt sind u.a. Aldo Conterno, Elio Altare, Luciano Sandrone und Voerzio Roberto. Große Häuser sind Fontanafredda, Marchesi di Barolo, Batasiolo oder Terre da Vino. Die Preise variieren von 20 € bis 100 € EVP, Lagenbarolos kosten schon mal das Doppelte vom Basis-Barolo ohne Lagenbezeichnung.

Hinweis: Das Barolo-Gebiet besitzt eine historische, detaillierte Karte mit Einzellagen. Mehr darüber auf www.langhevini.it

3.1.2 Barbaresco

Vieles, was für den Barolo gilt, ist auch dem Barbarersco eigen: 100% Nebbiolo,. Hektarhöchstertrag 7.500 kg/ha, in der Langhe zuhause. Kalk-Mergel-Böden. Komplexe Aromen, präsente Säure und Gerbstoffe, großes Alterungspotenzial, herausgehobene Einzellagen, Barrique oder großes Holz.Feine Unterschiede: 3 Jahre nach Ernte im Verkauf (vier für den Barolo), Erzeugung in drei Gemeinden Barbaresco, Treiso und Neive, weniger bekannt als der Barolo, preiswerter im Mittel, kleinere Menge (1/3 des Barolo, ca. 650 ha), im Mittel etwas duftiger und „leichter“ als der Barolo, wenn man davon überhaupt bei der Sorte Nebbiolo sprechen kann. Angelo Gaja ist hier zuhause!Berühmte Winzer sind Angelo Gaja, die Produttori del Barbaresco, La Spinetta, Pelissero und Bruno Rocca und Punset.

Übung: Studieren sie anhand der Karte die Lage der Anbaugebiete der Langhe? Schreiben sie die Besonderheiten auf

 

3.1.3 Barbera aus Alba und Asti

Gerne wird zitiert, dass der Rotwein Barbera in den Siebzigern ein einfacher Bauernwein war, doch waren das nicht viele Weine in Italien? Braida hat in den Neunzigern bewiesen, dass er im Barrique-Fass ausgebaut, zum Spitzenwein taugt. Der Bricco del Uccellone ist ein Kultwein dieser Zeit. Heute gibt es nach der Euphorie und der Konsolidierung im Piemont ein sehr breites Angebot an Barbera. Es ist die meistangebaute Rebsorte im Piemont. Als Barbera del Piemonte ist es ein günstiger Alltagswein. Als Barbera del Monferrato ist er regional auch als frischer, fruchtiger Rotwein mit Kohlensäure zu genießen. Zwei Gebiete heben sich deutlich davon ab und erzeugen von preiswertem Barbera mit Ausdruck bis zum komplexen Lagenwein die ganze Palette. 
Im Barolo, Barbaresco und Roero-Gebiet wird Barbera d’Alba erzeugt. Hier führen die Böden und das know-how der Winzer zu kräftigen, vielschichten Rotweinen aus dem Holz oder fruchtbetonten Varianten aus dem Stahltank.
Barbera besitzt wenig eigenen Gerbstoff, eine typisch piemontesische Frucht und eine präsente Säure.
Das gilt auch für die Rotwein aus der Gegend von Asti und Nizza Monferrato. Hier ist die Barbera-Sorte die Nummer eins und weist einen saftig-fleischigen Gebietscharakter auf. Gute Erzeuger sind Braida, Massimo Pastura, Michele Chiarlo. Die Preise variieren von 6 – 20 € EVP und in Einzelfällen deutlich darüber.

3.1.4 Weitere Weine des Piemonts

Dort, wo Barbera oder Nebbiolo angebaut wird, ist auch die Rebsorte Dolcetto zuhause. In den Gebieten Dogliani oder Ovada ist es sogar die erste Rebsorte des Gebietes. Meist werden die Weine jung getrunken, sind beim Mittag die Essensbegleiter, wenn kein Barolo angebracht ist. In Deutschland besitzt der fruchtig-herbe Rotwein kaum einen Markt.Wenige Rotweine erreichen aus dem Roero-Anbaugebiet den deutschen Markt, hier wird ein beachtenswerter Nebbiolo-Rotwein auf sandigeren Böden verkauft. Nur der Fluss Tanaro trennt das Gebiet vom Barolo-Gebiet. Hier ist auch der Ursprung der beliebten, aromatischen Weißweinsorte Arneis, die einige Rotweinwinzer der Langhe im Programm haben. Populär war eine ganze Zeit lang in Deutschland der Weißwein Gavi aus der Rebsorte Cortese, der in der Provinz Alessandria angebaut wird. Seine Menge reicht für eine Supermarktkarriere. Im Supermarkt ist auch der mengenmäßig bedeutendste Wein des Piemonts zu finden. Es ist der Asti Spumante, der süße Sekt aus der Rebsorte Moscato wird von großen Vermarktern in alle Welt exportiert.Übung: Wie wird Asti Spumante erzeugt? Ist das Verfahren mit dem Prosecco oder Franciacorta vergleichbar?Beinahe in Vergessenheit geraten wären die beiden Rotweingebiete Ghemme und Gattinara in den Bergen im Norden des Piemontes. Man erhielt früh die DOCG, die Menge ist klein, in Deutschland finden sich kaum Rotweine dieser Anbaugebiete, die auch Nebbiolo privilegieren.

Hinweis: Grignolino, Freisa, Rucche sind weitere Rotwein-Rebsorten im Piemont. Mehr Infos