Chianti Classico in der Toskana - Die reine Schönheit

Das Herz des Gallo Nero hängt an der Rebsorte Sangiovese

Das Chianti ist der Flecken Erde, der die Toskana  und ihren Wein weltbekannt gemacht hat, der Flecken, der mit seiner Schönheit alle Klischees und alle Erwartungen bedient. Nur hier zwischen Florenz und Siena entsteht der Rotwein aus der Sangiovese-Traube, der so eindeutig für Italien und dolce vita steht wie sonst keiner. Chianti Classico ist komplex und doch immer leicht und elegant. Ein bisschen wie ein flüssiger David von Michelangelo, sagen seine Liebhaber: Ein Koloss, aber spielerisch und ausgeglichen. 

Florenz ist das Kreativzentrum Italiens

Ohne Florenz sähe die Welt anders aus. Schon vor mehr als 500 Jahren, als wissenschaftsfeindliche Theologen die restliche Welt fest im Griff hatten, häuften sich in der Hauptstadt der Toskana bahnbrechende Erkenntnisse. Tommaso Masaccio etwa malte 1427 ein Fresko mit einheitlichem Fluchtpunkt auf den Putz der Kirche Santa Maria Novella. So konnte man erstmals Objekte im Raum wahrnehmungsgetreu abbilden. Wenig später erkannte Johannes Kepler, dass die Welt sich dreht, und Michelangelo Bunarroti meißelte aus einem vier Meter hohen Marmorklotz ein bis heute gültiges Schönheitsideal. Ohne den Hauch von Anrüchigkeit zeigt der David die fraglos bekanntesten Geschlechtsorgane des Planeten.

Bauernschaft und Adelsgeschlecht

Während Christoph Kolumbus seine neuesten Entdeckungen am anderen Ende des Atlantiks noch als indische Inseln feierte, erkannte der Florentiner Kaufmann Amerigo Vespuccio, dass dort ein ganzer Kontinent liegt. „Aber ohne die Bauern aus dem Chianti hätten sie weder Fresken gemalt noch Schiffe ausgerüstet“, wendet Roberto Stucchi ein und hat dafür gute Argumente. Mit seiner Schwester Emanuela führt er das Weingut Badia a Colitbuono, in dessen Keller Mönche schon im Mittelalter ihren Wein erzeugten. In der darauffolgenden Renaissance wurde die Halbpacht eingeführt. „Auf der Basis dieser mezzadria durfte jeder Bauer einen Anteil seiner Ernte behalten“, erklärt Stucchi, „so war die Landbevölkerung versorgt und erwirtschaftete Überschüsse, die sie weitergeben konnte.“

Chianti trägt den Geist der Toskana

Und noch 500 Jahre später spiegeln das Chianti und der Wein Chianti Classico diesen genialen Geist der Harmonie wider. Das sieht jeder, der Florenz in Richtung Süden auf der Via Chiantigliana Richtung Greve verlässt. Alles ist mehr Park als Naturlandschaft, denn Olivenhaine genauso wie Zypressenreihen sind angelegt. Das Chianti steht wie keine andere Landschaft der Welt für mediterranen Lebensstil, die Kultur des Abendlands, das kulinarische und vinologische Kernland der Toskana. Das Wichtigste für den Chianti Classico muss man allerdings unter der Oberfläche suchen. 

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