Wein-Italien-Apulien-Manduria-Primitivo Flaschen von Cantolio

Der Primitivo aus Manduria ist einzigartig

Der Ort Manduria ist eine ganz eigene Welt in Apulien, und seine Weine schmecken danach

Der Primitivo ist in aller Munde, er ist der meistverkaufte Rotwein des Südens. Und noch immer ist für diese erfolgreiche Entwicklung der letzten 15 Jahre kein Ende in Sicht. Doch Primitivo ist nicht gleich Primitivo. Abgesehen von dem Topseller Primitivo di Puglia für 5.99 € gibt es eine facettenreiche Weinwelt zu entdecken.
In den Weinbergen von Sava liegt der Geburtsort des Primitivo. Dort wurde er zuerst angebaut. Das behaupten zumindest die Einheimischen. Aber da der Nachbarort Manduria zu dieser Zeit einen Bahnhof besaß, von dem aus der Rotwein im Fass in den Norden transportiert werden konnte, wurde dem beliebtenn Rotwein nach Einführung der DOC in den Siebzigern der Name Primitivo di Manduria gegeben. Wie auch immer, aus diesen beiden Gemeinden nahe des ionischen Meeres an der Stiefelsohle Apuliens stammt der Großteil dieses beliebten DOC-Weines.

Vino di mare - vino di terra - Das ist Manduria

Die Weinreben graben ihre Wurzeln in die sandigen Böden in direkter Meeresnähe oder in den intensiv roten bzw. dunkelbraunen Untergrund, der den Weinen ihren Charakter verleiht. 
Traditionell sind hier große Genossenschaften am Werk, die die Weine ihrer Mitglieder verarbeiten und Absatzmärkte suchen. Aber das ist  -  wie so oft in Italiens Süden - nicht so einfach wie es aussieht, trotz des großen Erfolgs. Und auch große Kellereien wie zb Botter Vini im Veneto haben ihren Anteil daran, weil sie es waren, die den Primitivo di Puglia im Norden abgefüllt und dann erfolgreich in die Regale gebracht haben. Flying Weinmacher haben ihn dann Ende der Neunziger für die Supermärkte in England  als einen Rotwein entdeckt, der kaum Säure und Gerbstoffe, dafür viel Fruchtsüße und einen mehrheitsfähigen Geschmack besitzt. Was sich im Übrigen bis heute mehr als bewahrheitet hat. 
Gregory Perrucci ist derjenige, der Ende der Neunziger schon an den Primitivo glaubte. Er hat bei den Weinbauern mit seiner Accademia dei racemi und in den Weinmärkten in aller Welt viel Missionarsarbeit geleistet. Vinicola Sava/Picchieri ist ein traditionsreiches Familienweingut in Sava. Dort kann man eine Zeitreise in die Vergangenheit des Primitivo aus Manduria unternehmen und viel über diesen Rotwein lernen. Neue Weingüter von Format sind auch die Masseria Jorche in Torricella oder die Tenute Emerà von Claudio Quarta, die hochwertige Primitivo-Weine aus Manduria erzeugen. Angezogen vom Erfolg wurde auch Gaetano Morella von der Tenuta Morella, der aus Bari stammend, sich vor rund 10 Jahren entschieden hat, in Manduria sein Glück im biodynamischem Weinbau zu suchen und so dem teuersten Primitivo Es von Gianfranco Fino aus Sava nachzueifern.

Eine besondere Erfolgsgeschichte hat die Genossenschaft Cantolio am Ortsrand von Manduria geschrieben. Noch vor acht Jahren hat sie keine einzige Flasche selbst abgefüllt und den Wein von mehr als 600 Weinbauern in großen Tankwagen an andere verkauft. Heute erzeugt sie aus den eigenen Trauben eine hochwertige Palette authentischer Primitivo-Weine und verkauft in Deutschland mit dem Primitivo 14.0 einen der erfolgreichsten seiner Art überhaupt.

„Die wunderschön anzuschauenden und qualitativ hochwertigen Alberello-Reben nehmen in Apulien prozentual weiter ab, doch in Manduria sind sie noch sehr verbreitet“, sagt Francesco delle Grottaglie, Präsident von Cantolio. Auch in Manduria werden neue Weinberge in der arbeitsfreundlichen Reihenerziehung angelegt. Denn: Wer möchte schon alles in aufwendiger Handarbeit erledigen, wenn die Rebstöcke wie beim Alberello sehr dicht im Karo-Muster ohne erkennbaren Weg aufgereiht sind.“
Die zuckerreichen Trauben ergeben typischerweise Weine mit 15 bzw. 16 Vol% Alkohol. Weniger als 14% ist nur dann möglich, wenn die Trauben früher geerntet werden, doch dann besitzt der Primitivo eine andere Aromatik, die vergleichsweise wenig von den Appassito-Aromen geprägt wird. Diese entstehen, wenn die Trauben quasi am Stock durch den heißen Scirocco-Wind aus Afrika zu kleinen Beeren schrumpfen. 40 Grad sind keine Seltenheit in Manduria. So wenig übrigens wie im benachbarten Salento, der Heimar des Negroamaro.

Nutznießer sind das Salento und Gioia del Colle

Zwei weitere Anbaugebiete des Primitivo aus Apulien sind Gioia del Colle im Hinterland von Bari und das Salento, das weitläufige Hinterland der Barockstadt Lecce, das sich bis an die Gemeindegrenze von Manduria erstreckt. Fast alle Kellereien, die bereits mit Salice Salentino Rosso und Rosato erfolgreich waren bevor der Primitivo zum Höhenflug ansetzte, konnten sich diesem Trend nicht verwehren. So haben sie ihrerseits in den letzten 15 Jahren Hunderte Hektar mit Reben bepflanzt. Doch diese Weine sind in der Regel etwas niedriger im Alkoholgehalt und weniger üppig. Sie sind irgendwie anders und doch vergleichbar. Die Weine von Castello di Monaci oder Tormaresca sind gute Beispiele für diesen Primitivo-Typ.
Eine zweite Herkunft des Primitivo, die bis vor 15 Jahren kaum einer kannte, ist die ebenfalls sehr weitläufige DOC Gioia del Colle. Hier gibt es eine ganze Reihe spannender Weingüter, die den Erfolg des Primitivo weiter befeuern. Die Weine sind etwas mineralischer und weniger üppig, jedoch entstehen auch hier Weine mit 16 bzw. 17 Vol% Alkohol. Das gilt für das Weingut Polvanera ebenso, wie für Schola Sarmenti in Nardo an der südlichen Grenze des Salento-Gebietes. All diese Weingüter erzeugen einen Wein, der allein mit einem Amarone della Valpolicella noch zu vergleichen ist.

Der Geschmack liegt voll im Trend, doch aufgepasst!

Vom Geschmack kann der Primitivo aus Manduria einem Amarone della Valpolicella sehr ähnlich sein. Beide besitzen viel Alkohol und eine spürbare Restsüße, jedoch ist der Primitivo in der Regel viel fruchtsüßer.
Solche fruchtsüßen Rotweine wollen Weintrinker in aller Welt. Immer mehr Imitate von Amarone und Ripasso bzw. Primitivo erreichen den Markt, und vielfach ist es gar nicht nachzuvollziehen, woher die Weine stammen. Ein authentischer Primitivo kann ruhig etwas Restsüße haben, so 6-9 g pro Liter wie beim Amarone stören nicht, weil sie gut eingebunden sind. Hier sollte man als bewußter Weintrinker aber die Grenze ziehen. Es gibt allerdings auch Weine wie den Primitivo Doppio Passo von Botter, die mit deutlich mehr Restsüße ausgestattet und trotzdem sehr erfolgreich sind. Kritiker wenden ein, dass dabei die Identität des Primitivo di Manduria auf der Strecke bleibt, so wie bei etlichen halbtrockenen Rotweinen, die von der Süße bestimmt werden. 
Eine Ausnahme bildet jedoch der Primitivo dolce naturale, der mit 30-80g Restsüße als süßer Rotwein eine lange Tradition besitzt. Auf dem Etikett steht dann 13Vol% +5Vol% potentieller Alkohol. Gut gekühlt schmeckt dieser Passito auch an den heißen Sommertagen und er hat weniger Alkohol als sein trockeneres Pendant.
Ein authentischer Primitivo di Manduria wie der von Cantolio, Felline oder Vinicola Sava ist nicht vergleichbar mit Aglianico, Sangiovese oder Nebbiolo. Schlechter ist er deshalb noch lange nicht, auch wenn er die Strenge und Herbheit vermissen lässt. Wer hingegen den durchaus beliebten Amarone della Valpolicella mag, für den ist der echte Primitivo mehr als eine preiswerte Alternative. Denn was bleibt, ist eine eigenständige Weinherkunft Italiens, die für Sonnenkraft und großzügige Frucht und auch für mineralischen Biss steht.

Foto unten: Abkippen der Primitivo-Trauben in der Kellerei Cantolio in Mandurien
 

Wein-Italien-Apulien-Manduria-Primitivo Trauben in der Kellerei Cantolio