italien-wein-Venetien-Bardolino-Weinwelten Autor Peter Schneider mit Plakat

Peters scharfer Blick auf den Bardolino am Gardasee

Alles prima beim Chiaretto-Anteprima oder anders gesagt: "Wir feiern die Rosé-Revolution!"

FOTO: Autor Peter Schneider am Gardasee in Lazise vor dem diesjährigen Plakat

Ah, der Gardasee…das Wasser, das Licht und überhaupt…er ist einer DER Italien-Seen der Deutschen, die die idyllische Gegend nach wie vor im Sommer überfluten. Und sich ein ordentliches Quantum der dort produzierten Chiaretto-Rosés und des süffigen Bardolino-Rotweins schmecken lassen.
Das Konsortium des Bardolino-Weines lud Fachleute aus aller Welt zur Verkostung des neuen Jahrgangs, der Anteprima, in den malerischen Ort Lazise am Ostufer des Gardasees ein. Gut organisiert war das Ganze. So gab es für die Experten Blind Tastings, bei dem die Weine von Mitgliedern der italienischen Sommeliervereinigung in vollem Ornat eingeschenkt wurden, sowie Vertikalproben einiger Weingüter. Außerdem eine große, sehr gut besuchte Weinverkostung für alle Weinliebhaber, bei der die Winzer persönlich ihre Weine ausschenkten.

Das trotz oder wegen der touristischen Attraktivität der Region das Niveau der Speisen wie etwa die formidablen Käsesorten recht hoch ist, erfreut den Genießer und spielt natürlich den Weinen in die Karten. Die Chiaretto-Rosatos passen gut zum Risotto und zu allen möglichen Antipasti, der eher leichte Bardolino geht sehr gut zu Fischgerichten und natürlich zur allgegewärtigen Pasta.  So gibt es im nahen Ort Valeggio sul Mincio ein Restaurant, das sich auf wahrlich göttliche Tortellini in allen erdenklichen Variationen spezialisiert hat.

Nun hat das zuständige Consorzio tutela vino Bardolino mit seinen 68 Weingütern dieses Jahr die „Rosé-Revolution“ ausgerufen! Wie Kommunikationsdirektor Angelo Peretti erläuterte, soll sich der Stil ändern: „Wir wollen mehr frische Fruchtsäure in den Rosatos, wir wollen statt der bisher dominierenden Kirsch- und Erdbeeraromen mehr Zitrus im Aromenspektrum haben und deswegen lesen wir früher“.
Zitrusaromen seien in der Rebsorte Rondinella, die eine von mehreren zugelassenen Sorten im Rebsortenmix des Chiaretto-Weines ist, sowieso schon angelegt. Persönlich würde ich jedoch die Rebsorte Corvina mit ihrer eleganten Aromatik (rote Grapefruit, Veilchen und Rosenblätter) als Leitrebsorte im Cuvée favorisieren, was viele Winzer bereits machen. Also müsste die „neue“ Aromatik nun nur noch „herausgekitzelt“ werden. Tatsächlich ist dieses Bemühen sensorisch bei den Weinen zu erkennen, doch mag es auch einer gewissen Notwendigkeit, den Witterungsbedingungen gerecht zu werden, geschuldet sein. Denn 2014 war in etlichen Regionen Italiens alles andere als ein gutes Weinjahr (wohl aber ein sehr gutes Trüffeljahr !). Nasse, unbeständige Witterung und diverse tierische Störenfriede machten folglich eine zeitigere Lese notwendig. Diese führte zu höheren Säurewerten und zu mehr Zitrusaromatik am Gaumen. Da hat wohl Mutter Natur gerade mal eine Revolution ausgerufen.

Wie auch immer, unterm Strich ist es wie überall: Gute Produzenten machen dank ihrer Sorgfalt und Erfahrung auch in einem schwierigen Weinjahr ordentliche Weine, bei anderen bleiben Wünsche offen. Dies gilt ebenso für die verkosteten Bardolino-Weine, wo es mittlerweile sogar Cru-Lagen gibt, wie auch für die Rosatos aus der Gastregion Salento, deren beste Vertreter mit feinwürzigen Aromen gefallen konnten.
Vor Ort sind diese Weine angesichts des Landschaftspanoramas und der authentischen Küche oft eine Freude. Nach Deutschland importieren können diese einfach zu verstehenden Weine ausgesprochene Gardasee-Fans oder Liebhaber, die einen geradlinigen, süffigen Geschmackseindruck suchen. Ein Pluspunkt:  Chiaretto und Bardolino sollte voll im aktuellen Trend nach leichteren, unkomplizierten Weinen liegen.Wein in Venetien - viel mehr als Prosecco, Soave und Amarone

Die besten Weingüter des Bardolino und Bardolino Chiaretto