Sizilien, Wein, Italien, Karte, Wein, Etna Rosso, Nero D'Avola, Rotwein, Weißwein, Palermo,
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Das Wein-Sizilien im Jahr 2014 - Die Analyse von Dr.  Steffen Maus

Neuigkeiten von der "En primeur" Verkostung der Assovini-Vereinigung

Zum 11. Mal bereits fand die „En primeur“-Veranstaltung der Vereinigung Assovini in Sizilien statt. Und da die Veranstalter Wert darauf legen, dass dieses Event an einem immer anderen Ort organisiert wird,  ging es dieses Mal mit dem Flugzeug, dem Bus und dem Tragflächenboot an einen bezaubernden Ort: Zur kleinen Vulkaninsel Vulcano, eine der eolischen Inseln nördlich von Milazzo. Sizilien ist immer eine Reise wert. Die Besucher erwartet Sonne, Meer, abwechslungsreiches Essen und eine in nur zwei Jahrzehnten neu erschaffene Weinwelt.
Bei einer solch großen Insel, mit unterschiedlichsten Anbaugebieten, die sich in der kurzen Zeit noch wenig im Bewusstsein des Weintrinkers verankern konnten, ist es keine Frage, dass die Marke des Weingutes eine große Wirkung hat: Planeta, Donnafugata, Tasca d’Almerita, die drei Weinfamilien mit unbestrittenem Fürstenstatus, ziehen in der Weinbaupolitik und bei Assovini die Fäden. Daneben gibt es eine Reihe von großen Kellereien mit Durchschlagkraft wie Duca di Salaparuta/Corvo mit Florio, Cantina Settesoli mit Mandrarossa, Firriato, Cusumano, Calatrasi oder Rapitalà, letztere gehört zur Gruppo Italiano Vini.

Was sind die nächsten Schritte nach dem großen Erfolg und der Konsolidierung für das Weinland Sizilien? Für viele Entscheidungsträger ist es die Bewerbung der Marke Sizilien, der „brand Sicilia“. Dazu müsse die Region viel Geld in die Hand nehmen, so die übereinstimmende Aussage. Doch dies ist angesichts der maroden Finanzlage Siziliens derzeit keine wahrscheinliche Entwicklung. Die Verantwortlichen sehen vor allem in den USA und Kanada eine große Chance, mit einer umfassend angelegten Werbung, die sich an den Weinliebhaber richten und eine Stange Geld kosten wird, Siziliens Weine und den Tourismus voranzubringen. Für die deutschsprachigen Märkte dagegen, sind keine Werbemaßnahmen vorgesehen. Die Deutschen können ja ihren Urlaub dort verbringen und somit den Zauber Siziliens entdecken. Genug Pizzerien und Restaurants gibt es ja bereits in Deutschland. Vor Ort selbst ist die kulinarische Situation nicht so rosig wie erhofft. Das gute Essen mit den regionalen Produkten, die Geschichte und das blaue Meer sind die Pluspunkte, der Service im allgemeinen, die Infrastruktur und eine gewissen Lethargie im Verändern, sind die Schwachstellen, die sich mittelfristig jedoch positiv entwickeln können.

In der Wahrnehmung im Ausland ist Sizilien eng mit der Sorte Nero d’Avola verbunden. Vor drei Jahren wurde sie noch als der Hauptmotor für das Weinwachstum Siziliens gepriesen. Der Auftritt der Weine bei der Präsentation 2014 auf Vulcano und den Messen in diesem Jahr, war eher durchwachsen. Frische Stahltankvarianten, fruchtige Massenweine, dichte Terroirweine, aber auch nichtssagende oder überreife, oxidierte und ausgezehrte Versionen gab es zu verkosten. Und jetzt haben die weinpolitisch Verantwortlichen ein neues Fass aufgemacht. Die Zukunft liege in  der Eigenständigkeit der verschiedenen Anbaugebiete Siziliens. Zur Zeit gibt es einige wenige Herkünfte, die beim Weinliebhaber, wohl in erster Linie bei den Weinfreaks und Fachleuten, angekommen sind. Ganz vorne in der Rangliste der angesagten Weinanbaugebiete sind die Hänge am Vulkan Etna. Hier gibt es mittlerweile an die 50 Weingüter mit Exportinteresse und mehr als ein Dutzend Weingüter, die als sehr gute Betriebe anerkannt sind. Daneben ist die südöstlichste Ecke Siziliens um Noto und Pacchino als das angestammte Nero d’Avola-Land herauszuheben. Die Situation ist uneinheitlich, denn es gibt nur ein Dutzend Betriebe vor Ort. Mehrere Weingüter beziehen ihre Trauben aber von dort.

Eine zweite Terroirecke für den Nero d’Avola ist der Süden unweit der Städte Agrigento und Gela. Hier sind aber nur wenige Winzer ansässig, dazu zählen die Genossenschaft Canicatti und Baglio del Cristo, Morgante oder das unbekannte, neue Weingut Cummo/Sicania. Im Westen spielt die Musik, denn in den letzten 15 Jahren haben die erfolgreichen Kellereien den Nero d’Avola hier, im historischen Weißweinland, besonders in den höheren Lagen verstärkt ausgepflanzt, um den Vorteil etwas kühlerer Anbaubedingungen auszunutzen. Der Westen ist weinmengenmäßig bedeutend aufgrund der großen Anzahl von Weingütern und Genossenschaften, dazu zählen auch die Gebiete Trapani/Marsala und Palermo/Monreale/Alcamo, sogar den Südwesten hinunter bis nach Menfi kann man dazu zählen. Ersteres ist ein ebenes, heißes Gebiet, das eng mit der Marsala-Tradition und der Erneuerung um die Sorte Grillo und mit ihren Erfolg verknüpft ist. Grillo ist heute ein fester Bestandteil fast aller großen Kellereien und Vermarkter geworden. Auch in Palermo und Alcamo ist Weißwein traditionell der Vorherrschende, vielfach jedoch für Destillation und Fassweinmarkt bzw. die RTK-Erzeugung. Den Qualitätsbetrieben hier fällt es demnach nicht leicht, eine Identität aufzubauen. Manchmal fehlt es an einer klaren Ausrichtung auf die Stärken des Gebietes bzw. des Weingutes.

Eine klare Ausrichtung besitzt das Weingut Spadafora, das auf die Rebsorte Syrah gesetzt hat. Leider wird Syrah heute nicht mehr als Siziliens Wunderwaffe bezeichnet. Das sah Ende der Neunziger noch anders aus. So bleibt der gute Ruf des Weingutes und seines Besitzers, den es in die Waagschale zu werfen gilt. 
Die großen Investitionen aus dem Norden haben bislang noch nicht richtig in den Märkten und in Sizilien, wo die Basis der Anerkennung gelegt wird, abheben können. Sowohl Feudo Arancio als auch Feudo di Principe Butera oder Feudo Pisciotto fehlt der Sizilienstallgeruch. Insgesamt reden wir in Sizilien über ca. 300 Weingüter, die im Export wahrgenommen werden. Die Menge des Qualitätsweines ist gewachsen, in Italien vergleichsweise gering, wenn man es mit den etablierten Regionen vergleicht.
6 Mill. hl ist die jährliche Weinproduktion, das sind deutlich weniger als noch vor 10 Jahren. Die Flaschenweinmenge wächst stetig weiter, im DOC-Bereich sind es in 2014 ca. 20 Mill. Flaschen nach 16 Mill. Fl. im Vorjahr. Dabei half sicherlich die Einführung des Begriffs Sicilia für DOC-Weine, nun kann es auf dem Etikett Sicilia DOC Vittoria heißen und nicht mehr nur DOC Vittoria, was für die Zuordnung im Ausland enorm wichtig ist.

Was macht eigentlich Siziliens einzige DOCG?  Na ja, für die einen ist die Hauptrebsorte Frappato eine zu aromatische Weinsorte, die wenig Farbe und Tannine mitbringt, für andere, und WEINWELTEN zählt dazu, wächst die Erkenntnis, dass diese Gegend um Vittoria, wo der DOCG Wein Cerasuolo di Vittoria zuhause ist, ein zweites starkes Terroir Siziliens ist. Hier gibt es bislang ein Dutzend Weingüter, und eine relativ kleine Menge mit nicht einmal 1 Mill. Flaschen DOCG-Wein.

Die neue DOC Sicilia (vormals IGT Sicilia) besitzt großes Entwicklungs-Potenzial, um damit die mittlere Qualität in den nächsten zehn Jahren deutlich anzuheben. Mit der Umsetzung geht es aber langsam voran, und die nun obligatorischen Kontrollen der Weinpartien sollen durch das Regionalinstitut Irvos und die Inspektoren von Valore Italia geleistet werden. Mehr über Siziliens Anbaugebiete und Hintergrundinformationen im Sizilien Spezial.