Die Anbaugebiete im Südwesten und die Mitte Siziliens

Sizilien und die unterschiedlichen Ecken einer großen Insel

Die beiden Weinbauzentren Menfi und Agrigento schließen sich an das Gebiet von Marsala im Westen und Alcamo im Norden nahtlos an, hier im Südwesten ist das Klima ebenso heiß wie trocken, für viele Fachleute und Winzer ein ideales Klima für die Rebsorte Nero d’Avola.

Nero d'Avola und die ganze Rebsortenvielfalt

Da die Forschung mit dieser Rebsorte erst in den Neunziger Jahren so richtig begonnen hat, wird noch viel Zeit ins Land gehen, bis die Weinbauforscher im Hinblick auf Anbau, Klonauswahl und Ausbau wertvolle Schlüsse ziehen können, daneben gibt es die ganze Vielfalt der nationalen und internationalen Rebsorten zu probieren. Das Zentrum der Insel ist für den Weinbau relativ unbedeutend, doch aus geschichtlicher und landwirtschaftlicher Sicht eine nicht zu vernachlässigende Region der großen Insel.

TERRE SICANE und MENFI

Im Herzen dieses morphologisch kontrastreichen Landes, dessen Name von seinen ersten Einwohnern stammt, den Sicani, stammt, liegen die vier Gemeinden Menfi, Montevago, Sambuca und San Margherita Di Belice. Gemeinsam ist ihnen ihre Natur, die polymorph und beweglich, von einer trockenen und zugleich fruchtbaren Landschaft und einer Reihe von kultivierten Flächen geprägt ist. Ihre Grenzen enden an den beiden Flüssen Belice und Carboy, an dem sich im Arancio-See spiegelnden Bergmassiv Genuardo und den im Süden liegenden sandigen Dünen von Porto Palo.
Es sind bezaubernde Plätze, die in Tomasi di Lampedusas Roman „Il Gattopardo“ wunderbar beschrieben werden. Der Weinanbau reicht sehr weit zurück, so weit, dass das unendliche Rebenmeer zum Wahrzeichen der Region wurde. Die Gegend wird von dem gewaltigen Kalkmassiv Rocca di Entella beherrscht, dessen Name von der antiken Stadt Anthilia stammt und soviel wie weiß, strahlend und kraftvoll bedeutet. Anthilia wurde vom Volk der Elymer errichtet, dessen Herkunft vermutlich auf Gelehrte in Kleinasien zurückzuführen ist. Die Elymer bauten die ersten Reben in dieser Region an, produzierten Wein und trieben Handel mit den Römern. Die Geschichte dieser zeitlosen Zivilisation führt uns zu den heutigen önologischen Erfolgen: Donnafugata, Planeta, Settesoli, Barbera, Cellaro, Feudo Arancio, um nur einige zu nennen. Zu den Doc-Weinanbauzonen (Denominazione di origine controllata) gehören: Contessa Entellina, Menfi, Sambuca di Sicilia und Santa Margherita.

AGRIGENTO - Das Tal der Tempel und des Nero d’Avola

Agrigento ist das Urbild jenes Siziliens, das zum Mythos wurde. Der griechische Dichter Pindar erklärte es zur schönsten Stadt der Sterblichen und beschrieb es als eine Welt, die von Helden und Göttlichkeiten mit menschlichen Täuschungen bewohnt wird. Das Tal der Tempel ist die Verherrlichung der antiken griechischen Zivilisation und steht für die Idee der ewigen Harmonie zwischen Mensch und Natur über die Geschichte hinaus. Der Mensch baute die Tempel von Herkules, Concordia und Juno Lacinia in dieses herrliche Tal, um die Götter zu beeindrucken und deren Schutz zu erhalten. Heute ist dieser Zauber zwischen Himmel und Erde, der von Mandelbäumen, Weizenfeldern und Weinreben umrahmt und Tausenden von Besuchern bestaunt wird, mit 1.200 Hektar der größte archäologische Park der Welt. Von der Stadt Cattolica Eraclea zu Licata, von Grotte zu Canicattì – das Areal verströmt Unmengen von Geschichte, Kultur und Wein.
Es ist ein Gebiet, das für den Weinbau wie geschaffen ist. Der Nero d’Avola, der Prinz der sizilianischen Rebsorten, hat auf diesem Teil der Straße von Sizilien einen idealen Standort gefunden. Es ist eine überaus wandlungsfähige Rebsorte, aus der unterschiedlichste Weine gekeltert werden können: junge Rotweine oder blumig-duftige neue Weine (novelli) mit einem Bukett, das an Marascakirschen erinnert; außerdem kräftige und ausgewogene Rotweine mit Struktur und Aromen aus Beeren, Veilchen und Gewürzen sowie Dessertweine mit wunderschönen komplexen und spannenden Noten.

CONTEA DI SCLAFANI - Am Fuße der Madonie-Berge

Dieses weitläufige geografische Areal, das drei Provinzen umfasst (Palermo, Caltanissetta und Agrigento), liegt am Fuße des Regionalparks Madonie. Die normannische Kathedrale Cefalù und die archäologische Stätte von Imera befinden sich in dieser Landschaft, die sich eines großen historischen und kulturellen Erbes rühmt. Seine hügelige Formation bietet nicht nur die idealen Bedingungen für das traditionelle Autorennen Targa Florio, das seit Anfang des 20. Jahrhunderts hier stattfindet, sondern ebenso für den Anbau und die Produktion von besonders eleganten Weinen. Exzellente Weiß- und Schaumweine (spumanti) aus innovativen sowie einheimischen Rebsorten und Rotweine mit edlen Tanninen und einem langen Nachhall haben Contea di Sclafani zu einem der angesehenen Anbaugebiete der Insel erhoben.

CASTELLI NISSENI - Ein raues Land mit Geschichte

Die Region, die sich im zentralen Süden von Sizilien bei der Provinz Caltanissetta befindet, verdankt ihren Namen den dreizehn aus dem Mittelalter stammenden Nisseni Burgen: architektonische Meisterwerke, die in undurchdringliche Felsen geschlagen oder inmitten von Hügeln gebaut wurden und heute noch von ihren Kriegen schwingen und wie stumme Hüter vergangener Zeiten wirken. Es ist eine interessante Region mit tausendjähriger Geschichte, deren griechische Kräfte in den Museen von Caltanissetta und Gela und den archäologischen Stätten von Gibli-Gabib und Sabucina weiterleben. Seine reizvolle Flora und Fauna werden von sieben Reservaten geschützt. Die Zivilisation der Schwefel-Minen nahm zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert seinen Lauf.
Die Reiseroute der Nisseni Burgen wird gewissermaßen von den Weinbergen, die dieses alte Land vom Hinterland bis zur Küste prägen, zusammengehalten. Sie bilden die Kulisse für die majestätischen Burgen und haben so weit zurückliegende Wurzeln, dass sie ihre Rationalisierung bereits mit den Normannen erlebten.
Das Gebiet gehört zu den interessantesten und anpassungsfähigsten Weinanbaugebieten Siziliens. Der Nero d’Avola produziert hier sehr farbintensive rubin- oder granatrote Weine, die im jungen Alter leicht violette und im reifen Alter orangefarbene Nuancen zeigen. Sein Bukett spielt mit betörenden Kirsch-, Pflaumen- und Veilchennoten und sein angenehmer Nachhall erinnert an Gewürznelken und schwarzen Pfeffer.  

PIAZZA ARMERINA - Die Stadt der Mosaike

Piazza Armerina, das im Mittelalter unter der normannischen Herrschaft des Grafen Ruggero seine Blütezeit hatte, liegt in der Provinz Enna im Herzen von Sizilien. Sein weltweiter Ruhm beruht auf den Mosaiken, die sich in der römischen Villa del Casale befinden und ein perfektes Beispiel für römische Mosaikkunst sind. Ein ländliches Panorama dominiert die Szene: Weizenfelder, Wälder, Feigenbäume und Weinberge wechseln sich in einer Landschaft ab, die vom Menschen geformt wurde. Hier werden exzellente Weine aus einheimischen und neuen Rebsorten produziert: ausgezeichnete Rotweine und elegante Weißweine mit ausdrucksvollen Buketts und internationalem Geschmack. Marken mit erwiesener Qualität werden von Maurigi, Gigliotto, Tenuta Chiarelli Cuffaro, Tenuta dell’Abate, Antica Tenuta del Nanfro und Abbazia Ogliastro kreiert.