Sizilien- Die Anbaugebiete Im Westen der Insel

Sizilien und die unterschiedlichen Ecken einer großen Insel

Zwischen den Eckpunkten Palermo, den Küstenorten Trapani und Marsala und dem in den sanften Hügeln gelegenen Alcamo spannt sich der Weinbau im westlichen Teil Siziliens. Es ist ein hügeliges Gebiet, das traditionell viel Weißweinanbau betrieben hat und das die Heimat großer Genossenschaften und Fassweinabfüller ist.

Nero d'Avola, Syrah und neue Weißweine im Westen

Hier hat sich viel getan, seit Sizilien der „turn around“ Ende der 90er gelang, d. h. die Qualitätsweinoffensive auf rund 200 Betriebe ausweitete, von denen die meisten im Westen zuhause sind. Es wurden neue Weinberge mit internationalen Sorten wie Syrah, Cabernet und Merlot angelegt. Nichtsizilianische Weißweinsorten wurden ausprobiert und etliche Hektar mit Nero d’Avola bepflanzt. Dabei wanderten die neuen Weinberge aus der heißen Ebene von Marsala mehr und mehr den Hang hinauf in die Berge bis auf 700 m, damit sich kühlere Nächte auf das Aromenprofil günstig auswirken können. Nero d’Avola aus Alcamo und Nero d’Avola aus Noto wächst unter sehr unterschiedlichen, klimatischen und geologischen Bedingungen, mehr dazu im Kapitel Rotweine.
Die beiden Weinbauzentren Menfi und Agrigento schließen sich im Südwesten nahtlos an, hier ist das Klima ebenso heiß wie trocken, für viele Fachleute und Winzer ein ideales Klima für die Rebsorte Nero d’Avola.
Da die Forschung mit dieser Rebsorte erst in den 90er Jahren so richtig begonnen hat, wird noch viel Zeit ins Land gehen, bis die Weinbauforscher im Hinblick auf Anbau, Klonauswahl und Ausbau wertvolle Schlüsse ziehen können.

ERICE und TRAPANI

Der Ort Erice liegt thronend auf einem Plateau des Berges San Giuliano und bietet ein unvergleichliches Rundum-Panorama: von den Bergen Cofano und Capo San Vito Richtung Osten über die Favignana- und Levanzo-Inseln bis zu Pantelleria im Südwesten; an besonders klaren Tagen sind sogar Ustica und die Afrikanische Küste zu sehen. Erices natürlich erhabene Position beeinflusste sein Schicksal immens. Die Normannen vollendeten die „zyklopische“ Mauer Elimo-Puniche und errichteten an der Stelle des Venus-Tempels eine Burg. Die Burg ist heute in zwei Areale eingeteilt: die Ballio-Türme und das Venus-Schloss. Noch heute herrscht in Erice aufgrund seiner verwinkelten Gassen, seiner Gebäudearchitektur und der Stille seines städtischen Umfeldes die Atmosphäre eines alten mittelalterlichen Dorfes, die gut mit dem modernen Leben harmoniert. Dank des Ettore Majorana International Centers für wissenschaftliche Kultur, das von Antonio Zichichi ins Leben gerufen wurde und hochqualifizierte Wissenschaftler aus aller Welt anzieht, verbreitet Erice zugleich das Flair von Wissenschaft und Innovation, so dass es auch als „Stadt der Wissenschaft“ bezeichnet wird.
Auch die Weinindustrie unterliegt der Kraft der Innovation. Das landwirtschaftliche Gebiet von Erice, in der Provinz von Trapani, hat dank seines Klimas, seiner reichen Böden und seiner verwurzelten historischen Tradition sehr angesehene Weine hervorgebracht. Neue Rebsorten wie Muller Thurgau, der exzellente sensorische Ergebnisse erzielt, werden neben den traditionellen Sorten Grillo, Inzolia und Nero d’Avola angebaut. Die neue Produktion von Spumanti konnte bereits viele Fachleute überzeugen.

SEGESTA und ALCAMO

Es ist einer der beeindruckenden Plätze Siziliens. Ein Gebiet von großem landschaftlichen Reiz und kultureller Anziehungskraft. Eine Region, in der sich Kunst und Landschaft vereinen und ihre Zeichen im Alltagsleben hinterlassen. Segesta ist heute eine unbewohnte historische Stätte. Eine archäologische Anlage, die sich in einer herrlichen Lage befindet, inmitten von sanften, ockerfarbenen und dunkelroten Hügeln, die einen angenehmen Kontrast zu den unendlichen Schatten des Grüns schaffen. Der archäologische Park wird von einem Dorischen Tempel und einem Theater dominiert, die aus dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr. stammen.
Die Gemeinde Castellammare liegt an einer weitläufigen Bucht, die vom Kap von Rama bis zum Kap von San Vito reicht. Der Name Castellammare stammt von Castrum ad mare, einer historischen Befestigungsanlage, die von den Sarazenen als Verteidigung gegen Piraten errichtet wurde. Als Sitz von Segestas Handelsplatz war es das Emporium Segestanorum (Hafen nahe Segesta) der Römer. Alcamo liegt gegenüber der Bucht von Castellammare inmitten von Hügeln, die vom Fuße des Berges Bonifato bis zum Meer mit Weinreben bedeckt sind.
Der Strand von San Vito lo Capo befindet sich im nördlichsten Areal. Das Zingaro Wildtierreservat, eines der am besterhaltenen Gebiete im Mittelmeerraum, liegt zwischen dieser Seefahrerstadt und Castellammare del Golfo.
Die Region ist seit dem 19. Jahrhundert vor allem für seine Weißweine berühmt, die als Symbolträger gelten und aus der Rebsorte Catarratto entstehen, einer blassgelben und echten sizilianischen Rebe mit grünlicher Schattierung, einem angenehmen Duft, weißfleischigen Fruchtaromen, einem mittleren Körper und einem charakteristisch leicht bitteren Nachgeschmack. Der Ausbau internationaler Rebsorten, die Aufwertung der einheimischen Sorten und die Produktion von weltweit anerkannten Rotweinen katapultierten das önologische Ansehen Segestas in neue Höhen.

MONREALE und PALERMO

Dieses Gebiet zeichnet sich durch seine Verbindung zwischen panoramischen Elementen und seinem künstlerischen Erbe aus; seinen Zeugnissen ländlicher Archäologie, die neben ritterlichen Traditionen und folkloristischen Ereignissen bestehen.
Monreales Ursprünge liegen in einem alten arabischen Dorf, das sich an die Hänge des Berges Caputo schmiegte. Aber erst durch die Normannen erlangte Monreal seine eigentliche äußere Erscheinung. Seine Häuser wurden um den berühmten Dom herum gebaut, von dem es das Jato-Tal und Palermo und auf der anderen Seite das Oreto-Tal und die Conca d’Oro im Blick hatte. Heute sind  es nicht nur seine erhabene Lage und seine panoramischen Aussichtspunkte, die Monreal seinen besonderen Reiz verleihen. Weitere Anziehungspunkte sind der Dom mit seinem „Christo Pantocreatore“, die orthodoxen Kirchen, die archäologischen Stätten auf dem Berg Jato, das ethnische Kulturerbe der Stadt Piana degli Albanesi, der mediterrane, immergrüne Wald Bosco della Ficuzza und der Gorgo del Drago (Drachenstrudel).
Monreale umfasst ein sehr großes Weinanbaugebiet. Hier werden zahlreiche Weine von hoher Qualität produziert: Internationale Rebsorten wie Chardonnay, Syrah, Cabernet Sauvignon und Merlot, aber ebenso die autochthonen Sorten wie Cataratto, Nero d’Avola und Perricone. Der Ausbau erfolgt rebsortenrein oder als Blend, wodurch einzigartige und individuelle Weine entstehen, die die Charakteristiken der sizilianischen (Präsenz, Komplexität, Sanftheit) sowie der internationalen Sorten (duftige Finesse, Eleganz, Harmonie) in sich vereinen.

MARSALA und MAZARA DEL VALLO

Eine weitere im äußersten Westen gelegene Sehenswürdigkeit ist die Stadt Maissala, deren Name entweder vom Arabischen “Marsa Alì“ oder von „Marsa Allah“ (Gottes Hafen) stammt und die bereits im antiken Griechenland als Hafenstadt und Weinimperium hohes Ansehen genoss. Die weltweite Bekanntheit ihres Weines verdankt sie allerdings dem britischen Handel und dem sizilianischen Talent des 18. Jahrhunderts. Die wirtschaftliche Renaissance der Stadt, die in jenen Jahren ihren Anfang nahm, ist größtenteils auf die Entwicklung der Weinproduktion zurückzuführen. Als John Woodhouse mit dem Ausbau von gespriteten Weinen startete, wurde der Name Marsala besonders in der angelsächsischen Welt zu einem Begriff.
Durch die industrielle Weinproduktion entstanden neben vielen anderen die Unternehmen (die charakteristischen bagli) von Ingham-Whitaker, Florio, Martinez, Pellegrino, Rallo, Mineo, Bianchi, Baglio Hopps, Alagna, Caruso und Minini, die die Städte bereicherten. Im Jahr 1832 trat Vincenzo Florio mit Woodhouse in Wettbewerb und entwickelte sich in einem Zeitraum von 20 Jahren zu dem größten Produzenten und Förderer der Stadt. Er führte den Konsum von Marsala zu einem kulturellen Phänomen mit literarischem Nachgeschmack.
Die Stadt Marsala liegt gegenüber den Ägadischen Inseln und dem Stagnone Wildtier-Reservat, ein Archipel aus kleinen Inseln, wie beispielsweise Mozia, das dank seiner Salzverdunstungsteiche und Windmühlen ein bemerkenswertes Panorama bietet. Weiter unten liegt Mazara del Vallo, ein großer Fischerhafen an der Mündung des Mazaro Flusses, der in seinem Gebiet ein Wildtier-Reservat, die Gorghi tondi und den Preola See beherbergt. 1998 wurde der Tanzende Satyr (Satiro danzante), eine zwei Meter hohe Bronze-Plastik aus der griechischen Antike, in der Nähe von Mazaras Stränden gefunden.
Sein önologisches Renommee verdankt die Region seinem Marsala, einem überaus kräftigen Wein, der bezüglich seiner Komplexität und seiner unterschiedlich produzierten Typen einzigartig ist: von gold- über bernsteinfarben bis zum seltenen Rot, von trocken bis süß, von fine (mindestens ein Jahr Holzfassreife) bis zu stravecchio (mindestens 10 Jahre Holzfassreife). Innovationen im Weinbaubereich führten darüber hinaus zum Grillo, einem frischen Weißwein, der sich mit einer eleganten Nase und fruchtig-blumigen Aromen präsentiert.

PANTELLERIA - Die Insel der Winde

Der vulkanische Boden, aus dem die Insel Pantelleria besteht, ist schwarz. Schwarz wie die Farbe Afrikas, dessen Küste näher zu Pantelleria liegt als zur Küste Siziliens. Auf der dürstenden Insel herrschen stets kräftige Winde, die die Wolken und somit den Regen vertreiben. Pantelleria repräsentiert nicht nur den äußersten Punkt von Italien, sondern den von ganz Europa. Eine Grenzlage, die sich zum Markenzeichen des Eilands entwickelte. Seine Gestalt verdankt es dem Einfallsreichtum seiner Bewohner. Sie haben sich die Fruchtbarkeit der vulkanisch-mineralreichen Böden und die kostbaren Zitrusgewächse zunutze gemacht und sich mit den ungestümen Winden und der Trockenheit der Insel arrangiert. So wachsen die Olivenbäume hier nahe am Boden und die niedrigen Weinpflanzen liegen in flachen Vertiefungen, um sie vor den Winden zu schützen und jeden Wassertropfen zur Pflanze zu leiten.
Immer noch sind die Einflüsse der arabisch-islamischen Zivilisation hier spürbar. Zeugnisse davon sind beispielsweise die heimische Rebsorte Zibibbo oder die so genannten dammusi, kubisch geformte Häuser mit Kuppeldächern, die durch ihre kalkweiße Farbe einen strengen Kontrast zu dem Schwarz der Landschaft bilden und ein Meisterwerk ländlicher Bauentwicklung darstellen.
Die wundervolle Insel, die Legenden als die mythische Insel Ogigia identifizieren (das Herrschaftsreich der Nymphe Calypso), produziert weltweit unvergleichliche Weine. Dazu zählt einer der ältesten und edelsten Dessertweine. Der aus der Rebsorte Moscato d’Alessandria oder Zibibbo gekelterte Wein wurde bereits von Giacomo Casanova geschätzt, der ihn seinen Geliebten anbot. Sein Duft ist intensiv, seine kräftige Farbe schimmert wie Bernstein oder dunkles Gold und im Geschmack erinnert er an reife Datteln oder Aprikosen. Auch einige innovative Produkte tauchen in dieser Region auf: kräftige, körperreiche und aromatische Rotweine, die mühelos die anspruchsvolle Küche begleiten.