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Erlebnisbericht Weinverkostung Südtirol in Frankfurt am Main, Juni 2017, Kommentar von Steffen Maus

Vorneweg: Südtirol testimonial, Digital opinion leader, Sommelier und Mensch Sebastian Bordthäuser brachte neugierigen Sommeliers, Weinhändlern und Bloggern das Thema "Weine aus Höhenlagen" näher. Die Agentur Medienagenten in Person von Felix Eschenauer hatte eingeladen, diese spannende Facette des Südtiroler Weines in Verbindung mit dem Essen des Stanley Diamonds in Frankfurt für sich zu erforschen. Denn nur wer mitmacht, kann mitreden (theoretisch jedenfalls).

Der Rahmen: Der Direktors des Weinkonsortiums Werner Waldboth würzte das Ganze mit Hintergrundgeschichten seiner langjährigen Erfahrung der Weinwelt Südtirols und ihren entscheidenden Veränderungen. Südtirols Geschichte der Achtziger mit den Pionieren des Qualitätsweinbaus von Raifer, Terzer und Lageder ist lange genug erzählt worden. Heute gibt es wenige, die den Südtirolern ein schlechtes Image bescheinigen. Als faszinierende Reisedestination zwischen Wandern, Skifahren und Wellness ist es eine Bank, positiv das Essen und die Natur mit ihrem abwechslungsreichen Bild vom Pustertal übers Vinschgau oder dem Unterland bei Kurtatsch.

Zurück zum Thema: Klima und Terroir sind in Südtirol schmeckbar, besonders ersteres hinterlässt einen klaren Fingerabdruck. Der Bogen spannt sich von den rassigen, säurebetonten Weinen des Eisacktals über die dem Wind und der Trockenheit ausgesetzten Vinschgauer bis zu den körperreichen Weinen des wärmeren Unterlandes bei Kurtatsch oder Margreid. Südtirol ist ein Paradebeispiel für eine Weinregion mit Terroirweinen, dies gilt vor allem für die Weißweine, aber auch für einige herausragende Rotweinlagen. In einer Gemeinde wie Kurtatsch variieren zb die Höhenlagen von 250 m - 900 m, was dem Kellermeister einen großen Spielraum bietet, welche Sorten er wo anpflanzen möchte. Natürlich stehen die frühreifen Sorten wie der Müller-Thurgau dann in den höheren, weil kühleren Lagen. Auch in Eppan spielten die Verantwortlichen gekonnt mit dem Weißburgunder und seinen aromatischen Facetten aus Weinbergen von 250 m bis 550 m.

Mein Fazit: Die Verkostung der Weine in Frankfurt brachte es auf den Punkt, dass große Weine in der Kombination aus der Rebsorte im geeigneten Boden und dem Klima, das durch die Ausrichtung und die Höhenlage der Weinberge bestimmt wird, kreiert werden. Umso mehr muss man den Südtirolern zugute halten, dass sie eben dieses Zusammenspiel in den letzten 20 Jahren, als etliche Vernatsch-Reben Platz gemacht haben, sehr zielstrebig weiterentwickelt haben. Und es ist anzuerkennen, dass die Väter und verantwortlichen Kellermeister der älteren Generation einiges richtig gemacht haben, als sie ihre Weinberge mit den geeigneten Sorten angelegt haben.

Die Message: Somit hat Südtirol heute eine Anzahl von 40+ Weinbergsweinen, die unter den Weinkennern und Weinliebhabern Begeisterung und Ehrfurcht auslösen. Diese Faszination gilt es in die Weinwelt zu tragen. Dabei handelt es sich in den wenigsten Fällen um die Superpremiumweine jenseits der 50 € Verkaufspreis, sondern um Weine im Segment von 10 € bis 30 €, die auch in einer Jahrgangstiefe erlebbar sind, was die Faszination zusätzlich befeuert.

Der Haken: Südtirol ist nicht auf eine Rebsorte festgelegt, was in den heutigen Zeiten die Kommunikation erschwert. Doch ein Vernatsch vom St. Magdalener Hügel oder ein Cabernet Sauvignon vom Kalterer See oder ein Weißburgunder aus Eppan Berg oder ein im Holz ausgebauter Chardonnay aus Terlan bieten eben diese Vielfalt, die erforscht werden will. Keine leichte Aufgabe zugegebenermaßen, doch man wächst ja mit seinen Aufgaben. Und die Probenzusammenstellung zeigte deutlich, dass 12 Weine ein Anfang sind, den es auszubauen gilt. So kann jeder für sich die Frage stellen, was sind meine einzigartigen Weinbergsweine aus Südtirol? Je länger die Liste, desto mehr Freude und Zufriedenheit stellt sich ein, denn diese persönliche Erfahrung - magari in Verbindung mit einem regionalen Gericht und dem Blick auf die Berge und/oder Weinberge - ist viel wert.

Die Frage: Wenn du ein Bordeaux-Fan bist oder nur Riesling trinkst, dann stellt sich die berechtigte Frage, wie weit kannst und willst du dich auf diese Erfahrung einlassen? Eine spürbare Begeisterung für das Land, die Menschen und die Weine südlich der Alpen sind kein Muss, aber eine Basis, die wohl am schwierigsten zu vermitteln ist. Glücklicherweise gibt es für dieses winzige Anbaugebiet heute genug Südtirol-Fans, welche diese großartigen Weine mit dem Herzen und dem Verstand trinken.

2012 Sekt Brut Riserva Comitissa, Lorenz Martini – 500-800 m Überetsch
2015 Müller-Thurgau Feldmarschall, Tiefenbrunner - 900-1000 m Fennberg/Margreid
2015 Vinschgau Riesling Windbichel, Unterortl Castel Juval – 700-750 m Tschars/Kastelbell
2016 Eisacktaler Kerner Praepositus, Stiftskellerei Neustift – 650-700 m Brixen und Vahrn
2014 Sauvignon Voglar, Peter Dipoli – 500-600 m Penon/Kurtatsch
2015 Gewürztraminer Kolbenhof, J. Hofstätter - 400 m Söll/Tramin

2015 Pinot Grigio Punggl, Kellerei Nals Margreid – 250-300 m Margreid
2013 Weißburgunder Riserva Sanctissimus, Kellerei St. Pauls – 350-400 m St. Pauls
2016 Kalterersee Klassisch Superiore Pfarrhof, Kellerei Kaltern – 250-350 m - Kaltern
2014 Pinot Noir Riserva Mazzon Trattmann, Kellerei Girlan - 400 m – Mazon/Neumarkt
2013 Cabernet Sauvignon Cor Römigberg, Alois Lageder – 250-350 m - Kaltern
2015 Moscato Rosa, Franz Haas – 250-300 - Neumarkt

Im Magazin des Südtiroler Weins auf www.suedtirolwein.com liefert ein neuer Artikel zu den Pionieren des Höhenweinbaues weitere Informationen zum Thema.