Der teuerste Weißwein Südtirols ist ein Weißer!

Das Grande Cuvee der Cantina Terlan hat den Weg geebnet, heute gibt es in Südtirol mehr als ein Dutzend weiße Burgunder im Spitzensegment.

Dies war zweifelsohne ein mutiger Schritt im bodenständigen Südtirol, in den Zeiten des lahmen Weinabsatzes italienischer Weine, nicht wahr? Ein Weißwein für 190 € pro Flasche! Für die Genossenschaft Terlan, die heute im Ansehen nicht nur in den Sternerestaurants mit Alois Lageder und sogar Angelo Gaja auf einer Stufe steht, ist es jedoch ein konsequenter Schritt auf ihrem eingeschlagenen Weg.

Foto: Obmann Georg Höller, Verkaufsleiter Klaus Gasser, Kellermeister Rudi Kofler

Langlebige Weißweine

Die Kellerei Terlan hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch außergewöhnlich langlebige und mineralische Weißweine weltweit ein beachtliches Renommee aufgebaut. Dies nutzt sie nun für den Wein, der die Essenz sein soll, den Terlaner I (Primo), Grande Cuvée. Im Früjahr 2014 wurde der erste Jahrgang in eng begrenzter Stückzahl, weniger als 3000 Sieben-Zehntel-Flaschen, verkauft. 190 € ist ja nicht die Spitze im Hause Terlan, denn die 30, 40 oder 50 Jahre gereiften Weißweine der Kellerei kosten noch eine Stange mehr. Sie präsentieren sich teils mit erstaunlicher Frische, Finesse und Balance am Gaumen. Unglaublich gut waren ein 1957er und ein 1967er in der Probe im Januar 2014.

Boden und Rebsorte

Grundlage dieses außergewöhnlichen Qualitätspotenzials ist der besondere Boden im Terlaner Becken und das Klima und sicherlich die sehr lange Erfahrung mit Spitzenweinen im Hause seit den Fünfzigern, die sie anderen Genossenschaften und Winzern voraus haben. Dank dieser langen Weißwein-Historie war für die Terlaner die Zeit reif für einen Wein, an dem sich das Wesen Terlans im Glas schon in jungen Jahren zeigt. Im Terlaner I Grande Cuvée sind die Rebsorten Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon aus den Crus Winkl, Kreuth und Vorberg vereint.
Rudi Kofler, würdiger wie bescheidener Nachfolger des legendären Stocker, der von 1955 bis 1993 am Ruder war, wählt aus den Top-Lagen die ältesten und ausdruckstärksten Weinbergteile aus. Die langsame Reifung im großen Eichenholzfass, die lange Lagerung auf der Feinhefe und ein weiteres Jahr in der Flasche sind Garanten für die facettenreiche Aromastruktur und sein unvergleichbares Entwicklungspotential. Das Bestreben war es, einen großen Wein zu kreieren, der ebenso wie die bedeutenden Weine der Welt (Burgund) durch Tiefe, Mineralität und Eleganz besticht.

Mit den in der Blindprobe aufgestellten Spitzenburgundern aus Grand-Crus-Lagen des Jahrgangs 2011 stand der Wein auf einer Stufe, seine Herkunft war deutlich erkennbar, ebenso wie die der Burgunder. Dass das Terroir von Terlan ein jahrtausendealtes Geheimnis birgt, ist den Südtirolern seit vielen Generationen bewusst. Aktuelle geologische Untersuchungen untermauern nun dieses überlieferte Wissen durch wissenschaftliche Daten. Kernbohrungen im Bereich der drei Lagen des Terlaner I Grande Cuvée und die Analyse der Bodenproben belegen das Vorhandensein eines subvulkanischen Gesteinskörpers. Dieser ist durch die langsame Erstarrung von Magma unterhalb der Oberfläche entstanden und hat über Jahrmillionen hinweg in seinem Inneren besondere Kristalle entwickelt. Die Böden haben einen außergewöhnlich hohen Siliziumdioxidgehalt, sind reich an Polyphenolen sowie natürlichen Nährstoffen und tragen damit maßgeblich zur Einzigartigkeit der Terlaner Weißweine bei. Die Grande Cuvée, die nur in jenen Jahren abgefüllt wird, in denen alle Faktoren ideal zusammenspielen, wurde im Jahr 2011 erstmals produziert und im Januar 2014 offiziell vorgestellt. „Von diesem Jahrgang gibt es nur 2850 Flaschen. Sie werden in Zukunft vorwiegend auf den Weinkarten der internationalen Spitzengastronomie zu finden sein“, so liess Verkaufsleiter Klaus Gasser verlauten.

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