Er schimmert in einem intensiven Rubinrot mit Granatreflexen und sein Duft nach getrockneten Früchten, Schokolade, Tabak und Gewürzen ist betörend. Kenner sagen, der Wein ist mit seinem kraftvollen Körper (mit 15 Vol% Alkohol und mehr) und seiner intensiven Fruchtsüsse der ideale Wein für den verschneiten Winterabend. Der Schlüssel zum echten Genuss beim Amarone seien die Unterschiede in Geschmack, Duft und Farbe, wenn sie nebeneinander aus jedem Jahrzehnt einen probieren können. Das Foto zeigt ein historisches Etikett aus den Siebzigern als der Oberbegriff für den Amarone noch Recioto della Valpolicella war. Heute ist der Recioto ein Rotwein mit viel Süße bzw. Restzucker, der Amarone della Valpolicella die trockene oder fast trockene Variante des Terroirweines.

Trauben oder Rosinen?

Eilig haben sie es nicht, die Trauben für den Amarone. Das, was kurz vor oder auch erst nach Weihnachten endlich gepresst wird, sind eigentlich auch keine Trauben mehr.  Bestenfalls Schrumpelbeeren, fast schon Rosinen. Rosinierte Trauben werden sie deshalb auch genannt. Nach der Ernte haben sie ihr weiteres Dasein für drei bis vier Monate auf Dachböden oder gut durchlüfteten Lagerplätzen gefristet und dabei gut ein Drittel bis die Hälfte ihres Gewichts verloren. Appassimento heißt dieser Vorgang der Trocknung und er bedeutet für den Winzer oft viel Arbeit. Denn es gilt zu verhindern, dass sich Fäulnis breitmacht. Die Trauben müssen immer wieder aufwändig umgeschichtet und verdorbene aussortiert werden. Es sei denn, man ist in der glücklichen Lage Temperatur und Luftfeuchtigkeit mittels moderner Technik per Computer steuern zu können. So oder so: je länger und sorgfältiger man die Beeren behandelt, desto gehaltvoller das Ergebnis, denn während der  Trocknung konzentriert sich der Zucker, der schließlich zu Alkohol verstoffwechselt wird. Auf diese Weise entstehen alkoholreiche Amarone-Weine mit kräftiger Struktur, die zu den ganz großen Rotweinen Italiens zählen. Mindestens zwei Jahre lässt man ihm dann noch Zeit, um in Eichenfässern zu gären, nochmals eineinhalb bis zur endgültigen Flaschenreife.

Eine Frage des Geschmacks

Sein Geschmack ist sehr intensiv und trocken, sein fülliger Körper  kraftvoll und wärmend. Dabei entfaltet dieser Wein zugleich eine sehr weiche und sanfte Seite. Im Abgang  ist er leicht bitter (amaro = bitter), aber angenehm,  dazu der unverwechselbare leichte Oxydationsgeschmack und eine große Komplexität: das alles zeichnet den Amarone aus. Ja, der Amarone ist eine starke Persönlichkeit. Seine steigende Beliebtheit hat er sich verdient. Man kann ihn übrigens auch problemlos lagern. Wenn man möchte gut und gerne zwanzig Jahre. Amarone-Weine passen wunderbar zu den italienischen Secondi Piatti mit Fleisch, Wild und reifem Käse, insbesondere Blauschimmelkäse. Er lässt sich aber auch ohne weiteres solo genießen. Kleine Randbemerkung für die Verbraucher: Wenn man bedenkt, dass man aus 100 kg frisch geernteter Trauben  rund 70 bis 75 Liter Wein gewinnt, während beim Amarone  bei der  gleichen Menge an Trauben, verbunden mit einem erheblichen Aufwand in Bezug auf Lagerung und Trocknung, am Ende nur mit einer „Ausbeute“ von etwa 20 bis 25 Litern gerechnet werden kann, wird vielleicht verständlich, warum der Preis für diesen Wein so deutlich höher liegt, als der für einen „normalen“ Rotwein.

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Ob Valpolicella, Ripasso oder Amarone, es sind die gleichen Trauben, der Unterschied liegt einzig in der Verarbeitung und dem unterschiedlichen Mengenverhältnis. Und natürlich im Ergebnis. Und wenn auch der Amarone sich als König präsentiert – auch alle anderen Valpolicella-Weine können sich sehen lassen. Und trinken.

Die Geschmacksvielfalt im Valpolicella

Junge Valpolicella-Jahrgänge kokettieren mit rubinroter Farbe, einem feinen und weinigen Duft und Geschmacksnoten, die an Kirsche und Rosen erinnern. Sie präsentieren sich mit lebendiger Frische, sind trocken und sanft, verwöhnen mit einer harmonischen Tanninstruktur und einer angenehmen leicht bitteren Note.
Der Valpolicella Superiore, der aus ausgewählten Trauben und Lagen stammt, braucht mindestens ein Jahr Reife, um seine charakteristischen granatroten Reflexe in seiner rubinroten Farbe zeigen zu können. Sein Duft, der eine leichte ätherische Note trägt, erinnert an Vanille. Den Gaumen überzeugt er mit einem feinen, ausgewogenen, trockenen und samtigen Charakter.
Für den Valpolicella Ripasso Doc wird der Basiswein für etwa 15-20 Tage mit dem Trester vereint, der aus der Amarone-Produktion stammt. Dadurch gewinnt dieser eine dichtere Struktur. Er entwickelt einen höheren Alkoholgrad und ein dezenteres Säurespiel und erhält mehr Extrakte und phenolische Substanzen. So entstehen Ripasso-Weine, die nicht nur mit großer Ausgewogenheit, sondern auch einer enormen Lagerfähigkeit bestechen. Neben seiner leichten ätherischen Note zeigt der Ripasso im Duft Töne, die an Vanille und Rosen erinnern. Am Gaumen präsentiert sich sein feiner und harmonischer Charakter trocken und weich. Aufgrund ihrer unkomplizierten Art passen diese Weine hervorragend zu winterlichen Primi Piatti mit Fleisch und Wild oder Secondi Piatti mit Wurst, aber auch zu kräftigem Käse von  mittlerer Reife.

Der Recioto ist ein durch Alterung süßer Dessert-Wein, still und reich. Wie auch beim Amarone, werden die Trauben für den Recioto  – bis eine hohe Zuckerkonzentration erreicht ist - in speziellen Lagern für 100-120 Tage getrocknet. Durch den Stillstand der alkoholischen Gärung verbleibt ein hoher Anteil an Zucker, der den Recioto zu einem idealen Dessertwein macht. Er ist ein sehr exklusiver Wein, mit einer intensiven und dunklen rubinroten Farbe, durch die man bisweilen nicht hindurchschauen kann und duftet unverkennbar nach getrockneten Früchten sowie eingelegten Kirschen. Im Geschmack ist er harmonisch, süß, voll und weich und zugleich mit einer guten und anhaltenden Säure ausgestattet. Nebenbei: Auch wenn der Recioto etwas in Vergessenheit geraten und heute nur noch einem kleinen Kreis von Weinkennern bekannt ist, so legte man mit diesem Wein doch einst die Grundsteine für die heutigen Spitzenweine der Region.