Brunello - Das passende Essen und der angemessene Preis

Was darf ein guter Brunello kosten? Was schmeckt dazu am besten?

Brunello und Essen, die gelungene Kombination zu finden, ist einfacher als gedacht: Drei Regeln genügen, wenn Sie diesen großartigen Italiener aus Montalcino mit ihrem Essen kombinieren möchten. Und dabei entdecken Sie viel mehr als die Steakvariante, die für sich schon ein Hochgenuss ist.
In der Regel ist es der krönende Abschluss des Abends: Die "Bistecca alla fiorentina", ein dickes, gegrilltes T-Bone-Steak, ist perfekt gelungen, d.h. auf dem schmalen Grat zwischen englisch und medium sollte es stets dem englischen Garzustand zugewandt sein. Das garantiert die herzhafte Textur des Fleisches und den vollen Geschmack. Allein dicke Salzkristalle knirschen zwischen den Zähnen, denn auf jedes andere Gewürz hat der Koch verzichtet. Nach jedem Bissen schmiegt sich der Schluck Brunello, der vor mir auf dem Tisch steht, an den Gaumen, widersteht den Röstaromen und klingt mit seinem kräftigen Körper und Säurestruktur lange nach.
Einfacher geht es nicht. Und besser auch nicht: Willkommen in Montalcino, mitten in der Toskana. Hier werden drei Rotweine aus der Rebsorte Brunello (Sangiovese) erzeugt, die ein ganzes Menü begleiten können, wenn man folgende, simple Einteilung einhält:

Rosso zur Pasta, Brunello zum Fleisch, Riserva zum Schmorgericht

„So ist es klassisch und passt fast immer“, sagt Tom Engelhardt. Und er muss es wissen. Der Leiter der Unabhängigen Internationalen Weinakademie (UIW) in München und Inhaber des Weinhandels Falstaff lebte als er 19 Jahre alt war eine Zeitlang in Montalcino. Er teilte sich mit einem Maler eine Bude, Strom hatten sie keinen, Wasser auch nicht. Der Luxus war, dass Engelhardt jeden Tag kochte und dazu einen anderen lokalen Rotwein öffnete. „Ich habe mich durch alles durchprobiert, was es damals gab“, sagt er. „Mit Brunello bin ich sozusagen groß geworden.“
Wer Pasta kocht, dem sei eine lokale Variante empfohlen: Pinci - außerhalb Montalcinos wird sie Pici geschrieben. Pinci sind besonders dicke Spaghetti aus Hartweizengries, die bis zu 25 Minuten im kochenden Wasser brauchen, bis sie al dente sind. Sehr gut passt dazu ein Ragu mit frischen Steinpilzen. Wer vor der Primi Piatti noch Crostinis reichen möchte, die getoasteten Brotscheiben mit herzhaften Pasten darauf, der muss sich über einen extra Aperitif keine Gedanken machen. Der einfache Rosso, der zur Pasta getrunken wird, passt auch hervorragend zu dieser typisch toskanischen Vorspeise.

Aufgepasst beim Brunello mit präsenter Vanille-Note aus dem Barrique-Fass

Nur ein paar Kombinationen gibt es, die nicht funktionieren. So sollte zur Bistecca auf keinen Fall Radicchio gereicht werden - die Bitterstoffe des Gemüses und die Gerbstoffe des Weins schaukeln sich sozusagen gegenseitig hoch. Nach ein paar Bissen schmeckt gar nichts mehr, weder das Essen noch der Wein. Engelhardt warnt vor einer weiteren Falle: „Meiner Erfahrung passt ein Brunello, der im Barrique war, nicht zur Bistecca. Dieser leicht süßliche Vanillegeschmack verträgt sich nicht mit dem Fleisch.“ Zu so einem Wein schmort er lieber ein Stück Wildschwein oder Hirsch, vielleicht gewürzt mit ein wenig Nelken und serviert mit Preiselbeeren.Schwärmerisch wird Engelhardts Ton, wenn er von seinem Lieblingsessen zu einer Riserva erzählt, einem Gericht aus der Gegend von Rom. Dort reibt man über das geschmorte Wildschwein zum Schluss ein wenig Schokolade und serviert dazu ein Püree aus Maronen. „Herrlich.“
Wer sein Essen gerne mit etwas Käse beschließt, dem sei davon abgeraten, Rotschmier- und Weißschimmelkäse essen zu wollen, bevor der Brunello ausgetrunken ist. „Ein No-Go“, sagt Engelhardt. Er bevorzugt dazu einen kräftigen Weißwein, etwa einen Soave oder einen Weißburgunder aus Südtirol.

Der Gesprächspartner Tom Engelhardt betreibt in München die unabhängige Internationale Weinakademie, das Kermess-Institut. Und er besitzt seit vielen Jahren daneben den kleinen, feinen Weinhandel Falstaff.

Brunello - Der faire Preis!

Größere Weingüter bieten ihren Brunello um die 30 € an, bei kleineren, hoch gehandelten Weingütern kostet die Flasche 50 - 60 €, einige, wenige Spitzenweine liegen jenseits der 100 € Schwelle. Der Rosso di Montalcino ist mit Preisen von 12 bis 20 € bei vielen Weingütern ein preiswerter Einstieg in die Welt des Sangiovese aus Montalcino.
Das sagt der erfahrene Weinhändler Rene Sorrentino zum Brunello: Nicht unbedingt weit verbreitet in Supermärkten, da die Einkaufspreise relativ hoch sind. Wird gerne zum Weihnachtsgeschäft in die Regale gehoben, auch im Discounter. Meist handelt es sich dann um eine anonymisierte Füllung einer größeren Kellerei.
Im Fachhandel eine Selbstverständlichkeit, ist doch Brunello neben Barolo (s.o.) der Renommierteste unter den italienischen Rotweinen. Brunelli sind immer außergewöhnlich, 25 € stellen im spezialisierten Handel die preisliche Untergrenze dar, gesuchte Namen, vor allem aus großen Jahrgängen, kosten auch bis zu 60 €-
Für Gastronomen verhält es sich ähnlich wie beim Barolo. Er gehört als Flaschenwein auf jede einigermaßen sortierte Weinkarte, bei italienischen Restaurants erst recht.