Das renovierte Bauernhaus von Gioia Cresti mit dem kleinen Weinkeller liegt am südlichen Rand des Chianti-Gebietes. Hier in der Nähe von Siena laufen die Weinbergshügel sanft aus, benachbart sind Weingüter wie Felsina, San Giusto a Rentennano oder Castell´in Villa. Die Weinberge wechseln mit Olivenhainen, Waldgebieten und Weizenfeldern ab, in der Ferne sind die markanten Türme von Siena gut zu erkennen. 
Mit dem vollen Engagement betreibt das Weingut mit ihrem Bruder erst seit einigen Jahren, zuvor hatte sie zu viel zutun mit der Beratung anderer Weingüter im Chianti. Dieser Job der weinbaulichen wie ökologischen Beratung im Team mit dem charismatischen Carlo Ferrini hat sie ausgefüllt, und macht ihr immer noch viel Freude. Ihr Schwerpunkt ist die biologische Weinerzeugung, und diesen naturnahen Ansatz lebt sie auch bei den Weinen von Carpineta Fontalpino. Zugegeben ist das kein leichter Name, doch so heisst nun einmal der Borgo, wo das Haus steht. Gioia - was Freude bedeutet - und Cresti als Familienname sind da schon eingängiger und leichter zu merken…

Powerfrau als Weinmacherin

Gioia - Freude - das strahlt sie durch alle Poren aus, wenn sie über ihren Berufung, ihre Weine oder übers gute Essen oder die Angewohnheiten der Seneser und ihre Besessenheit für den Palio redet. Ich kenne sie nun fast seit 20 Jahren und sie hat sich nicht verändert, ist aufgeschlossen und zugewandt, zwei wichtige Eigenschaften, die auch beim Weinmachen auszeichnen. Sie kann trotz ihrer zahlreichen Verpflichtungen das Mobiltelefon beiseite legen und ihren Beraterjob für 2-3 Stunden mal ganz vergessen, wenn sie im Gespräch ist. Ihre Weine liegen ihr am Herzen, und die Anerkennung mit den Drei-Gläsern liess nicht lange auf sich warten, als sie ihren Fokus aufs Weingut gelegt hat. Die drei zentralen Weine dieses Wirkens hat Vipino ins Sortiment genommen.

Chianti Classico Fontalpino

Der Jahrgangschianti (ein Classico mit dem Schwarzen Hahn, weil er innerhalb der Gebietsgrenzen zuhause ist) zeigt schon sehr deutlich, worauf es Gioia ankommt. Den Ausdruck des Sangiovese in der Gemeinde Castelnuovo Berardenga einzufangen. Neben dem Nebbiolo ist der Sangiovese die Paradesorte, um Terroir auszudrücken, und das Chianti mit seinen unterschiedlichen Gegebenheiten eine herausragende Gegend für ein solches Weinerleben. Die Weine von Rocca di Montegrossi in Monti oder Fontodi in Panzano besitzen andere Nuancen. Natürlich sind die Kirschenfrucht und die florale Komponente, die Assoziation von Veilchen, eine Grundlage jeden Chiantis. Daneben unterscheiden sich die Weine in der Säurestruktur, dem Körper und den Gewürzaromen. Gioias Weine sind ein fruchtiger und saftiger Ausdruck des Chianti, sie sind elegant und insbesondere der Fontalpino zeigt sich mit großer Intensität und gleichzeitiger Leichtigkeit am Gaumen. Cresti ist es enorm wichtig, dass die Weine nicht zu körperreich oder zu reich in der Frucht werden, bei lediglich 13,5% Alkohol und einem für Chianti typischen mittleren Körper liegt ihr Credo für den perfekten Chianti. Dazu ist viel Detailarbeit vor allem im Weinberg notwendig, damit die Reben mit möglichst wenig Stress ausgewogene und reife Trauben erzeugen.
Gioia ist als beratende Weinmacherin für andere Weingüter ständig im Chianti unterwegs, deshalb hat sie ein geschultes Auge für den Sangiovese und entscheidet selbst, welche Partien wann für ihren „Annata“ gelesen werden. Ausgebaut werden diese mit natürlichen Hefen im Zementtank und danach für ca. 1 Jahr in 500 Liter-Eichenholzfässern.
„Piacevolezza“ ist das passende Wort für den Chianti Classico von Gioia. Er besitzt moderate Gerbstoffe und Säure, überzeugt dennoch durch eine ausgeprägte Mineralität, die sehr animierend ist. Dunkle Früchte wie Schwarzkirsche und dezente Brombeere statt roter Johannisbeere kennzeichnen diesen Jahrgangswein, wie auch andere Weine der Weinberge von Castelnuovo Berardenga. Diese Weine sind komplex in ihrer Fruchtausprägung mit einer breiten Palette von Gewürzen wie Pfeffer, Zimt und Kakao. Der Fontalpino zeigt sich mit Intensität und Leichtigkeit am Gaumen.

DO UT ES IGT Rosso Toscana

Der elegante und komplexe Supertuscan von Carpineta Fontalpino, made by Gioia Cresti in der Nähe von Siena. Von ihrer Terrasse im Weingut schaut Gioia auf die Rebzeilen mit den Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Petit Verdot, die sie mit ihrem Bruder vor rund 20 Jahren gepflanzt hat. Der Wein hatte noch bis 2014 einem Anteil Sangiovese im Blend, doch ab 2015 ist es ein klassischer Bordeauxblend, der aber nicht nach Bordeaux, sondern nach der Erde in der Toskana schmeckt. Do ut des - Ich gebe, damit du gebest, beschreibt die Gegenseitigkeit als grundlegende Strategie sozialen Verhaltens. Inn der römischen Antike bezeichnete der Ausspruch das Verhältnis zu den Göttern im Opferdienst. Es wurde den Göttern geopfert und dafür eine Gegengabe erwartet.
In der Säure- und Gerbstoffstruktur zeigt sich das Zuhause des Weines in der südlichen Toskana, am Rand des Chianti Classico deutlich. Der Wein wächst auf einem tiefgründigen Lehm/Tonboden, hat Sonne und Wasser auch in trockenen Jahren in ausreichendem Maße, so dass der Wein im Duft keine unreifen Noten aufweist, sondern eine reife Frucht und satte Kräuterwürze. Im Keller werden alle drei Sorten separat im Zementtankt vinifiziert und danach in den meisten Jahren – so auch 2016 und 2017 – vereint und im Barrique ausgebaut, erst nach 7-8 Monaten im Mai/Juni holt Goia den Wein von der Feinhefe mit dem ersten Abstich, danach reift er weitere 10-12 Monate im Eichenholz. Sie verrät uns, dass sie eine kleine Menge der Rebsorten jeweils reinsortig ausbaut, so besitzt sie weitere Möglichkeiten für die ideale Komposition und die angestrebte Harmonie des Supertuscan.
Stilistisch strebt sie weder nach einem gefälligen Rotwein noch einem schwer auf der Zunge liegenden Rotwein, denn das mag sie überhaupt nicht. Vielmehr sucht sie die Eleganz in der Komplexität, das ist ein sehr weiblicher Ansatz und ein erfolgreicher, wie ich finde: Das Rückgrat des Weines bildet das straffe Tannin-Geflecht des Petit Verdot, der in gleichen Teilen mit dem fruchtbetonten Cabernet und duftigen Merlot vereint wird. Probieren sie den Wein im Vergleich zum ungleich bekannteren und ergo hochpreisigeren IGT Rosso Blu vom Weingut Brancaia aus meinem Sortiment.

Der Crus Monteaperto vom Galestro und Dofana vom Tuffstein

Die gleiche moderne Philosophie - eg von den Wuchtbrummen der letzten 20 Jahre -  findet auch in den beiden Weinbergsweinen ihre Anwendung. Der Monteaperto ist ein Crus, der aus einem Weinberg mit hohem Galestro-Anteil stammt. Dies ist der fürs Chianti so typische, gelb-bräunliche Tonschiefer, der den Weinen viel Fruchtintensität verleiht. Die im feinen französischen Eichenholz ausgebauten Rotweine zeigen sich recht unterschiedlich. So ist der Monteaperto der zugänglichere Wein in den ersten Jahren. Er überzeugt durch seine saftige Kirschenfrucht und einen Trinkfluss, der bei einer solchen Top-Kategorie an rote Burgunder erinnert. Noch hat keiner in Deutschland dieses kleine Weingut auf dem Schirm, speziell für die gehobene Gastronomie und ihre feinausgearbeiteten Kreationen ist dieser Rotwein ein perfektes Match.

Anders präsentiert sich der Dofana, der vom ockerfarbenen Tuffstein des Weinberges geprägt ist. Natürlich ist der Sangiovesecharakter klar erkennbar. Daneben ist jedoch seine Gerbstoffstruktur markenter und seine floralen Aromen gibt der facettenreiche Rotwein nach längerem Zureden oder frühzeitigerem Einschenken preis. Die beiden Weine werden auf die gleiche Art und Weise im Keller begleitet, natürliche Gärung, behutsamer Ausbau und genug Zeit für eine Harmonisierung im Holz und der Flasche sind wie überall die Eckpfeiler für hochwertige, individuelle Weine mit Charakter. 
Beim Körper jedoch achtet Gioia wiederum peinlichst genau darauf, dass die Weine ihre Leichtfüßigkeit nicht verlieren. 
Sangiovese ist leichtfüssig und insbesondere der im Chianti unterscheidet sich merklich vom kraftstrotzenden Brunello mit seinen breiten Schultern und der dort vorherrschenden etherisch-kräutrigen Aromensäule. 
Mit ihren zwei Crus-Weinen stellt Gioia die Faszination Lage in den Kontext der toskanischen Hügel. Diese Symbolik benutzt sie auf ihrem Etikett - in leuchtendem, knalligen Rot gehalten - und sie beschriebt ihren Ansatz mit dem Vollmond- und Halbmond-Symbol auf dem Etikett. Denn der Mond symbolisiert die weibliche Seite so wie ihre Weine ein Ausdruck von dieser weiblichen, einfühlsamen Herangehensweise und der Erfahrung von 20 Jahren Weinberatung mit der Sorte Sangiovese sind.

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