Chianti - Italiens bekanntester Wein aus der Toskana

Ein Rotwein aus der Sangiovese-Traube

Chianti - der wohl bekannteste Wein Italiens - wird oft als Prolet unter den Rotweinen verkannt. Das Anbaugebiet des Chianti, der im Wesentlichen aus der Sangiovese-Traube gekeltert wird, grenzt an Spitzenlagen in Montalcino und des Weines Chianti Classico. Doch deren Glamour ist für viele Chianti-Winzer Lichtjahre entfernt. Viele ihrer Weine verschwinden in Massenabfüllungen, die später für kleines Geld im Supermarktregal auftauchen. Und doch gibt es einige Edelsteine im Chianti: Kleine Winzer, die Ebenbürtiges aus ihren Weinbergen herausholen. Manchmal mag es abfärben, wenn man berühmte Nachbarn hat.

Kühles Rufina

Wenn Federico Giuntini die Stufen vor seiner Fattoria Selvapiana heruntergeht, bröckelt hier und da etwas Putz von der ockerfarbenen Fassade. Auch die Fensterläden sind ein bisschen angewittert, und auf dem Dach kriecht das Moos die alten Schindeln hoch. Ein Bilderbuch-Landgut im Norden des Chianti. Der Weg hinunter zur Straße führt steil bergab; das Flüsschen Sieve hat sich hier eine Schneise in die Landschaft gegraben. In der Region Rufina sind die Hügel deshalb steiler als im Rest des Chianti. Das heißt mehr Arbeit, aber die macht sich bei der Qualität bezahlt. Alle Weinberge liegen in südwestlicher Richtung, so bescheint die Sonne lange die Reben, bevor die Trauben in den feuchtkalten Nächten ihr feines Säurespiel weiterentwickeln.

Chianti Rufina ist anders

Aus dieser Kombination entstehen später komplexe Weine. Leder und Veilchen, Vanille und manchmal Teer duften aus dem Glas. „Nur weiß man eben nie, was einen erwartet“, grinst Federico, der sich immer wieder wundert, weil seine Chiantis „in jedem Jahr neue Noten zu Tage fördern“. Jung haben sie viele Gerbstoffe. Das ist Absicht, denn mit dem Alter wandeln sich die harten Kerle in emphatische Feingeister, weich und vielschichtig elegant. Typisch für Rufina, die kleinste Unterregion des Gebietes, aber nicht typisch Chianti.

Warmes Siena

Das könnte auch Stefano Borsa von Pacina für sich in Anspruch nehmen. Der Winzer residiert am südlichen Ende des Anbaugebietes. Er produziert seine Weine an den Hügeln um Siena, außerdem Oliven, Getreide, Früchte. Alles biologisch. Dazu gehören eine Zypressenallee, Steinbänke, die Moos angesetzt haben, und natürlich ein bezaubernd verwittertes toskanisches Gemäuer, das einmal ein Kloster war.

Chianti Colli Senesi hat einen guten Ruf

Hier, gleich in der Nachbarschaft von Brunello und Vino Nobile di Montepulciano, entstehen seine Chiantis, die mit mildem Tannin und flott-fruchtiger Finesse schon früh ungetrübten Trinkspaß bieten. Später verdichten sich die Gerbstoffe, und so mancher ältere Jahrgang könnte auch als kleiner Brunello durchgehen. Dafür genießen die Colli Senesi einen guten Ruf und sind so ganz anders als die Weine aus Rufina.

Mehr lesen im ebook zu Chianti und den Weinen Mittelitaliens