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Prosecco Superiore - Das passende Essen und der faire Preis

Was schmeckt zum Prosecco Superiore? Was sollten sie beim Einkauf bezahlen?

Er hat’s nicht leicht hierzulande, der Prosecco. Frisch und fruchtig soll er sein, ein unauffälliges Schluck-und weg-Gesöff vor dem Essen oder für den Mädelsabend. Und ach ja, - zu viel kosten darf er nicht. Wer Prosecco nur auf diese Weise kennen gelernt hat, dem entgeht enorm viel. Denn zwischen Aldi-DOC-Prosecco, no-name Produkten der Gastronomie und dem Prosecco Superiore DOCG liegen Welten.

Sicher, die typische Aromatik der Glera-Traube, die der Prosecco  immer zu mindestens 85% enthält, ist meist fruchtig-blumig mit Noten von weißem Pfirsich, Holunderblüte, Akazie und Birne. Als Aperitif macht er sich deshalb und auch dank seiner Fruchtsüße immer gut. Aber Prosecco kann so viel mehr. Denn ähnlich wie die höherwertigen, flaschenvergorenen Perlweine wie Champagner oder Franciacorta, könnte auch der Prosecco Superiore eine ganze Menüfolge begleiten.
Generell sind für die Wahl zum Essen die unterschiedlichen Stile zu beachten: Prosecchi aus Valdobbiadene sind häufig mineralisch, klar, schlank und griffig. Das macht der Tonschieferboden, auf dem die Reben dort wachsen. Diese Tropfen passen zu Krustentieren, Seefisch oder Sushi. Die Weine aus Conegliano wirken dagegen massiger, cremig und mit Schmelz - sie können ideal zu Risotto oder Polenta gereicht werden. Die kräftigsten unter ihnen bringen sogar erdige Nuancen mit und passen zu Pilzgerichten und Eßkastanien. Das kleine Anbaugebiet Cartizze hat die Spitze der Qualitätspyramide inne und wird meist "dry" ausgebaut, so dass er zu süßen Desserts, Käse und manchmal auch zu fruchtig- scharfen Currygerichten eine hervorragende Figur macht. Die Rive-Prosecchi, die aus steilen Einzellagen stammen, sind oft die beeindruckendsten Weine. Sie können äußerst vielschichtig, komplex und langanhaltend sein. 43 solcher Einzellagen gibt es, die Einheimischen erschmecken in den Weinen einzigartige mikroklimatische Eigenheiten.

Manch ein Skeptiker mag anmerken, dass ein Prosecco Superiore ja lange kein Barolo oder Brunello ist, bei dem Vielschichtigkeit und Lagerfähigkeit ganz andere Möglichkeiten bietet. So kann man argumentieren, doch schließt das eine ja das andere nicht aus und wir von Weinwelten möchten die Tür öffnen für eine lustvolle und spielerischeAuseinandersetzung mit dem Thema Essen und Wein, was auch für die Gruppe an Someliers beim Besuch im Juni 2014 neue Horizonte beim Thema Prosecco Superiore erschlossen hat. Wer mag schon jeden Tag schweren Rotwein zum Bistecca oder Schmorbraten genießen?

Unsere Favoriten in der Wein-Speisenkombi zum Prosecco Supiore

1) Der Prosecco Fagher Brut von Le Colture, harmoniert wie es Alberto Ruggeri ausdrückt ("profumi più ricchi di sentori di agrumi e vegetale fresco e spesso con una piacevole nota di pane, unita ad una bella e viva energia gustativa") wunderbar mit warmen, gebackenen Gerichten aus dem Ofen, etwa einer lauwarmen Spargelquiche oder gebackenem Ziegenkäse im Brotmantel.
2) Bortolotti hat vier hervorragende Lagenprosecchi im Sortiment - drei davon als Rive klassifiziert - die allesamt grandiose Essensbegleiter sind. Mineralik, Griff und Gelbfruchtigkeit beim Montagnole Rive 2012, bei nur 4,5g Zucker/l: Ein toller Begleiter zu salzigen Vorspeisen, wie Austern oder Sashimi vom Salzwasserfisch.
3) Ebenso grandios, wenn auch völlig anders in der Aromatik, ist der Bandarossa 2013 von Bortolomiol. Er zeigt tropische Noten nach Litschi und Mango und ist vielfältig einsetzbar: Zum Risotto mit Holunderblütenschaum und Mispeln, als Wein zu einem frischen exotischen Prédessert, wie Litschisorbet mit rosa Pfeffer oder zu einem Käsegang: Grano Padano mit Mangochutney.
4) Der Cartizze 2013 von Bortolomiol hat eine wunderbar, weiche Textur und braucht im Gericht ebenfalls einen cremigen Part. Gut geht eine warme Mürbeteigtarte mit Vanillecreme und Aprikose oder eine klassische Crema catalana.
5) Zu herben Kräutergnocchi mit Tomatensugo und Basilikum gefällt der Col Credas 2013 von Adami. In seiner stoffigen, kraftvollen Art ist er das passende Gegengewicht zu den intensiven Aromen.
6) Gelungene Kombinationen ergeben sich mit den herausfordernden Rive 2013 von Nino Franco: Ungewöhnliche Aromen wie Erbse, Erdnuß und Rauch erinnerten sogar an Pouilly fumé. Hier darf auch beim Essen ruhig etwas gewagt werden: Topinamburpüree, Spinat mit Meerrettichschaum.
7) Der Favorit für Jenny Rossberg als Essensbegleiter ist der Vecchie Viti brut 2013 von Ruggeri: Ein straffer Körper, lebendige Säurestruktur, Eleganz - ein echter Hauptgangspezialist zu Steinbutt oder Wolfsbarsch in der Salzkruste mit Oliventapenade.
8) Und wer seine Gäste mal so richtig überraschen möchte, dem sei folgende Kombination empfohlen: Der unfiltrierte Prosecco aus 100% Glera von Valdellövo gemeinsam mit dem wohl bayerischsten aller Gerichte - nach dem Schweinsbraten: Weißwurst mit Brezeln und süßem Senf.

Unser Fazit für die Auswahl der DOCG Prosecchi

Leichtere Gerichte und alle Arten von Fisch und Meeresfrüchten lassen sich gut mit einem Prosecco aus Valdobbiadene kombinieren. Ist das Essen kräftiger, passt meist einer aus Conegliano. Je exotioscher und eigen im Geschmack das ist, was auf den Teller kommt, desto eher sollte man zu einem Cartizze und/oder einem Rive greifen.

Der Artikel ist das Ergebnis einer gemeinsamen Reise einiger Münchner Someliers der Spitzengastronomie mit Steffen Maus und Patrick Hemminger ins Prosecco-Superiore-Gebiet im Juni 2014. Einen herzlichen Dank an Jenny Rossberg für die Zusammenstellung der durch fleissiges Essen und Trinken erarbeiteten Ergebnisse.
Autor Patrick Hemminger, Sept 2014

Weitere empfehlenswerte Prosecchi

Prosecco Superiore - Der faire Preis!

Solche Weine findet man jedoch nie beim Discounter und selten im einfachen Restaurant. Ein guter Fachhändler verkauft den Prosecco Superiore für 8 bis 12 €. Meist als Spumante, obwohl der Frizzante preiswerter ist, weil darauf nicht der obligatorische Euro Sektsteuer anfällt. Prosecco ist ein Frischeprodukt und sollte in der Regel jung getrunken werden, einige, sehr strukturierte Ausnahmen von Bortolotti, Nino Franco oder Adami zeigen, dass Sie auch mit 3 Jahren noch Freude machen, doch muss das nach unserer Meinung nicht ausprobiert werden.

Das sagt der erfahrene Weinhändler Rene Sorrentino zum Conegliano-Valdobbiadene: "Die Preise sind sehr uneinheitlich. Frizzanti aus der DOC-Appellation werden im Supermarkt häufig eingesetzt, weil dort ein Preiskampf tobt. Diese Spirale führt folgerichtig dazu, dass in den Regalen Getränke stehen, die auf leicht prickelnde Frische reduziert sind. Preise um 3 € sind Usus. Seltener in Supermärkten zu finden, sind gut gemachte Frizzanti und Spumanti aus dem DOCG-Kerngebiet, die für mehr als 5 € verkauft werden müssten. Von Spumante (höherer Kohlensäuredruck) wird oft schon wegen der in Deutschland fälligen Schaumweinsteuer abgesehen.
Ein guter Fachhändler hingegen wird stets mehrere Qualitäten bereit halten: Also vom Frizzante in seinem Preiseinstiegsbereich („klassischer“ Verkaufspreis 4,95 €) bis hin zum Valdobbiadene Spumante zwischen 8 und 12 €. Im Fachhandel finden sich auch unzählige „handwerkliche“, sehr ordentlich gemachte Prosecchi jeglicher Spielart. Der Prosecco ist seit vielen Jahren in sämtlichen Qualitätsstufen vertreten. Und er ist sehr beliebt und deshalb nach wie vor unmöglich aus der Gastronomie wegzudenken."