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Reise in die Adriaregion Marken - Willkommen im Schlaraffenland.

Rozsika Farkas hat die mittelitalienische Region bereist und ist beeindruckt von der Qualität des Essens und der lokalen Weine.

Weintags: Vernaccia di Serrapetrona, Bianchello del Metauro, Maceratina, Incrocio Bruni, Verdicchio
Winzer: Fontezoppa, La Ripe/Lucarelli, Santa Barbara, Belisario
Essenstags: Ciabuscolo, Vincisgrassi, Cavatelli, Coniglio in porchetta

Weitläufige Sandstrände und grüne Berglandschaften, sympathische Menschen und prima Essen, dazu ausgezeichnete Weine – die Marken sind eine Reise wert. In der Nordhälfte, den Provinzen Pesaro, Ancona und Macerata, dominieren die Weißen. Verdicchio ist der bekannteste, aber nicht der einzige, den zu probieren lohnt.

Wurst und Wein, das lieben die Menschen der Marken

Von wegen Mittelmeerdiät. Mit mehr als hundertsiebzig Küstenkilometern sind die Marken eine Mittelmeerregion par excellence – die kulinarischen Vorlieben der Marchigianer sind aber offenbar eher vom Landesinneren geprägt. Sie sind leidenschaftliche Wurst- und Fleischesser und leben trotzdem noch ein wenig länger als der Landesdurchschnitt,  dabei hat Italien ohnehin schon eine der höchsten Lebenserwartungen weltweit. Geradezu kurios ist die Altersverteilung im Dörfchen Serrapetrona in der Provinz Macerata: Von den weniger als tausend Einwohnern haben dreißig bereits ihren Hundertsten gefeiert. Und was essen sie besonders gern? Ca'uscolo oder Ciabuscolo, eine Salami, die so fett ist, dass man sie wie Mett aufs Brot schmieren kann. Kongeniales Getränk dazu: gut gekühlter Spumante aus Vernaccia di Serrapetrona, ein roter Schäumer aus der autochthonen Rebsorte Vernaccia Nera. Damit lässt sich nicht erst auf den Hundertsten gut anstoßen.

Eine weitere kulinarische Spezialität der Marken ist Vincisgrassi, eine Lasagne, bei der man aufs Wesentliche setzt und die Béchamel-(Becher-Mehl)-Sauce, einfach weglässt: Teigblätter, Ragù, Käse – basta così. Die genießen wir in Civitanova, im Restaurant der Cantine Fontezoppa, zusammen mit dem strohgelben, pfirsichduftenden weißen Ribona aus der ebenfalls nur auf kleinen Flächen in den Marken angebauten Rebsorte Maceratina. Zur Vorspeise, Cavatelli mit Artischocken, schmeckt köstlich der zart nach wildem Fenchel duftende Incrocio Bruni, eine neunzig Jahre alte Kreuzung aus Verdicchio und Sauvignon Blanc. Es gibt nur eine Handvoll Winzer, die diesen Wein anbauen, Fontezoppa ist das einzige Weingut, das ihn exportiert.

Verdicchio ist der bekannteste Wein der Marken

Mögen auch in der Nordhälfte der Verdicchio und weiter im Süden der Rosso Conero die beiden Brot- und Butter-Weine der Marken sein, beschränkt sich das Weinangebot doch keineswegs auf diese international bekannten Sorten. Es scheint, als hätten die Winzer der Marken ein ganz besonderes Faible für kaum bekannte Rebspezialitäten. Wir besuchen Roberto Lucarelli, der in Cartoceto in der Provinz Pesaro Öl und Wein kultiviert – natürlich in Bioqualität, wie fast alle Winzer, die wir treffen. Selbstverständlich hat er – ausgezeichneten – Verdicchio im Sortiment, aber eben auch Bianchello del Metauro, eine der ältesten italienischen Rebsorten, die nur hier heimisch ist. Lucarelli erzählt sogar von einer Rebe, die erst vor wenigen Jahren in einer abgelegenen Lage wiederentdeckt wurde und zart nach Gewürznelken duften soll. Wie der schmecken wird, weiß Lucarelli selbst noch nicht: Zusammen mit einem Freund hat ein paar Stöcke gesetzt, im kommenden Herbst soll es den Jungfernwein aus der ersten Lese geben.

Als Vater im Geiste, den er gern um Rat fragt, nennt Lucarelli Stefano Antonucci in Santa Barbara. Antonucci gilt als eine der Qualitätslokomotiven der Region, er wird auch gern Mr. Verdicchio genannt. Wir besuchen ihn in seinem finfundzwanzig Kilometer vom Meer entfernten Weingut Santa Barbara in der Provinz Ancona. Antonucci strahlt die Gelassenheit aus, die verdienter Erfolg verleiht. Er muss sich und anderen nichts mehr beweisen und hat die Verantwortung für die Weinbereitung und die Geschäfte weitgehend in die Hände zweier junger Brüder gelegt, Roberto  und Daniele Rotatori, der eine für den Keller, der andere fürs Marketing zuständig. Ganz der Wein des Chefs ist der „Verdicchio Castelli di Jesi Classico Superiore Stefano Antonucci“, ein makelloser, in sich stimmiger Verdicchio, bei dem sich die vielschichtigen fruchtigen und mineralischen Noten in vollkommener Balance befinden – besser geht's nicht. Den ungestümen Experimentierdrang des jungen Daniele verkörpert dagegen der „Back to Basics“, bei dem der Schriftzug auf dem Etikett sich optisch, ein wenig frech, an den berühmten Loire-Wein Coulée de Serrant anlehnt. Der Weißwein lag sieben Monate auf der Maische und bringt entsprechende Gerbstoffe mit, ist spontan vergoren, ungefiltert, ungeschönt. Ein Wein mit Ecken, Kanten und Tiefe, der ein bisschen nach Weihrauch duftet. Ganz der Patron wiederum ist der monumentale „Mossone“, ein reinsortiger Merlot mit Wucht und Finesse, Kraft und schmeichlerischer Eleganz, auf den Stefano Antonucci wirklich stolz sein darf.

Belisario ist eine erstklassige Genossenschaft 

Die Kooperative hat hundertfünfzig Mitglieder und hat ihren Sitz im Matelica-Tal, das anders als die übrigen Täler der Marken nicht zum Meer führt, sondern parallel dazu verläuft. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind hier größer als in der Gegend um Jesi, mit der Folge, dass der Weine hier spürbar mineralischer sind als der fruchtigere Verdicchio von dort. Die Kellerei erzeugt viele hochwertige Riservas und Lagenweine, ein Großteil davon in Bioqualität. Den in Zementtanks ausgebauten, ungeschönten, fein strukturierte Verdicchio „Cambrugiano“ von Belisario trinken wir in einem Gasthof inmitten von Weinbergen zum vielleicht marchigianischsten aller Gerichte: Coniglio in Porchetta, Kaninchen in Schweinerollbraten also, das innen nochmal eine Füllung aus gemischtem Hack enthält – gewissermaßen die Quadratur des Fleischs.

Weitere Weintipps und Reisetipps hat Steffen Maus für Sie zusammengestellt.

Foto oben: Salami der Marken, Foto unten: Abendstimmung in den Hügeln des Verdicchio, by Rozsika Farkas