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Der Sommelierkurs Italienischer Wein 

Lektion 4 - Franciacorta und Lambrusco im Nordwesten

4.1 Ligurien und Aostatal

Die Grenzgebiete zum Piemont, das bergige Aostatal und das meernahe Ligurien nehmen im italienischen Weinkontext einen winzigen Raum ein und können daher kurz eingeschenkt werden. Vermentino ist die weiße Rebsorte in Ligurien, die mit diesem Gebiet assoziiert wird. Das sehr hoch gelegene Aostatal ist hinsichtlich der Sorten vom Piemont und dem Schweizer Weinbau eingefärbt, es ist eben ein klassischer Bergweinbau bis auf 1.300 m Höhe.

KLICK zum Artikel Wein in Ligurien und dem Aostatal.

4.2 Die Lombardei

Facettenreich und recht unterschiedlich sind die Weinregionen der Lombardei mit ihrer Hauptstadt Mailand. Der Bogen spannt sich vom Alltagswein für die Mailänder Restaurants über eine heroische Rotweinherkunft bis hin zum angesagtesten „Champagner“ Italiens.

4.2.1 Franciacorta (Sekt)

Die besten Sekte Italiens nennen sich nicht Spumante, sondern Franciacorta. Dieser Begriff steht für den Sekt, der in Flaschengärung erzeugt wird, ebenso wie für das Gebiet südlich des Iseo-Sees. Die Autobahn A4 von Mailand nach Verona bildet die südliche Grenze; Brescia ist die nahe gelegene Stadt. In den Siebzigern erst begannen Ca del Bosco, Guido Berlucchi, Fratelli Berlucchi und Bellavista mit der Erzeugung von Sekten. Heute ist die Franciacorta mit mehr als 150 Winzern und rund 2.500 ha Anbaufläche eine etablierte Realität im Spitzenweinsegment Italiens, die rund 17 Mill. Flaschen pro Jahr hervorbringt. Nicht nur die Preise, die zwischen 15 € und 80 € EVP liegen, dokumentieren den deutlichen Unterschied zum Prosecco des Veneto. 

Rebsorten - Chardonnay und Pinot Noir und optional ein wenig Pinot Bianco, das sind die zugelassenen Rebsorten des Franciacorta, der mindestens 18 Monate, meist 24 Monate oder mehr, auf der Hefe verbringt, bevor er degorgiert wird. Damit liegt die Reifezeit in der Regel über der eines Champagners mit 15 Monaten. Anders als vor 15 Jahren, als der Trend zum hoch dosierten Brut ging, setzen derzeit eine wachsende Zahl von Winzern auf hochwertigeren Varianten Extra Brut und Dosage Zerò mit Jahrgangsbezeichnung. Dieser Millesimato muss mindestens 30 Monate auf der Hefe liegen, eine Riserva 60 Monate. Der populäreste Franciacorta ist mit rund 60% Anteil der Brut als Einstiegsversion, gefolgt vom Franciacorta Satèn. Dieser Franciacorta wird mit ca. 1 bar Druck weniger (ca. 4 bar) auf die Flasche gefüllt, was die Perlen weicher erscheinen lässt. Er muss aus 100% Chardonnay erzeugt werden und mind. 24 Monate in der Flasche reifen.

KLICK zum ausführlichen Spezial Franciacorta mit Detailkarte.

4.2.2 Weitere Weine aus der Lombardei

Lugana ist der erfolgreichste Weißwein der letzten 10 Jahre. Seine Winzer am südlichen Gardaseeufer sind sehr gute Unternehmer und auch gute Weinbauern. Sie setzen auf den Charakter der Sorte Trebbiano di Lugana/Turbiana, die im Terroir Lugana substanzreiche und auch alterungsfähige Weine hervorbringen kann. Die große Nachfrage und die realtiv kleine Menge sorgen jedoch dafür, dass die Weine schnell ausgetrunken sind.

Im kühlen, von Bergen umgebenen Valtellina-Tal wird nicht nur der Bresaola-Schinken erzeugt, sondern auch ein Rotwein aus der Rebsorte Nebbiolo, der in den Spitzenlagen am Berg als Sforzato di Valtellina aus teilgetrockneten Trauben gekeltert wird. Es gibt allerdings nur wenige Winzer, wie Nino Negri und einigen anderen, die diesen heroischen Weinbau noch betreiben. 

Anders dagegen sieht es im großen Oltrepo Pavese aus. Südlich von Mailand gelegen, stillt diese große Anbaugebiet den Durst der Mailänder mit Alltagsweinen. Es gibt viele Rebsorten dort, unter anderem Babera, Bonarda und Pinot Noir. In der jüngsten Vergangenheit können sich ein Dutzend Erzeuger, wie z. B. Conte Vistarino, mit ihren Sekten auf Pinot Noir-Basis profilieren. Die wertige Alternative zum Prosecco findet in Deutschland jedoch wenig Beachtung.

KLICK zum Artikel Wein in der Lombardei.

4.3 Die Emilia-Romagna

In der Emilia-Romagna wird geschlemmt, italienischer als anderswo. Und zu den kräftigen Speisen passen auch die Weine, das wusste schon Pavarotti, der wie Maserati und Ferrari ein Aushängeschild von Modena ist. In der Emilia zwischen Modena und Reggio Emilia wird der Lambrusco frizzante gereicht. Östlich von Bologna dagegen der Sangiovese di Romagna. Da gibt es auch bei den Weinen eine klare Trennung in die beiden politischen Teilregionen, die irgendwann einmal zwangsvereinigt wurden.

4.3.1 Lambrusco

Das Gros an Lambrusco ist süß und fruchtig und wird exportiert oder direkt in Italien getrunken. Nur eine kleine Menge dagegen, die in der Gegend von Modena erzeugt wird, ist von gehobener Qualität und trocken. In dieser Spielart geben die Klone Sorbara bzw. Grasparossa di Castelvetro sehr unterschiedliche und deshalb sehr spannende Frizzante-Versionen ab. Einmal säurereich und hellrotfarben und das andere Mal tiefschwarz und gerbstoffreich. Das Interesse in Deutschland wächst langsam aber stetig, obwohl das Image für Lambrusco nach wie vor eher negativ ist.

KLICK zum Spezial Lambrusco di Modena mit Sorbara und Grasparossa.

4.3.2 Weitere Weine der Emilia-Romagna

Wenig Bedeutung besitzen die Rot- und Weissweine der Colli Piacentini oder Collli di Parma, wo nur vereinzelt Spitzenwinzer zu finden sind. In den Hügeln von Bologna erlebt der Pignoletto als weißer Frizzante derzeit einen glücklichen Moment wachsender, regionaler Nachfrage. Rund ein Dutzend Winzer bemühen sich um Anerkennung. 

In kleiner Menge wird in der Romagna der Albana-Weißwein, in großer, ja riesiger Menge der Sangiovese di Romagna erzeugt. Beide Weine sind in Deutschland eher wenig gefragt. In Italien dagegen landet der Sangiovese und der Trebbiano di Romagna als populärer Tütenwein oft im Supermarkt. Doch es gibt auch ein Dutzend guter Erzeuger, die sich im Convito di Romagna bzw. im Konsortium der Weine des Sangiovese di Romagna zusammengschlossen haben und beweisen, dass der Rotwein aus den Hügeln der Romagna (südlich von Forli, Faenza) durchaus auch für Klasse stehen kann. Zur Landkarte und mehr Worten zur liebenswürdigen Emilia-Romagna und den Weingut-Tipps für den Sangiovese.

BEDEUTUNG REBFLÄCHEN: Romagna 5.400 ha - Reggiano (viel Lambrusco) 1.400 ha - Lambrusco Sorbara 1.200 ha - Lambrusco Grasparossa 1.200 ha - Romagna Albana 360 ha.

4.4 Kurze Zusammenfassung Lektion 3 und 4

Die Rotweine Barolo, Barbaresco und Barbera aus der Nähe von Alba und Asti sind wichtig fürs Piemont und ganz Nordwestitalien. Mengenmäßig zählt der süße und preiswerte Asti Spumante zu den gefragten Produkten, ein perfekter Einstiegswein. Auf die Gunst der Champagnertrinker zielt dagegen die erst 50 Jahre junge Sektregion Franciacorta in der Lombardei. Große Marken, wie Ca del Bosco oder Bellavista, nahe Mailand sind die Tonangeber. Weitere Perlen gibt es aus der Nachbarregion Emilia-Romagna, den von dort kommt der meist süße Lambrusco, den man jedoch durchaus auch in seinen Spielarten als Sorbara oder Grasparossa trocken genießen kann.

KLICK zu den Landkarten mit den Anbaugebieten, den zentralen Städten, Autobahnen, Bergen und Flüsse, die als Bezugspunkte dienen.