FOTO: Unimogfahren in den Hohlwegen des Kaiserstuhls im intensiven Farbenspiel. Ehemalige Propstei am Kaiserstuhl in Kiechlinsbergen.

Dass der Grauburgunder am Kaiserstuhl vortrefflich gedeiht und wunderbar frische Weine hervorbringt, ist längst eine Binsenweisheit. Die Bedingungen für diese Sorte sind hier nahezu ideal. Denn der Grauburgunder wächst gerne auf Lößterrassen, Kalkböden und steinigem Untergrund und er bevorzugt mittlere bis hohe Lagen.
Hinzu muss natürlich die gute Arbeit des Winzers kommen. Er sollte kleinbeerige statt großbeerige Sorten auswählen, auf niedrige Erträge setzen, mit der Natur statt gegen sie arbeiten. Wichtig ist auch ein präzise gewählter Lesezeitpunkt, sorgfältige Handlese, spontane Vergärung im Edelstahltank, Verzicht auf die üblichen Manipulationen und langes Hefelager im großen Holzfass. Übrigens: Die Maischegärung beim Grauburgunder erkennt man bei genauem Hinsehen an der Farbe des Weines. Das Farbbild reicht von blassgelb, goldgelb bis bernsteinfarben.
Die Rebsorte heißt nicht umsonst Grauburgunder, weil ihre Beeren nicht gelb oder grün sind, wenn sie ausgereift sind, sondern eine dezente Blautönung aufweisen. Will man ein Fazit ziehen, was denn einen guten Grauburgunder ausmacht, so sind dies Frucht, Schmelz und Kraft. Was die Aromen betrifft, so finden sich im Grauburgunder grüne Nüsse, Mandeln, frische Butter, Birne, Trockenobst und Rosinen, Ananas und Zitrusfrüchte, grüne Bohnen oder Paprikaschoten.
Früher galt der Grauburgunder als betulich, grobschlächtig, breit und war nicht sonderlich angesehen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Sorte ist in der Gunst der Winzer und vor allem der Konsumenten gestiegen. Seitdem viele deutsche Winzer immer mehr Wert auf Aromen legen, ist eine beeindruckende Grauburgunder-Generation entstanden: Die Grauburgunder der neuen Art Weine sind elegant und kräftig zugleich. Und so ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr junge Weintrinker, die schlanken, trockenen Weine in die engere Wahl ziehen.

Grauburgunder in Deutschland

Grauburgunder hat besonders in Baden eine große Tradition, aber auch in der Pfalz und sogar an der Nahe finden sich eindrucksvolle deutsche Grauburgunder. Zusammen mit Spätburgunder, Frühburgunder, Chardonnay, Weißburgunder und dem Auxerrois (gelber Burgunder) gehört der Grauburgunder zu einer Rebfamilie. In früheren Jahren war unter den weißen Burgundersorten der Grauburgunder stets der rustikalste Wein. Spätestens seitdem gehaltvolle Grauburgunder aus guten Jahrgängen in Deutschland im Barrique landen, hat sich einiges geändert. Auch die Machart ist anders geworden. Viele Winzer legen heute Wert auf größere Eleganz, schlanke Säurestrukturen, delikate Aromen. Vielleicht noch ein Tipp: Die wirklich guten bis sehr guten Grauburgunder entfalten sich noch besser, wenn man sie kalt in eine Karaffe dekantiert.
Grauburgunder finden sich in ganz Baden und darüber hinaus in ganz Deutschland. Es ist auch eine der wenigen Weißweinsorten, die im Anbau zulegt (derzeit 5.800 Hektar). In Baden sind es etwa 1.800 ha (mehr als 10 % der Anbaufläche). In der Pfalz und Rheinhessen jeweils rund 1.200 ha und an der Nahe 200 ha. Früher als Ruländer meist füllig und süß ausgebaut und heute nicht mehr gefragt, hat die Namens- und Stiländerung viel bewirkt, ja einen regelrechten Boom ausgelöst. Noch immer kommen die meisten Spitzenweine vom Kaiserstuhl. Aber auch Winzer in anderen Regionen können bezüglich Qualität auftrumpfen. Rheinhessen, die Pfalz, Württemberg, das Markgräflerland, Franken und die Nahe seien hier genannt.

Herbert Heils Favoriten außerhalb von Baden

Grauburgunder von Format erzeugen rheinhessischen Weingüter von Stefan Winter (Dittelsheim-Heßloch), Axel Gysler (Alzey-Weinheim) und Jochen Dreissigacker (Bechtheim). Und das zu erstaunlich kundenfreundlichen Preisen, sprich unter 10 Euro. Zum Abschluss meine bescheidene, unvollständige Liste mit einigen der besten deutschen Grauburgunder Grand Crus:
Grauburgunder „S“ (Weingut Franz Keller)
Grauburgunder „GG“ Oberklamm (WG Seeger)
Grauburgunder „GG“ Am Bühl (WG Andreas Laible)
Grauburgunder „Barrique“ (WG Knipser)
Grauburgunder „GG“ Henkenberg  (WG Salwey)
Grauburgunder „S“ (WG Klaus Keller)
Grauburgunder „Teufelspfad“ (WG Braunewell)
Grauburgunder „Stettener Pulvermächer“ (WG Beurer)
Grauburgunder „GG“ Achkarrer Schlossberg (WG Dr. Heger)

Wein, Baden, ehemalige Propstei am Kaiserstuhl in Kiechlingsbergen.
Wein, Baden, ehemalige Propstei am Kaiserstuhl in Kiechlingsbergen.