Beim diesjährigen Vernatsch-Cup standen alte Bekannte und einige neue Gesichter auf dem Siegertreppchen. Die Veranstalter ordneten die Weine dieses Mal nicht nach den Anbaugebieten, sondern prämierten die Weine in der Kategorie Tradition, die dem 2017er Jahrgangswein vorbehalten war und der Kategorie „Der andere Vernatsch“ für Weine aus älteren Jahrgängen. In der ersten Kategorie siegten fast ausnahmslos fruchtbetonte Weine mit einem moderatem Gerbstoffgerüst. Diese Entscheidung bei der Weinbereitung für weniger Extraktion war sicher auch dem heißen Jahrgang geschuldet. Gewonnen haben Klassiker wie der Leuchtenberg der Kellerei Kaltern, der Schickenburg der Kellerei Meran und auch Christian Plattner mit seinem St. Magdalener Classico Ansitz Waldgries war erneut dabei. Das Weingut Elena Walch gewann zum ersten Mal mit dem wohl kräftigsten Kalterer See „Per Se“. Daneben glänzten der Vigna Haselhof der Kellerei Brigl, ein anerkannter Vernatsch-Betrieb, und der Hexenbichler der Kellerei Tramin, der jedoch etwas Lagrein und Blauburgunder zur Abrundung enthält. Erfreulich ist die Tatsache, dass mit dem Fliederhof und dem Kandlerhof von Martin Spornberger sich zwei St. Magdalener bei den Gewinnern einreihten, die eher für Vernatsch-Trinkigkeit als für gerbstoffextrahierte bzw. Lagrein-induzierte Kraft stehen. 

Beim Vernatsch 2016, dem besten Jahrgang der letzten Jahre für den Vernatsch, gewann der Antheos von Ansitz Waldgries - die wohl süßeste Verführung in puncto Vernatsch - weich, füllig, neues Holz, Brombeerfrucht - ein sehr gut gekleideter Edelmann. Und es gewann zum ersten Mal meines Wissens der Vernatsch Passion von der Kellerei St. Pauls, bei dem man aufgrund seiner Fruchtdefinition keinen Zweifel hat, dass er von sehr alten Pergel-Reben mit hochwertigen Trauen stammt. Der Kellermeister ist nicht dem Versuch erlegen, dieses edlen Grundstoff durch zu lange Extraktion einzuengen, so dass dieser Vernatsch ein leuchtendes Beispiel für hochwertige, leichtfüßige, doch tiefgründige und bekömmliche Rotweine ist. 

Die neben dem Podest stehenden Weine erhalten in der Regel wenig Aufmerksamkeit, so ist das nun einmal bei einem Verkostungswettbewerb, dabei zeigt diese Kategorie "Der andere Vernatsch" in besonderem Maße, dass der Vernatsch einige Jahre reifen und sich wie ein Pinot Noir entwickeln kann. Einige Kellereien bringen ganz bewußt ihren Spitzenwein erst später auf den Markt, dazu gehören Weine wie der Vernatsch Gschleier der Kellerei Girlan oder der Kalterersee Vernacius Solemnis der Laimburg, der Palladium von K. Martini & Sohn und der St. Magdalener Moar der KG Bozen. Weitere Klassiker waren teilweise schon ausverkauft, als der Wettbewerb im Mai 2018 stattfand. Meistens gibt es von den Weinen nicht genug Menge, damit sie den 5 Jahrestest bestehen können. Trotz der allgemeinen skeptischen Haltung vieler Weintrinker und auch Kellermeister dem Vernatsch gegenüber, sind etliche Weine der kleinen Winzer des St.Magdalena-Hügels rasch ausverkauft.

Dass der kantige Josephus Mayr, einer der zahlreichen Weinbauern auf seinem Erbhof Unterganzner, neben seinem Lamarein auch drei spannende Vernatsch-Versionen produziert, das geht fast unter. Oder dass sein Nachbar Heinrich Mayr vom Nusserhof ebenfalls beim Thema Vernatsch ein gewichtiges Wort mitreden kann. Zugegeben verblassen auch rein farblich neben den Rotweinen Gloria vom Nusserhof oder Lamarein von Erbhof Unterganzner (oder Roblinus von Ansitz Waldgries, Taber von Bozen, Klosteranger von Muri-Gries) die eher burgundischen Vernatsch-Weine, gleichwertig sind sie dennoch allemal, wenn man nicht Birnen mit Äpfeln vergleicht. Näher dran in Farbe und manchmal auch dem Ausdruck ist der Vernatsch am Südtiroler Pinot Noir.

Pinot Noir verfügt über ein unverwechselbares Armonenprofil und feinere Gerbstoffe, und wir denken bei diesem Vergleich nicht an große Burgunder oder dekorierte Pfälzer oder Badische Spätburgunder. Denn es ist die Terroirkomponente Südtirol, welche die beiden Rebsorten Vernatsch und Blauburgunder gleichermaßen ihren Stempel aufdrücken vermag. Probieren und studieren sie dies anhand der Südtiroler Blauburgunder, wohlgemerkt in erster Linie der Basis- bzw. Höfe-Linien. Natürlich hinkt dann der Vergleich bei den Riserva-Weinen von Gottardi, Pfitscher, Stroblhof, Dona, Manincor, St. Valentin oder Trattmann, die lange im Holz ausgebaut werden. Ganz zu schweigen von den Flaggschiffen Ganger Pinot Noir von Girlan und Roccolo Pinot Noir von Hofstätter, die im Handel fast 200 € pro Flasche aufrufen.

Wer das Burgund liebt, der trinkt in der Regel die Burgunder, wer Südtiroler Rotweine liebt, das Land und die Menschen, der sollte dem viel geschmähten Vernatsch die verdiente Aufmerksamkeit schenken. Denn heute ist dieser Weinstil, den er verkörpert, bei vielen Weinliebhabern nun einmal angesagt, denn Barolo Riserva und Brunello Riserva, das sind Weine von gestern! Weinen wie dem Vernatsch kommt das sich stetig Richtung "leichter Küche" wandelnde Angebot in der heimischen Gastronomie zugute, und auch bei asiatischen und indischen Gerichten sammelt der süffige Wein seine Pluspunkte.

Als „Vernatsch des Jahres 2018“ in der Kategorie „Tradition“

Kalterersee Auslese Classico Superiore Per Se 2017 - Elena Walch

Kalterersee Classico Superiore Leuchtenberg 2017 -Kellerei Kaltern

Südtirol Meraner Graf Schickenburg 2017 - Kellerei Meran Burggräfler

Südtiroler Edelvernatsch Vigna Haselhof 2017 - Josef Brigl

Südtiroler Vernatsch Hexenbichler 2017 - Kellerei Tramin


Südtirol St.Magdalener classico 2017 - Fliederhof

Südtirol St.Magdalener classico 2017 – Kandlerhof, Martin Spornberger

Südtirol St.Magdalener classico 2017 - Ansitz Waldgries


In der Kategorie „Der Andere Vernatsch“

St.Magdalener klassisch Antheos 2016 - Ansitz Waldgries

Südtiroler Vernatsch Passion 2016 - Kellerei St. Pauls