Valpolicella besteht aus einer Vielzahl von Tälern, die sich fächerförmig zur Etsch hin öffnen und nicht nur mit reizvollen Landschaftseindrücken glänzen, sondern auch für archäologisch Interessierte viel zu bieten haben. Hier findet man eine Reihe sehr alter prähistorischer Orte, einige gehen bis auf das untere und mittlere Paläolithikum und damit die Altsteinzeit (60.000 bis 50.000 v. Chr.) zurück. Sogar Spuren unseres Vorfahren, der Homo sapiens, hat man hier entdeckt.

Etwa um 1000 nach Christi, während der romanischen Epoche, wurde das Gebiet rund um die Orte  Fumane, Mazzurega, Cavalo, Sant'Ambrogio, Gargagnago, Volargne, Ponton und Pescantina von den Arusnaten bewohnt. Ein Volk, über dessen Ursprünge nicht viel bekannt ist, die aber bereits im Weinbau tätig waren, was sich aufgrund der Funde von Gefäßen, Schalen, und Amphoren belegen lässt. Diese Utensilien waren für den täglichen Gebrauch bestimmt und enthielten nicht nur Öl, sondern auch Wein.

Viele Dörfer und Burgen sind im letzten Jahrtausend entstanden. Die erste Ortschaft war Castelrotto, damals Castrum Rotarii genannt. Ihr folgten Monteclo, San Giorgio, Fumane, Marano, Arbizzano, Negrar, Prun, San Vito, Novare, Capavo, Mazzano, Fane und Roselle.
Vor der Epoche Età comunale und der Modernen unterteilte sich die Region Valpolicella in die beiden unterschiedlichen Täler namens Provinianensis und Veriacus, die Mitte des 12. Jahrhunderts zu einem Bezirk vereint wurden. Hier begegnet man zum ersten Mal dem Ortsnamen Valpolicella, zu dessen Ursprung unterschiedliche Thesen existieren. So könnte er auf dem Namen “Val Polesèla” beruhen, der in einem Schriftstück von Barbarossa auftaucht. Laut dem Humanisten Guarino Veronese stammt Valpolicella von „Valle Policella“ ab, was so viel wie glücklich bedeutet. Asquini bezieht sich auf den Wein, indem er das griechische Wort „poli“ mit dem lateinischen „cantina“ verbindet. Eine weitere These nimmt schließlich den Begriff pullus (pollone) auf, um die Hügel aus Sand oder Kies an den Flüssen der Ebene zu beschreiben.

Im Jahr 1311 entwickelte sich das Valpolicella mit Federico della Scala zur Domäne, was aus politischer und strategischer Sicht aufgrund der Nähe zum Trentino sehr wichtig war. Nach dem Fall der Skaliger im Jahr 1387 wurde das Gebiet zum ersten Vikariat der Visconti ernannt, um dann bis Mitte des 17. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Serenissima Repubblica di Venezia zu stehen.
Dank der florierenden Weinproduktion seit dem 13. Jahrhundert entstanden in der Region die ersten
adligen Residenzen. Stätten, in denen sich Menschen aus Kunst und Kultur – Dichter, Humanisten und Literaten -  begegneten.
So wurde die Villa Serego-Alighieri in Gargagnago zwei Jahrhunderte lang von den Nachkommen des Dichterfürsten Dante bewohnt, der während seines Aufenthaltes in Verona die Villa als Ausgangspunkt für seine inspirierenden Wanderungen durch die Täler nutzte. Ein weiteres Beispiel aus jener Zeit ist die Villa Nichesola in Ponton mit den Fresken von Paolo Farinati oder die Villa Serego in Santa Sofia di Pedemonte, die Zeichen für die damalige Präsenz von Andrea Palladio ist. Die Villa della Torre in Fumane beeindruckt mit antropomorphen Geschichten in Form von Fratzenköpfen, die die Kamine schmücken. Und in den Räumen der Villa Del Bene in Volargne, ein wertvolles Zeugnis aus der Renaissance Venetiens, verewigten sich die illustren Künstlerpersönlichkeiten Domenico Brusasorzi, Gian Francesco, Domenico Caroto und Bernardino India. Außerdem gibt es die Villen Giona in Cengia di Negarine und Acquistapace in San Pietro in Cariano. Zu den erwähnenswerten Anwesen, die im 16. Jahrhundert errichtet wurden, gehört die Villa Saibante in San Pietro in Cariano mit den prächtigen Fresken des Künstlers Paolo Ligozzi, der vor allem in dieser Region aktiv war.

Die Ankunft Napoleons, die den Fall der Republik Venetien besiegelte, markierte den Beginn von zwanzig leidvollen und schwierigen Jahren für das Valpolicella, das Bezirk der Provinz Verona mit Hauptstadt San Pietro In Cariano wurde.
Trotz der politischen Unbeweglichkeit, der die Einheit Italiens folgte, wurden die wissenschaftlichen Arbeiten im önologischen Bereich und die Suche nach fruchtbarem Land fortgeführt. Mit der Geburt der Vereinigung  „Società enologica veronese“ im Jahr 1872 entstanden zahlreiche kleine Weinkeller - die so genannten „Cantine sociali“ – sowie einige Genossenschaften in Fumane und Sant’Ambrogio. Durch verbesserte Produktionsbedingungen stieg auch die Qualität der Weine, die zunehmend Ruhm einheimsten und in Dichterversen besungen wurden. So schrieb Vittorio Betteloni in einer Ode an den Wein (19. Jahrhundert) seine Gedanken über die Rebe und Weinlese nieder und Berto Barbarani, ein enthusiastischer Befürworter der veronesischen Weine, verfasste die Geheimnisse der Recioto-Produktion in Reime und empfahl ihn, da er ihn wie den kleinen Jesus als Kind betrachtete, als köstlichen Nektar zu Weihnachten ...