Kurz eingeschenkt (in wenigen Worten) - Die Toskana und Mittelitalien

Ein Wegweiser zu den Lieblingsweinen der Toskana & Marken, Abruzzen, Latium

Foto: Marktplatz des Ortes Montepulciano in der südlichen Toskana zur Dämmerung.

Auch wenn die Toskana auf eine uralte Weintradition zurück blickt und man seit dem 13. Jahrhundert vom Chianti spricht, im Grunde begann ihr Aufstieg erst in den 1970er Jahren. Damals brachte u.a. der Zustrom von gebildeten und meist auch wohlhabenden "Auswanderern" aus Norditalien und dem Ausland neue Impulse. Sie erwarben Weingüter, engagierten die besten Önologen, investierten in Weinberge und Keller und begannen ungeachtet verstaubter DOC-Regeln Weine von internationalem Format zu erzeugen.

Sangiovese und Merlot

Sie nutzten das Potenzial des hügeligen Chianti-Gebietes zwischen Florenz und Siena, wo der Chianti-Classico wächst, mit seinen Böden aus Kalkmergel und verwittertem Sandstein. Die Hauptrebsorte Sangiovese wurde auf Qualität getrimmt, daneben investierten etliche Winzer in die Sorten Merlot und den Cabernet Sauvignon. Die berühmten Supertuscans, Blends aus den genannten Sorten bzw. reinsortige Sangiovese-Weine entstanden und feierten Erfolge. Nach einer Rückbesinnung auf den Sangiovese in den Nuller Jahren mit angepassten Produktionsrichtlinien dominiert der würzige Sangiovese mit seinen feinen Tanninen nicht nur den Chianti Classico, sondern auch die meisten DOCGs der Toskana und prägt in eindeutiger Weise Italiens populärsten Qualitätswein.

In aller Munde - Brunello di Montalcino

Südlich von Siena wird der Sangiovese im berühmten Brunello di Montalcino eingesetzt, der zu einem hinreißend komplexen, würzigen Roten heranreifen kann. In den letzten 10 Jahren hat der Brunello zweifelsohne den Barolo im Rennen um den berühmtesten Rotwein (und begehrtesten) Rotwein in aller Welt abgehängt. Im nahen Montepulciano wird der Sangiovese wie beim Chianti DOCG mit anderen Sorten verschnitten, um den floralen und fruchtig-herben Vino Nobile zu ergeben. Und in der Maremma ist der Sangiovese, der hier Morellino heisst, als Bestandteil der Weine von Scansano gesetzt. Nur an der Küste erweckte der Kultwein Sassiscaia (und nachfolgend auch Ornellaia) das Interesse für die Schotterböden von Bolgheri, so dass von dort ein Dutzend große Rotweine aus den Bordeaux-Rebsorten entstehen.

Toskana und Weißwein?

Während nur wenige interessante Weißweine aus der Toskana stammen, macht die DOC San Gimignano mit ihrem eigenständigen Weißen aus Vernaccia eine Ausnahme. Eine Spezialität ist der aus getrockneten Trauben und durch lange Gärung gewonnene Dessertwein Vin Santo. In den letzten Jahren läuft der Vermentino, der entlang der ganzen Küste angebaut wird, dem historischen Vernaccia eindeutig den Rang ab. In der DOC Maremma ist es der erfolgreichste Wein überhaupt.

Weine aus Umbrien und den Marken

Umbrien ist für seinen Orvieto und Orvieto Classico bekannt, angenehm süffige Weißweine, die in erster Linie aus Trebbiano Toscano und Grechetto gekeltert werden. Nachdem Giorgio Lungarotti mit dem Torgiano auf das Rotwein-Potenzial Umbriens aufmerksam machte, hat sich nach substantiellen Investitionen ins Gebeit der Sagrantino di Montefalco und der Montefalco Rosso als voller, würziger Roter etabliert. In Latium, der Weinregion der eweigen Stadt Rom, der Heimat des ebenso bekannten wie meist simplen Frascati, überzeugen nur wenige Erzeuger mit ihren Weinen.   
Auf der Adriaseite zählen auch die Marken zu Mittelitalien. Während im Hinterland der beliebten Badeorte das kühlere Klima frische Weiße wie den Verdicchio dei Castelli Jesi fördert, reift der bekannteste Rote in vergleichsweise kleinen Mengen, der DOC Rosso Conero, aus den Kalksteinhügeln von Ancona. Grundlage ist die Sorte Montepulciano.

Montepulciano auch in den Abruzzen

Die Abruzzen mit ihrer Hauptstadt Pescara verlaufen weintechnisch entlang der Adria-Küste, von der die Hügel bis zum mächtigen Gran Sasso mit fast 3000 m Höhe aufsteigen. Reben stehen bis auf 600 Meter Höhe an den geschützten Hängen, aber finden sich auch in Küstennähe. Die simplen Weißen werden aus Trebbiano d’Abruzzo gemacht, die Roten aus Montepulciano d’Abruzzo. Im Gegensatz zum Weißwein hat der günstige vollmundige Rote mit den sanften Tanninen eine breite Anhängerschaft gewonnen. In der nach Süden sich anschließenden, kleinen Region Molise gibt es nur wenige Kellereien, die Montepulciano und Aglianico wie in den Nachbarrregionen benutzen. 

Zu den detaillierten Weinkarten von WEINWELTEN.