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Barbaresco im Piemont - Angelo Gaja - ein Mann, ein Dorf

Ein großer Rotwein - zu 100% aus der Rebsorte Nebbiolo

Zwei konträre Konzepte, eine Erfolgsgeschichte. Auf diesen kurzen Nenner könnte man die Geschichte des Barbaresco bringen. Das winzige Dorf, das den gleichnamigen Wein hervorbringt, beherbergt nämlich beides: Italiens berühmtesten Winzer sowie die wohl beste Winzergenossenschaft des Lande.

Barbaresco - ein weiblicher Wein?

Kann Wein weiblich sein? Oder männlich? Die Rede ist jetzt nicht von der Pflanze, der Rebe. Der hat man das Geschlechtsleben ja bereits energisch ausgetrieben. Im Weinberg darf sich nicht einfach hemmungslos vermehrt werden, wo kämen wir denn da hin! Ganz züchtig, ausschließlich durch Ableger, darf Wein sich fortpflanzen, ohne Spaß am Sex, denn nur so ist garantiert, dass die Jungpflanzen von derselben Beschaffenheit sind wie die Mutterpflanzen. Wenn von maskulinem oder femininem Wein die Rede ist, geht es um das fertige Getränk. Gern wird unterstellt, dass „die Frau an sich“ es zart und elegant liebt. Ein femininer Wein wäre also ein feiner, eleganter Wein, das Gegenteil von einem wuchtigen, kantigen, womöglich mit harschen Gerbstoffen durchsetzten Tropfen. Die Frage nach der Zuordnung zu einem Geschlecht ist im Fall des Barbaresco insofern von Bedeutung, als er stets in Bezug auf den aus derselben Rebsorte gekelterten Barolo definiert und dabei immer als der elegantere, zartere, eben der femininere der beiden beschrieben wird. Wer daraus schließen wollte, dass der Barbaresco ein Leichtgewicht ist, läge allerdings gründlich daneben.

Ein Rotwein fürs Wein-Abitur

Italien ist einer der weltgrößten Weinexporteure. Logisch, dass die weltumspannende Beliebtheit des italienischen Weins nur möglich ist, weil die meisten seiner Vertreter leicht zu trinken sind. Valpolicella, Pinot Grigio oder Soave bieten unkomplizierten Genuss, dafür braucht es kein Wein-Abitur. Aus dem gewaltigen italienischen Wein-Ozean ragen allerdings die drei großen B heraus wie schroffe Felsklippen: Barolo, Barbaresco und Brunello sind die drei steinernen Monumente, die eben nicht den leichten Trinkgenuss bieten, sondern im Wortsinne anspruchsvoll sind: Sie beanspruchen den Weintrinker, wollen ergründet und verstanden werden.

Nachbarn im Geiste und im Herzen

Zwei von ihnen entstehen im Piemont; die beiden Orte, nach denen sie benannt sind, Barolo und Barbaresco, liegen kaum 20 Kilometer Luftlinie auseinander. Südwestlich der Provinzhaupstadt Alba die Ortschaft Barolo, im Nordosten Albas und in nächster Nähe zum Fluss Tanaro das 700-Seelen-Dorf Barbaresco, der Wortherkunft nach das Barbaren-Dorf. Der Barbaresco ist also einer dieser drei mächtigen Weine. Insofern ist die Sache mit der femininen Zartheit doch äußerst relativ. Barbaresco kann nicht ohne Verweis auf Barolo erklärt werden. Der ist und bleibt die Referenzgröße, weil er die längere Tradition, das größere Anbaugebiet, die höheren Lagen, die strengeren Regeln hat. Beide, Barolo wie Barbaresco, werden aus Nebbiolo-Trauben gekeltert. Die Traube reift spät, wird oft erst im Oktober gelesen, wenn la nebbia, der Nebel, in den Weinbergen hängt. Beide müssen, um unter den Ortsnamen vermarktet zu werden, zu 100 Prozent aus Nebbiolo gewonnen sein.

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