Fotoblog Kampanien - Keller von Feudi
Amalfi im Mondschein − ein bezaubernder Anblick. Lange Zeit lag die Metropole der ersten der vier italienischen Seerepubliken, die auch der ganzen Küstenregion ihren Namen gab, abgeschnitten und vergessen von der Welt. Erst der Ausbau der 'Amalfitana', einer Traumstraße zwischen Himmel und Meer, beendete 1857 die Isolation. Nun kamen Dichter und Denker, Maler und Sommerfrischler zu Hauf.
Steillage: hoch über dem Meeresspiegel wachsen diese Reben der Amalfiküste; sowohl die weiße Falanghia-Traube als auch der Piedirosso (wörtlich: Rotfuß) gedeihen hier. Ob der Winzer Zeit hat, bei der Arbeit im Weinberg den Ausblick zu genießen?
Fast schon wieder schön: die kitschige Küsten-Ansicht an der Bar passt wunderbar zu den Farben der Porzellanbarke und des mit Zitronen und bemalten Übertopfs für die Yuccapalme. So stellte man sich in den Siebzigern wohl Mittelmeerglück vor.
Fiano und Greco werden meist im Stahltank ausgebaut, dennoch schmecken sie so kräftig, dass der Verdacht aufkommt, dass die Holzgerbstoffe für die Fülle sorgen könnten. Doch weit gefehlt.
Logenplatz: wer vor dieser traditionsreichen Konditorei in Amalfi einen Stuhl ergattert, sitzt quasi in der ersten Reihe bei allen Szenarien, die sich auf der Piazza del Duomo abspielen. Egal ob beim Morgenkaffee, zum Mittagessen oder beim Dinner mit einem Glas Wein...
Tuffstein trifft Stahltank – nicht nur beim Weingut Di Marzo wird der Greco noch in den für die kleine Weinregion Tufo typischen, tiefen historischen Kellern produziert. Doch er gehört zu den ältesten und atmosphärischsten seiner Art – seit 1827 wird hier Wein erzeugt. Die romantischen Gewölbe reichen übrigens bis zu vier Etagen in die Tiefe – und zwar mitten im Ort.
Clelia Romano hat sich ganz dem Fiano verschrieben – eine Winzerin mit Charisma, großartigen Weinen und Bodenhaftung. Die Reben ihrer Weinguts Colli di Lapio stehen um den gleichnamigen Ort nordöstlich von Avellino und für ihre Produkte aus denselben heimste die Signora schon hohes Kritikerlob ein.
Keller(aus)blick: Nur wer etwas länger und genauer hinschaut, entdeckt am Ende dieses Fassgewölbes in Montefuso die Wandmalerei, mit der einer der Winzer des Greco di Tufo-Anbaugebiets sich und seinen Besucher ein Stück dieser kampanischen Landschaft vor Augen führt. Eine gekonnte Illusion!
Zwei Generationen Di Marzo – Vater und Tochter, die aus Mailand zurückgekehrt ist, um den traditionsreichen Betrieb vor dem Verfall zu retten. Er gilt als er erste, in dem überhaupt ein Greco di Tufo gekeltert wurde; gegründet wurde er bereits 1647. Im 18. Jahrhundert stellte sich heraus, dass unter den Di Marzo-Ländereien Schwefelvorkommen liegen; seither betreibt die Familie auch eine Mine.
Dramatisch wie ein Feuerschein senkt sich das Abendrot über den 3000-Seelen-Ort Barile an den Ausläufern des erloschenen Vulkans Monte Vulture. Bereits im Mittelalter Barrelium gegründet, siedelten im Mittelalter hier Christen aus dem Balkan, die vor den Türken geflohen waren. So wuchs der Ort zur größten albanischen Gemeinde im Vulture-Gebiet. 1930 wurde er von einem Erdbeben weitgehend zerstört.
Wiederentdeckte Pracht: Versandet, versunken, von Urwald überwuchert – mehr als tausend Jahre waren diesen prachtvollen dorischen Tempel an der salernischen Küste vergessen. Erst 1752 wurden sie wiederentdeckt, etwa zeitgleich mit Pompeij und Herkulaneum. Nicht nur Vulkane und Erdbeben bedrohen also die Antike im Süden Italiens ...
So blass kommt weder ein Fiano noch ein Greco daher – was hier fast durchsichtig im Glas liegt ist ein einfacher Falanghina-Weißwein, genossen in einer kampanischen Trattoria am Meer genossen. Auch Einfachheit hat mitunter ihren Reiz.
Cielo burascoso sagen die Italiener beim Anblick solch eines Himmels wie er sich hier auftut über Montefusco, dem höchstgelegenen Ort des Greco-Gebietes mit seinen kleinen und großen Rebfeldern zwischen grünen Hainen und blonden Kornfeldern. Burattare bedeutet „beuteln“ und tatsächlich zieht gerade ein schweres Gewitter auf...
Steile Felsen, enge Buchten, schlafende Fischerboote – wenn es Nacht wird an der Amalfiküste und der Vollmond hinter dem Klippenrand leuchtet, muss man weder besonders romantisch noch besonders weinselig sein, um den Zauber zu spüren, der in diesem Moment alles verändert. Was am Tag leuchtend klar erscheint, bekommt plötzlich sanfte Konturen – und sogar das Meer liegt glatt und still.
Man sieht dem Anglicano sein Gewicht schon an: fast schwarz wirkt er im Glas, männlich-kraftvoll; und noch bevor der erste Tropfen die Zunge netzt fallen einem Begriffe ein wie Leder und Lakritz, kernig und dunkel. Der Eindruck wird später vom Gaumen bestätigt; nicht umsonst wird dieser Wein in Italien als Schwergewicht neben Barolo und Brunello gehandelt.
Ruhe vor dem Sturm? Alles scheint ganz entspannt hier in der Bar „Vino & Caffé“ im Herzen von Taurasi. Aber Achtung – der 2500-Seelenort ist eine Weinhochburg. Und wenn Mitte August der Estate Taurasina im Kalender steht mit der Fiera Enolgica – dann geht es auch im „Vino & Caffé hoch her: dann werden die besten Taurasi und andere lokale Köstlichkeiten verkostet.
Klare Struktur – bei Feudi di San Gregoria entspricht die Optik des Kellers dem Charakter des Weins, der hier entsteht. Das Weingut in Sorbo Serpico in der klassischen Weinregion Irpinia zählt zu den dynamischsten des ganzen Gebiets; es verbindet Tradition und Moderne und überaus engagierter Manier. Seine Rebstöcke stehen außer in Sorbo in Tufo, Taurasi und Santa Paolina, in Höhen bis zu 700 m.
Korn und Reben prägen die Hügellandschaft am Fuße des Monte Vulture, der einem ganzen Massiv seinen Namen lieh. Die erloschenen liegen nördlich der Stadt Potenza in der Region Basilikata. Ihr höchster Gipfel ist auch Taufpate des Weinanbaugebiets Vulture, das den DOC-Wein Aglianico del Vulture produziert.
Jongleur oder Bäcker? Die Pizza, so heißt es, wurde in Neapel erfunden – jedenfalls die mit Tomate, Mozzarella und Basilikum. Das war im Sommer 1889, anläßlich des Besuchs von König Umberto I. und seiner Frau Margherita! Der Pizzaiolo, der das Paar bediente wurde zum Star, der flache Fladen Kult. Seinen Namen hat er übrigens wohl vom Verb picea, zu Deutsch zupfen. Das macht man nämlich mit dem Teig.
Cosa? Was geht vor in dieser Pizzaria in Barile? Weshalb das skeptische Stirnerunzeln? Also, das war so: die Freunde von Winzer Salvatore Fucci wollen nicht glauben, dass man zur Pizza auch den lokalen Rotwein trinken kann – anstatt Bier oder Cola. Da muss offenbar noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.
Stolzer Pionier: noch jung ist das Weinbauprojekt von Salvatore Fucci. In seinem kleinen Keller reift ein einziger Rotwein – der Titolo; ein Aglianico del Vulture. Zusammen mit seiner Tochter Elena hat widmet sich der Mann aus Barile diesem lokalen Gewächs. Der 2004er der Fuccis schmeckt voluminös nach Sauerkirschen, Johannisbeeren, Rosmarin und Zimt gefolgt von leichten Andeutungen an Vanille.
Zwiebeln, Salat, Gemüse – viele Kampaniaten bauen in der fruchtbaren, dunklen Erde von Avellino noch einen Großteil dessen, was sie zum Leben brauchen, selbst an, anstatt es im Supermarkt zu kaufen. Landwirtschaft, die noch funktioniert.
Doppelte Schönheit: die Töchter der Familie Fucci. Elena, die ältere, hat einen Doktor in Önologie – doch sie ging damit nicht hinaus in die Welt, sondern zurück in die rauen Berge der Basilikata. Dort macht sie nun Jahr für Jahr einen großen Wein: den Titolo, einen reinsortigen Anglicano di Vulture. Auf der Vinitaly freut sie sich mit ihrer Schwester über den Erfolg des Familienweins.
Akazien fühlen sich im Klima Kampaniens ebenso wohl Palmen und Pinien. Und natürlich Reben. Akazienblütenduft lässt sich in so manchem Fiano-Weißwein aus dieser Region um Neapel erschnuppern – mitunter gepaart mit den Aromen von Zitrusfrüchten und Aprikosen.
Saftig grün heben sich die Reben vom Weiß und Ocker der Dörfer auf den Hügeln ab – ein recht überraschender Anblick. Solch eine üppige Vegetation erwartet man nicht unbedingt in Süditalien.

Aglianico - Die unbekannten "Spröden" aus dem Süden

Ein Rotwein aus den Anbaugebieten Taurasi und Vulture in Kampanien

Nein, sie gehören nicht zu den anschmiegsamen weichen Geschöpfen, die es einem leicht machen, sich sofort in sie zu verlieben. Sie geben sich eher spröde, verlangen einem etwas Geduld ab, bevor sie sich öffnen. Aber wenn man ihnen Zeit gibt, dann offenbaren die Rotweine aus der Rebsorte Aglianico sich als markante Charaktere mit der Fähigkeit, in Würde zu altern.

Taurasi ist eigen

Antonio Caggiano ist ein Mann mit Leidenschaften. Er ist einer der bekanntesten Winzer aus Taurasi, einem Ort, der großen Rotweinen ihren Namen gab. Erst 1990 hat der charismatische, spät berufene Winzer und gelernte Architekt begonnen, Aglianico-Trauben zu kultivieren, in Weinbergen, die man vom alten Schloss in der Altstadt überblickt. Wer den vor Energie sprühenden Kampanier durch seine Keller begleitet, wo ausschließlich Rotweine lagern, fühlt, mit wieviel Herzblut er als Winzer bei der Sache ist. Und man stößt überall auf seine weiteren Leidenschaften: Antonio ist nämlich ein begeisterter Fotograf, ein Liebhaber schöner Frauen und - wie so viele Süditaliener - auch ein tief religiöser Mann. Die Wände seiner Kellerei sind vollgehängt mit sinnlichen (Frauen)Fotos, die in aller Welt entstanden und deren Schauplätze den Winzer zu außergewöhnlichen Namen für seine Weine inspirierten. Dazu hat er noch jeden Winkel seines malerischen Weinkellers liebevoll dekoriert. Mit stimmungsvollen Wandmalereien, kunterbunten Krippen, mächtigen Kreuzen aus den Böden von Weinflaschen und einem Altar, damit der göttliche Funke auch auf seine Weine überspringt. Das ist auch durchaus berechtigt: seine Weine zählen schließlich zu den besten aus dem Anbaugebiet des Aglianico. Die Holztöne dürften freilich gemäßigter sein.

Wiedergeburt eines Weines

Man kann Antonio Caggiano seine Leidenschaft für Aglianico nicht verdenken. Sie ist die interessanteste Rebsorte südlich von Rom. Schon vor mehr als 2.500 Jahren von den Griechen eingeführt, ist sie die Basis für trockene, aromatische und komplexe Rotweine mit Tiefe, die Fans gerne als „Barolo des Südens“ bezeichnen. Im Gegensatz zum Barolo aber, der wahrlich in aller Munde ist, kennen sie hierzulande nur wenige Weinliebhaber. Zu dürftig war die bisher erzeugte Menge, zu bescheiden die Zahl der ansprechenden Weine, zu spröde ihr erster Eindruck. 

Aglianico in Taurasi - Rotwein mit Tiefe

Die Weine aus der Rebsorte Aglianico sind sehr farbintensiv, liegen rubinrot bis mahagonifarben im Glas, besitzen eine präsente Säure und viel, sehr viel Gerbstoff. Während andere Rotweine sich beispielsweise über ihre Fruchtigkeit erschließen, sind beim Aglianico die eigenwilligen Gerbstoffe die Schlüssel zum Verständnis des Weines. Die Rotweine, welche die Besonderheiten der Rebsorte am eindruckvollsten zum Ausdruck bringen, sind die Topweine aus Taurasi, dem traditionsreichsten Rotweinanbaugebiet Kampaniens, sowie die Weine aus der Gegend um den Vulkan Vulture in der Region Basilikata. Zwar wird die Rebsorte Aglianico in der ganzen Region Kampanien angebaut – an der Küste ebenso wie in der nördlichen Provinz Benevento. Hier konzentrieren wir uns wegen ihres eigenständigen Charakters auf die beiden Anbaugebiete Taurasi und Vulture.

Wichtig zu wissen: Der Wein Aglianico del Vulture wird vollständig aus der Rebsorte Aglianico erzeugt. Beim Wein Taurasi können dagegen bis zu 15 Prozent anderer Sorten mit verschnitten werden. In Frage kommen dafür einheimische Sorten wie Piedirosso oder die internationalen Rebsorten Merlot oder Cabernet Sauvignon. Bis auf ganz wenige Ausnahmen setzen die Taurasi-Winzer jedoch vollständig auf die Größe und den noblen Charakter der Rebsorte Aglianico, bauen also reinsortig aus.

Das Anbaugebiet Taurasi beginnt dort, wo die Weißweinanbaugebiete Fiano di Avellino und Greco di Tufo enden – 20 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Avellino. Es ist weitläufig, denn die relativ kleine Menge Weingärten verteilt sich auf eine große Fläche von 17 Gemeinden. Eine davon ist der Ort Taurasi, der den Weinen der Region ihren Namen gab. Weitere Orte wie Montefalcione, Montemarano, Montemiletto zeigen durch die Vorsilbe Monte (Berg), dass wir uns im Vorgebirge befinden. In der kontrastreichen Landschaft wechseln sich imposante Gebirgszüge und sattgrüne Hügelketten ab mit Weizenfeldern und kleinen Flüsschen, die sich im Fluss Calore vereinen. Die Weinberge liegen in kleinen Parzellen verstreut in den umliegenden Hügeln auf einer Höhe von 250 bis 550 Metern.

Hier sind die meist kurzen Winter hart und für den Süden vergleichsweise schneereich. Der Frühling erreicht die Aglianico-Reben erst zwei Wochen später als die nicht weit entfernte Amalfiküste. Die Sommerperiode ist erwartungsgemäß lang, sonnig und heiß. Temperaturen von 35 bis 40° C im Juli und August sind trotz der gebirgigen Lage keine Seltenheit. Glücklicherweise sorgen Abendwinde für die Abkühlung von Menschen und Trauben. Es regnet sehr selten, und der Herbst dauert länger als an der Küste. Dort findet die Lese der Aglianico-Trauben zwei bis drei Wochen früher als im Taurasi-Gebiet statt. Hier ernten die Winzer erst im November die letzten Trauben aus den höher und geschützt gelegenen Weinbergen.

Auch wenn es die relative Nähe des Vesuvs und weiterer kleiner Vulkane nahelegen würde: Im Taurasi-Gebiet stehen die Aglianico-Reben nicht auf der schwarzen Erde, die einst die Vulkane ausspuckten. Es sind vielmehr helle, von Tuffstein oder Kalkgestein durchsetzte Lehmböden mit geringem Sandanteil, wobei der Lehmanteil vielerorts beachtlich ist und dazu führt, dass die urwüchsige Kraft und die prägnanten Gerbstoffe des Taurasi zusätzlich hervorgehoben werden. Die Fachwelt unterteilt gerne in schwere Böden mit hohem Lehmanteil und leichte Böden mit hohem Sandanteil. Vereinfacht gesprochen spiegeln sich diese Bodeneigenschaften auch in den jeweiligen Weinen wider. Ergo ergeben die schweren Böden in Taurasi schwere und kräftige Rotweine.

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