abgang (Finish, Finale, Nachklang oder Länge) — Nachhallen des Weins am Gaumen nach dem Schlucken. Dauer und Intensität des Abgangs sind ein zuverlässiger Hinweis auf die Qualität eines Weins.
adstringierend — Zusammenziehend (lat. adstringere). Durch Tannin (Gerbstoff) hervorgerufener trockener und rauer Geschmackseindruck im Mund, der bei jungen Rotweinen besonders ausgeprägt sein kann, sich aber mit zunehmender Reife des Weins verliert.
agronom — Absolvent der Agrarwissenschaften. Während des Studiums sind verschiedene Spezialisierungen möglich, u.a. auch Weinbau.
alberello (ital.) — Bäumchen; Erziehungsform der Rebstöcke, die besonders in Süditalien (Apulien, Sizilien) verbreitet ist. Der relativ kurze Rebstamm hat nur drei Schenkel und wächst dadurch buschartig.
alkohol — Bezeichnet beim Wein das genusstaugliche Ethanol (auch: Äthanol). Ein hoher Alkoholgehalt im Wein macht sich durch eine Süßeempfindung und Wärme am Gaumen bemerkbar. Bei konzentrierten Weinen wird das Fließverhalten öliger, und es können sich an der Glasinnenwand beim Schwenken halbrunde „Kirchenfenster“ bilden, was für sich noch kein Qualitätsmerkmal ist.
amabile (ital.) — Lieblich; Wein mit 18 bis 45 g / l Restzucker; deutliches Süßeempfinden.
ampelographie — Rebsortenkunde (griech. ampelos − Weinstock); sie ist ein Teilbereich der Önologie und beschäftigt sich mit der Beschreibung, Bestimmung und Klassifizierung der Rebsorten.
annata (ital.) — italienisch für Jahrgang
anreichern (chaptalisieren, aufbessern) — Dem frischen oder teilvergorenen Most wird Zucker zugegeben, um einen höheren Alkoholgehalt im fertigen Wein zu erreichen. Dieses Verfahren ist in den # EU-Weinbauzonen A und B zugelassen. Laut EU-Norm darf in Zone A maximal um 2,5 Vol%, in Zone B maximal um 2 Vol% angereichert werden. In Italien ist dazu # rektifiziertes Traubenmostkonzentrat (RTK) (hohe Herstellungskosten, nicht geschmacksneutral) vorgeschrieben, während man in nördlicheren Ländern gern zu Rübenzucker (geringe Herstellungskosten, geschmacksneutral) greift.
aufspriten (spriten) — Einem gärenden Wein wird Branntwein zugesetzt, um die Gärung durch Abtöten der Hefen vorzeitig zu stoppen. Dadurch bleibt mehr Restzucker im Wein erhalten. Beispiele für aufgespritete Weine sind Portwein, Madeira (beide Portugal), Sherry, Malaga (beide Spanien) und Marsala (Italien).
ausgewogen (balanciert, harmonisch) — Bezeichnet in der Weinsprache einen Wein, dessen wichtigste Komponenten Säure, Süße, Alkohol, Frucht, Tannin und Körper nicht getrennt, sondern ineinander verwoben in aufeinander abgestimmten Anteilen wahrgenommen werden. Damit ein Wein als „ausgewogen“ bezeichnet wird, sollte keine dieser Komponente unangenehm herausstechen.
autochthon — Einheimisch, bodenständig, eingeboren (griech. autos − selbst und chthón − Erde). Autochthone Rebsorten kommen nur in einem eng begrenzten Gebiet vor, in dem sie meist auch ihren Ursprung haben.
azienda agricola (ital.) — Erzeugerbetrieb, der ausschließlich eigenes Traubengut verarbeitet.
azienda vinicola (ital.) — Weingut, das fremde Trauben und Weine zukaufen kann.
abbazia (ital.) — Abtei
battonage (frz. von bâton − Stock, Stab) — Aufrühren des zu Boden gesunkenen Hefelagers nach der Gärung. Regelmäßige Battonage verleiht dem Wein ein cremigeres Mundgefühl und einen gehaltvollen Geschmack.
biologisch — Ökologisch. Der biologische Weinbau legt ein besonderes Augenmerk auf den Umweltschutz und verzichtet weitgehend auf chemische Pflanzenschutzpräparate und Zusatzstoffe in der Weinbereitung (siehe Bioweine).
biodynamisch — Sonderform des biologischen Weinbaus im Einklang mit den Naturkräften. Die Biodynamie beruht auf den Theorien des Anthroposophen Rudolf Steiner (siehe Bioweine).
biologischer säureabbau (BSA) (malolaktische Gärung) — Steuerungsmittel zur Säurereduktion. Dabei wird die aggressiv und hart schmeckende Äpfelsäure in die mildere Milchsäure unter Freisetzung geringer Mengen Kohlensäure umgewandelt. Trägt auch zur Verfeinerung der Aromen und zu einem harmonischen Geschmacksbild bei. Diese Arbeit erledigen Milchsäurebaktierien.
bollicine (ital.) — (la bollicina − Bläschen) V. a. im Trentino und vom Herausgeber genutzter umgangssprachlicher Ausdruck für Spumante.
borgo (ital.) — Kleines Dorf, Ortschaft, Weiler, Vorstadtviertel.
botrytis cinerea — Dieser für die Herstellung von Süßweinen herbeigesehnte Schimmelpilz befällt insbesondere bei feucht-warmem Wetter die ausgereiften Beeren und durchlöchert deren Haut. Dadurch verdunstet Wasser, und alle anderen Inhaltsstoffe wie Zucker und Aromen werden konzentriert. Kommt die Edelfäule jedoch zum falschen Zeitpunkt, z.B. zu früh, entsteht Fäulnis.
bricco (ital.) — Piemontesisch für die Kuppe eines Hügels.
brut — Trocken. Geschmackskategorie für Schaumweine bis maximal 15 g / l Restzucker. Die Schaumweine in vielen Weinländern sind brut. Durch die Kohlensäurebläschen entsteht im Mund ein trockeneres Empfinden als bei Stillweinen mit gleichem Restzuckergehalt.
cantina (ital.) — Keller, Synonym für Kellerei.
cantina sociale (ital.) — Genossenschaft
casa vinicola (ital.) — Weinhandelshaus, das Wein zukauft und weiterverarbeitet (négociant). In Frankreich wird ein Weinhändler, der Trauben, Most oder Weine vom Erzeuger kauft und selber verarbeitet, ausbaut oder abfüllt, Négociant (Händler, Handelshaus) genannt.
chaptalisieren (# anreichern, aufbessern) — Hinzufügen von Zucker zum Most, bevor die Gärung einsetzt. Ziel ist ein höherer Alkoholgehalt im Wein. Seinen Namen verdankt dieses Verfahren dem französischen Chemiker Jean-Antoine Chaptal.
charakter — Jeder Wein hat einen Charakter, also einen eigenständigen geschmacklichen Ausdruck. Diese stilistische Grundausrichtung bewegt sich zwischen elegant und kraftvoll und ist völlig wertfrei zu sehen. Sangiovese wird z.B. mit Eleganz und Finesse gleichgesetzt, Cabernet mit Kraft und Dichte.
classico (ital.) — Bezeichnet im Allgemeinen das historische Kerngebiet eines Anbaugebiets, z.B. Chianti Classico oder Soave Classico.
contiene sulfiti (ital.) — Enthält Sulfite. Der von der EU vorgeschriebene Hinweis für Allergiker „enthält Schwefel“ muss seit 2005 auf dem Etikett deklariert werden. Schwefeldioxid wird bei der Weinbereitung als Oxidationsschutz eingesetzt und verhindert, dass sich Sauerstoff im Wein bindet und dieser vorzeitig altert, einen Fehlgeschmack entwickelt oder sich verfärbt. Auch Bio-Weine enthalten # Schwefel, allerdings in geringeren Mengen. Es gilt die folgende Faustregel: Rotwein enthält weniger Schwefel als Weißwein, trockener Wein weniger als lieblicher.
cuvée, die (!) (frz. Assemblage, Marriage) — Verschnitt, also die kunstvolle Vermischung fertig vergorener Weine aus verschiedenen Rebsorten, Lagen oder Jahrgängen. Ziel ist eine höhere Qualität des Endprodukts bzw. eine geschmackliche Konstanz über mehrere Jahrgänge.