FOTO: Muskateller ist am Kaiserstuhl eine Rebsorte, die sich wachsender Beliebtheit erfreut, nicht nur in den Endinger Lagen.

Der Weißwein-König am Kaiserstuhl ist eindeutig der Grauburgunder. Er ist mit einer Anbaufläche von mehr als 900 Hektar die wichtigste weiße Rebsorte der Region. Gemessen an der Gesamtrebfläche sind dies 21 %. Am Tuniberg macht der Grauburgunder rund 10 Prozent der bestockten Fläche aus.
Doch andere Sorten haben nachgezogen oder sind dabei ihre Position zu festigen oder gar auszubauen. Im Sog des Grauburgunders erlebt der Weißburgunder einen kräftigen Aufschwung. Weißburgunder braucht warme, möglichst tiefgründige und kräftige Böden sowie exponierte, trocken-warme Lagen. Das alles findet er am Kaiserstuhl aber auch im übrigen Baden, der Hochburg der Sorte. Weißburgunder sind dank ihres hohen Säuregehalts meist elegant und rassig und hervorragende Menüweine. Am Kaiserstuhl und Tuniberg spielt der Weiße Burgunder durchaus eine beachtliche Rolle. Die Anbaufläche beträgt hier über 600 ha.

Die Rebfläche Badens

Baden ist ohne Zweifel Burgunderland. Diese Losung hat sich auch der Badische Weinbauverband in seiner „Vision 2020“ auf die Fahnen geschrieben. Bis zu diesem Zeitpunkt soll Badens Rebfläche zu zwei Dritteln mit Burgundersorten bestockt sein – mit 40 Prozent roten und 26 Prozent weißen. Als Flaggschiffe gelten dabei die Spät-, Grau- und Weißburgunder. Ergänzt werden soll dieses Trio mit zehn Prozent Müller-Thurgau, acht Prozent Riesling, sechs Prozent Gutedel, fünf Prozent pilzresistenten Sorten und vier Prozent Bukettsorten und Silvaner. Ein Blick in die aktuelle Statistik des Staatlichen Weinbauinstituts in Freiburg zeigt, dass die badischen Winzer diesem Ziel schon recht nahe gekommen sind: Der Anteil der Burgundersorten beträgt derzeit rund 60 Prozent.
Der Spätburgunder oder Pinot Noir ist für die Rotweine, was der Riesling für die Weißweine ist: die Spitze der Qualitätspyramide. Spätburgunder gehört zu den Rebsorten, die am frühesten aus den mitteleuropäischen Wildreben ausgelesen wurden. Diese edle Sorte verlangt viel Sorgfalt. Sie stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden. In Baden, besonders am Kaiserstuhl und Tuniberg, findet sie allerbeste Anbaubedingungen, um Rotweine hervorzubringen, die zu den besten der Welt zählen. Deshalb beträgt auch der Anteil der Spätburgundertrauben an der gesamten bestockten Rebfläche am Kaiserstuhl über 36 % und am Tuniberg gar an die 60 %. Badenweit hat die rote Top-Sorte einen Anteil von 35,7 %. Auch Roseweine und Weißherbst gehören zum Potenzial des Spätburgunders. Werden die Trauben rasch nach der Lese gepresst, lässt sich aus dem hellen Saft ein „Blanc de Noirs“, ein Weißwein aus roten Trauben, herstellen. Spätburgunder kann auch gut zu Schaumwein verarbeitet werden, als roter Sekt oder Blanc de Noirs-Sekt. Spätburgunder schmecken vollmundig und samtig. Der typische hat einen angenehmen Duft von roten Früchten, von Erdbeere über Kirsche und Brombeere bis hin zur schwarzen Johannisbeere. Bei im Barrique ausgebauten Weinen kommen Vanille- und Zimt-Noten hinzu.

Bukettsorten im Kommen

Äußerst beliebt sind inzwischen wieder die Bukettsorten Muskateller, Scheurebe, Kerner und Gewürztraminer, vor allem bei jungen Weintrinkern. Dennoch beträgt ihr Anteil an der badischen Rebfläche zusammen nur 1,9 Prozent. Die Bukettsorten waren einige Jahre verpönt. Aber derzeit sind sie wieder im Kommen. Gerade Topbetriebe pflanzen wieder vermehrt Muskateller an. Er verfügt nicht nur über viel Aroma, sondern auch über eine erfrischende Leichtigkeit.
Der Muskateller ist eine der ältesten kultivierten Rebsorten. Über die Jahrhunderte haben sich viele verschiedene Varianten entwickelt. In Baden wird heute nur der Gelbe Muskateller angebaut – eine typisch badische Spezialität. Die Anbaufläche am Kaiserstuhl und Tuniberg beträgt unter 50 ha. Die Muskatellerrebe stellt einen hohen Anspruch an die Lage und ist sehr frostempfindlich. Der Muskateller liefert leichte, rassige, aromatische Weine mit ausgeprägtem, aber feinem Muskatbukett. Einfache Kabinettweine eignen sich wegen ihrer Säurebalance zu verschiedenen Vorspeisen, Salaten und auch zu fruchtigen Desserts. Edelsüße Auslesen sind ein herrlicher Aperitif.

Müller-Thurgau ist mehr als ein Schoppenwein

Der größte Verlierer unter den badischen Rebsorten ist der Müller-Thurgau. Vor 25 Jahren lag sein Anteil noch bei 35 Prozent (5800 Hektar). Damit war er Badens wichtigste Rebsorte. Mitte der 1990er-Jahre begann die Talfahrt. Der Markt war mit Müller-Thurgau überschwemmt worden, hohe Erträge hatten der Weinqualität geschadet. Zudem wurden die Burgunder besser. Heute sind nur noch 2493 Hektar (16,2 Prozent) mit Müller-Thurgau bepflanzt. Einig sind sich die Winzer am Kaiserstuhl, dass der Müller-Thurgau ein besseres Image braucht und auch verdient. Fazit: Müller-Thurgau ist mehr als Schorlewein oder billiger Weingenuss aus der Literflasche beim Discounter.
Müller-Thurgau ist sowohl am Kaiserstuhl als auch am Tuniberg eine der Hauptsorten. Mit insgesamt über 1000 ha bestockter Rebfläche beträgt der prozentuale Anteil in beiden Gebieten jeweils knapp 20 Prozent.
Müller-Thurgau-Weine verbinden Fruchtaromen wie Apfel und Aprikose mit milder Fruchtsäure. Oft ist eine leichte Muskatnote vorhanden. Die Weine schmecken frisch und jung am besten. Sie sind ideale Sommerweine.